Love Story - Teil 3
26/07/09 11:43 Kategorie: Lehrreiches

Als wir vor knapp drei Jahren heirateten, hörte ich manch gut gemeinten Rat von älteren, „erfahreneren“ Bekannten, die mich davor warnten, dass a) mein überzeugter Katholizismus und b) die Liebe zu Martina nicht ewig andauern würden, und dass es keine Garantie gäbe, dass nicht auch unsere Ehe eines Tages in der Scheidung enden würde.
Oberflächlich betrachtet sind diese Befürchtungen durchaus realistisch. Immerhin ist die aktuelle Scheidungsrate alles andere als ein Beispiel für glückliche Beziehungen. All diese Paare, von denen jeder von uns sicher einige kennt, haben sich irgendwann doch auch geliebt, oder? Oder war es vielleicht keine wahre Liebe? Oder hat das Scheitern zahlloser Ehen in unserer Zeit andere Ursachen? Wieso „nimmt die Liebe ab“ und die Streitereien überhand und weshalb kann man dagegen anscheinend so wenig tun?
Ich bin kein Eheberater (eigentlich bin ich Pianist und Komponist, auch wenn man das aus meinem Blog kaum herausliest), führe vielleicht auch nicht die perfekte Ehe (was auch immer man darunter verstehen mag), aber – und das ist das Entscheidende – ich bin glücklich mit meiner Frau. Natürlich liegt das daran, dass sie ein lieber Mensch ist, dass sie klug, reif und verständnisvoll und unkompliziert ist. Ich könnte die Liste beliebig erweitern. Doch es handelt sich hier lediglich um Eigenschaften, die eben nur einen Teil des Eheglücks ausmachen. Schließlich gibt es bei jedem Menschen auch weniger angenehme Seiten, die man weder bei sich und schon gar nicht bei anderen jemals ganz los wird. Also muss die Liebe zum Partner so grenzenlos sein, dass dieser sich immer geliebt weiß, auch bei Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten. Denn sogar der verhärtetste Mensch hat in seinem Innern das tiefe Grundbedürfnis, bedingungslos geliebt und angenommen zu werden.
Doch wie kann diese Sehnsucht erfüllt werden und wie kann die Liebe zwischen zwei Menschen von Dauer sein, wenn:
- in einer Partnerschaft eine Hintertür geöffnet bleibt, die einem erlaubt, jederzeit aus der Beziehung zu flüchten und seine Liebe dem Partner zu entziehen?
- das Gut des anderen nicht über dem eigenen Gut steht, wenn man nicht gelernt hat, uneigennützig zu lieben?
- wenn nicht ein größeres, gemeinsames Ziel angestrebt wird?
1. Beginnen wir mit Punkt 1, der Hintertür. Einen Hinterausgang – und ich beschreibe im folgenden den Idealfall aus katholischer Sicht – hat man in der Phase der Prüfung, nämlich dann, wenn man sich auf eine Beziehung einlässt, um sich und den Partner besser kennen- und einschätzen zu lernen und die Freundschaft im Laufe einer gewissen (nicht über die Jahre ausufernden) Zeit auf ihre Standfestigkeit hin zu überprüfen. Bleibt der Wunsch bestehen, sein ganzes Leben mit diesem Menschen zu teilen, konkretisiert man diese Bereitschaft durch den Akt der Verlobung. Bis zur Eheschließung lässt man sich immer noch die Möglichkeit offen, sich aus Gründen der Klugheit und Einsicht zurückzuziehen und auf getrennten Wegen weiterzugehen. Mann und Frau haben sich zu diesem Zeitpunkt weder das ewige Ja in der Kirche vor Gottes Angesicht und vor den anwesenden Zeugen gegeben, noch haben sie sich durch das körperliche Ja, den Geschlechtsverkehr, einander ganz geschenkt und versprochen. Geschenke sollte man nämlich nicht zurückfordern.
Entscheidet man sich allerdings für die Ehe und gibt einander das Ja-Wort, dann geht die Hintertür nicht nur zu, sondern sie löst sich auf, sie verschwindet, weil das glückliche Paar sich ab diesem Zeitpunkt in der Unauflöslichkeit der Ehe befindet. Unser „Ja sei ein Ja“ (Mt 5,37), sagt Jesus – und genau darin liegt ein grundlegendes Geheimnis einer intakten Ehe: beide Partner wissen, dass das „Ja“ bis zum Ende gilt und dass dem anderen dieses Versprechen genau so heilig ist wie einem selbst. Auf dieser Basis gedeiht ein unerschütterliches Vertrauen ineinander (und in Gott – doch zu dem kommen wir beim nächsten Punkt), so dass viele Probleme wie Eifersucht, Verlustängste oder Misstrauen die Ehe gar nicht erst angreifen und vergiften können. Das Verschwinden der Hintertür ist weder ein Verlust von Freiheit noch ein Gefangensein in einem rein gesellschaftlich geprägten Schema, wie manche Ideologien es uns weismachen möchten. Es ist vielmehr der Schritt, der uns dank Gottes Gnade dazu verhilft, unsere Liebe im sicheren und gesegneten Umfeld der Familie zu entfalten und daran zu wachsen.
2. Solange mein Partner mein Ein und Alles ist und ich all meine Hoffnungen und Wünsche auf ihn projiziere, bleibt meine Liebe egoistisch und meine Ehe unerfüllt. Erhebt man den Partner zu einer Art Gottesfigur, ist die Ehe zum Scheitern verurteilt. Man wird weder in der Lage sein, frei und unegoistisch zu lieben, noch kann der Partner für all das herhalten, was man nur bei Gott suchen sollte und finden kann. Die uneigennützige Liebe lernen wir von Gott, der uns Seine Liebe dadurch offenbart hat, dass Er „seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“ (1Joh 4,9). Jesus, die Muttergottes und die Heiligen sollen die Vorbilder der Eheleute sein. Sie helfen uns, unsere Partner so zu lieben, wie der heilige Paulus es im 5. Kapitel seines Briefes an die Epheser fordert: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“ Überhaupt enthält dieser Abschnitt der Heiligen Schrift einen Schatz an Empfehlungen, die helfen, eine gute Ehe zu führen.
Das Gebet, die regelmäßige Gewissenserforschung und die Reinigung durch die heilige Beichte, die häufige Kommunion mit Jesus in der Messe: all dies sind Waffen, die die Liebe eines Ehepaars stärken, sie läutern und von egoistischen Beschränkungen befreien. Kleine Aufmerksamkeiten, gute Worte und Liebesdienste am anderen sind die natürlichen Folgen eines praktizierten Glaubens. Man muss in der Ehe das Gut des anderen vor das eigene Gut stellen. Wird diese Grundeinstellung von beiden Eheleuten getragen, kann die Ehe – trotz aller Disharmonien, die nicht zu vermeiden sind und die natürlich auch ihre Berechtigung haben – nicht anders als glücklich sein.
Selbstredend ist man als Ehepaar auch offen für die Kinder, die Gott einem schenken möchte und würde sich nie aus egoistischen Gründen vor diesem Gottesgeschenk verschließen. (Uns wurden bis jetzt 2 Söhne geschenkt.)
3. In der gemeinsamen Ausrichtung auf Gott sehe ich die dritte Grundlage einer glücklichen Ehe: über allem anderen muss die Beziehung zu Gott stehen, die mindestens genau so gepflegt werden will wie diejenige zum Ehepartner. Wer keine Beziehung zu Gott sucht und lebt, wird früher oder später unzufrieden mit sich und seinem Partner, da ein anderer Mensch nie in der Lage sein wird, jenen inneren Frieden zu schenken, den nur Gott, nicht aber die Welt geben kann (vgl. Joh 14,27). Wo Gott im Mittelpunkt einer Partnerschaft steht, wo gemeinsam gebetet wird, wo in der hl. Beichte regelmäßig mit sich selber ins Gericht gegangen wird, dort wird das Liebesglück täglich erneuert. Der gelebte Glaube erhält die Gnade des Ehesakraments ein Leben lang, wenn beide Partner ihr Leben immer neu auf Gott als gemeinsames Ziel ausrichten.
Diese drei Grundlagen – keine Hintertür, eine gereinigte Liebe und die gemeinsame Ausrichtung auf Gott – sind nur dort möglich, wo der Glaube ernst genommen wird. Christliche Eheleute dürfen den Glauben nicht in der Schublade des „Privaten“ verstecken, nein, sie müssen ihren Glauben gemeinsam leben und verkünden. Jedes Ehepaar, das sucht, wird seinen Weg finden, seine ihm eigene Art, die Ehe in den Dienst Gottes zu stellen. Es ist ein Weg, der unendlich reich belohnt wird. Er gibt der Liebe die Tiefe, jene Lebendigkeit, nach der jeder Mensch sich sehnt. Vielleicht wird ein solches Paar ein paar Liebesromane und -filme weniger konsumieren, da die Liebe ihr wunderschönes Lied ununterbrochen im eigenen Leben singt. Aber wen würde das stören?