Kein Chopin-Konzert in Kathedrale

MusicMonday: Night Prayers op. 79
Night Prayer I
Night Prayer II
Night Prayer III
MusicMonday: Chopin und Katzen
MusicMonday: Bethlehem op. 8
Beim Durchsuchen meines Archivs habe ich eine alte Komposition von mir gefunden, die gut in die Weihnachtsoktav passt: Bethlehem op. 8, das ich in der Weihnachtszeit des Jahres 1998 geschrieben habe, wenn ich mich recht erinnere.
Die recht einfache, aber sehr innige Komposition besteht aus 3 Teilen. Im ersten Satz schauen wir verzückt auf das Christkind, das unsere Herzen erleuchtet und erwärmt. Im zweiten Teil sehen wir den Heiland mit den Augen der drei Weisen, während wir im letzten Satz die zärtliche Liebe hören, die die Muttergottes und der heilige Josef für das Jesuskind empfinden.
Bethlehem op. 8 by davidianni
Update: Aufgrund von Internetproblemen konnte ich den Beitrag erst heute, an einem Dienstag, veröffentlichen. ;-)
Frohe Weihnachten!

Weihnachten
Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
O du gnadenreiche Zeit!
(Joseph Freiherr von Eichendorff)
XI. Weihnachten (aus „Eichendorff-Lieder op. 3“) by davidianni
Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1

1. Präludium
Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1 - Präludium by davidianni
Das erste Präludium und die anschließende Fuge in e-Moll geben Zeugnis von Mendelssohns kontrapunktischer wie pianistischer Meisterschaft. Gebrochene Dreiklänge eröffnen in ungestümem Rauschen das großartige Präludium. Das Thema erklingt inmitten dieser Klangwellen, gespielt vom Daumen der rechten Hand. Nach einer virtuosen Steigerung beenden zwei harsche Akkorde das Präludium.
2. Fuge
Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1 - Fuge by davidianni
Das emporstrebende Thema der Fuge wird in einer klassischen Exposition durch alle vier Stimmen vorgestellt und entwickelt. Inmitten der seufzenden Sekundenschritte des ersten Zwischenspiels (1’36’’) ertönt das Thema im Bass (1’50’’), während die Mittelstimmen das Tempo auf Sechzehntelnoten steigern und einen anstehenden Sturm erahnen lassen. Mendelssohn schreibt zusätzlich ein „accelerando“ vor. Bei 2’39’’ haben wir ein deutlich schnelleres Tempo erreicht und das Thema wird nun in seiner Umkehrung weiterverarbeitet. Ab 3’23’’ erhöht eine unhaltbare Sechzehntelbewegung in den verschiedenen Stimmen um das umgekehrte Thema die Spannung, bis bei 4’08’’ das Thema wieder in seiner ursprünglichen Gestalt, jedoch in vollkommen verschiedenem Duktus wieder erklingt: ungleich bewegter und extrovierter als zu Anfang. Der Dominant-Orgelpunkt, der das Ende einläutet, wird bei 4’20’’ erreicht. Hier werden Fetzen des Themas in den Sog der Musik hineingeworfen, bis das oktavierte Thema sich im Bass durchsetzt (4’38’’) und in virtuosen Oktav- und Akkordkaskaden dem endgültigen Höhepunkt der Fuge entgegenstrebt: dem strahlenden Choral in E-Dur (5’02’’), in dem sich die ganze Spannung des Vorhergehenden entlädt. Gegen Ende kehrt das Thema zurück (5’43’’), diesmal allerdings in E-Dur, verklärt und eingebettet in typisch mendelssohnsche Harmonien, voll Wärme und Schönklang.
MusicMonday: Mondscheinsonate III
Die Aufnahme stammt von meiner Debüt-CD aus dem Jahr 1996 - wow, ist das lange her! Damals war ich gerade mal 16. Wie die Zeit vergeht! Heute würde ich natürlich anders spielen, vielleicht etwas wütender, mit mehr „Grandeur“ und stellenweise extremer. Trotzdem finde ich die Interpretation recht gelungen und hoffe, dass sie euch gefällt.
Beethoven: Sonate op. 27 Nr. 1, dritter Satz (Presto agitato) by davidianni
MusicMonday: Nacht der Tränen
Ein paar Infos zum Stück: die Melodie kam mir 1995, also auf dem Zenit meiner schwierigen Pubertät… Die erste Liebe neigte sich einem unschönen Ende zu und zum ersten Mal erfuhr ich, wie einem das Herz weh tun kann. Was macht daraufhin ein Musiker? Natürlich, den Kummer in Musik umwandeln. Eigentlich ist „Nacht der Tränen“ der zweite Satz aus einem dreiteiligen Zyklus namens „Fallende Perlen“, meinem Opus 1. Passt irgendwie gut zum November…
Nacht der Tränen (aus „Fallende Perlen op. 1“) by davidianni
P.S.: Auf Bitten von Gloria.tv habe ich auch mal eine sehr laienhafte Videoaufnahme des Stückes gemacht:
Zum 20. Todestag von Horowitz…
1. Alexander Skrjabin: Vers la flamme op. 72
2. Robert Schumann: „Träumerei“ aus den „Kinderszenen op. 15“
Konzerte im November

Am Mittwoch, den 11. November in Ettelbruck (L)… gibt’s mit dem Kammermusikensemble KMVL einen tollen Mozartabend mit Musik und Briefen (!) von Wolfgang Amadeus Mozart.
Am Dienstag, den 17. November… spiele ich (endlich mal wieder!) einen Soloklavierabend mit Werken von Bohuslav Martinů, Felix Mendelssohn-Bartholdy (der heute vor 162 Jahren gestorben ist) sowie meinen drei Balladen, die ich in den vergangenen Wochen in der MusicMonday-Rubrik vorgestellt habe. Das Konzert findet im Foyer Européen in Luxemburg statt.
Nähere Informationen gibt’s bei den Terminen.
MusicMonday: Das Leben

Das Musikstück im Video ist eine einfache Komposition namens „Le Petit Prince op. 6“, inspiriert durch die gleichnamige Erzählung von Saint-Exupéry. Anschließend erklingt aus den mehrfach hier vorgestellten Eichendorff-Liedern op. 3 (Wünschelrute & Abendständchen) das „Kirchenlied“ (ein marianisches Gedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff), aus dem ich später ein Chorfassung mit dem Text des „Ave Maria“ erstellt habe. Da es nicht ganz ins Video passt, könnt ihr euch weiter unterhalb des Videos beide Versionen vollständig anhören.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf eine aktuelle UN-Petition des Catholic Family & Human Rights Institute aufmerksam machen, so wie auf das unterstützenswerte Projekt 1000+.
Kirchenlied (Ave Maria) - Klavierfassung:
XII. Kirchenlied (aus „Eichendorff-Lieder op. 3“) by davidianni
Ave Maria - Chorfassung:
Ave Maria op. 48 by davidianni
Es singt der luxemburgische Chor „Madrigal de Luxembourg“ unter der Leitung von Carlo Hommel.
Schlussgebet der Enzyklika Evangelium vitæ von Papst Johannes Paul II.
O Maria,
Morgenröte der neuen Welt,
Mutter der Lebendigen,
Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an:
o Mutter, blicke auf die grenzenlose Zahl
von Kindern, denen verwehrt wird,
geboren zu werden,
von Armen, die es schwer haben zu leben,
von Männern und Frauen,
die Opfer unmenschlicher Gewalt wurden,
von Alten und Kranken,
die aus Gleichgültigkeit
oder angeblichem Mitleid getötet wurden.
Bewirke, daß alle,
die an deinen Sohn glauben,
den Menschen unserer Zeit
mit Freimut und Liebe
das Evangelium vom Leben verkünden können.
Vermittle ihnen die Gnade, es anzunehmen
als je neues Geschenk
die Freude, es über ihr ganzes Dasein hinweg
in Dankbarkeit zu feiern,
und den Mut, es mit mühseliger Ausdauer
zu bezeugen,
um zusammen mit allen Menschen
guten Willens
die Zivilisation der Wahrheit und der Liebe
zu errichten,
zum Lob und zur Herrlichkeit Gottes,
des Schöpfers und Freundes des Lebens.
Die Klaviertreppe

Sehr hilfreich bei guten Vorsätzen ist es, wenn sie auf irgendeine Weise Spaß machen. Hier ist z.B. eine Möglichkeit, wie man die Leute dazu bringen kann, die Treppe zu nehmen anstatt sich gemütlich auf die Rolltreppe zu stellen:
MusicMonday: Abendständchen

V. Abendständchen (aus "Eichendorff-Lieder op. 3") by davidianni
Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.
In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.
Schlingend sich an Bäum' und Zweigen,
In dein stilles Kämmerlein
Wie auf goldnen Leitern steigen
Diese Töne aus und ein.
Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.
Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.
Ach, den süßen Klang verführet
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloss und Wand ihn spüret
Träumend jedes schöne Kind.
Zu Chopins 160. Todestag

Wer sich ein wenig Zeit nimmt, um sich die folgenden Musikstücke von Chopin anzuhören, wird reich beschenkt werden!
Zunächst wollen wir die „Berceuse op. 57“ hören. Ursprünglich nannte Chopin die Komposition „Variations“, doch der Titel, der für die Veröffentlichung gewählt wurde, trifft es gut, wenn nicht besser. Chopin entlockt dem Klavier die Töne einer Spieluhr, aber einer Spieluhr, wie wir sie noch nie gehört haben. Es spielt der legendäre Arturo Benedetti Michelangeli:
Nach solch einer Schönheit wird das Herz des Hörers allerdings schneller schlagen. Wer könnte nach diesen perlenden Klängen des Himmels gleich einschlafen und wollte nicht noch mehr hören?
Darum: hören wir den berühmten Walzer in cis-Moll op. 64 Nr. 2, gespielt von Artur Rubinstein, einem der großartigsten Chopin-Interpreten des 20. Jahrhunderts:
Als drittes Beispiel für die göttliche Kunst Frédéric Chopins habe ich den langsamen Satz aus seinem Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11 ausgewählt. Die Passage in H-Dur bei 1'45'' gehört für mich zu den schönsten der gesamten Klavierliteratur. Wunderbarer Interpret des Konzerts ist Dinu Lipatti, über den ich in einem anderen Blogbeitrag bereits geschrieben habe.
Frédéric Chopin war übrigens ein frommer Katholik. Franz Liszt, der mit ihm befreundet war, sagte dass Chopin ein „Mann des Gebets“ war. Obwohl er stark im Katholizismus verwurzelt gewesen sei, habe er nie offen über dieses Thema gesprochen. Wer mehr über den Glauben von Chopin (und anderen großen Komponisten) wissen möchte, dem sei das Buch „The Spiritual Lives of the Great Composers“ wärmstens empfohlen. Auf