Lobpreis-Lieder
22/06/09 11:50 Kategorie: Musik

Voraussetzung für das Musizieren in der Kirche ist immer die Zurücknahme des eigenen Geltungsbedürfnisses, also die Fähigkeit, ganz im Dienst der Anbetung klein zu werden, damit Gott groß sein kann. Ist dies nicht gegeben, wird jede Form von geistlicher Musik ihrer Aufgabe nicht gerecht werden.
Heute möchte ich auf die besonders in charismatischen Gruppen weit verbreiteten Lobpreis-Lieder eingehen, die in den 70er Jahren vermehrt auftauchten und ihren Ursprung vor allem in evangelikalen Kreisen haben. Man bedient sich bei dieser Gattung der Sprache der populären Musik, die dem Lebensgefühl junger Menschen oft am nächsten liegt, um zu beten und Gott anzubeten. Ein positives Beispiel für ein Liederbuch dieser Art ist z.B. „Singe Jerusalem“, das vom „Verein zur Förderung der Katholisch-Charismatischen Erneuerung“ herausgegeben wird.
An einem Lied erkennt man schnell „wessen Geistes Kind“ es ist. Wenn ich „Neue Geistliche Lieder“ kritisch sehe, dann nicht nur wegen der Musiksprache, sondern vor allem wegen der kirchenkritischen bis -feindlichen Geisteshaltung ihrer Autoren, die soviel am kirchlichen Lehramt verändert sehen wollten und dabei der Kirche einen nicht unerheblichen Schaden zugefügt haben.
Viele der mir bekannten Lobpreis-Lieder sind durchaus in der Lage, mit ihrer Freude am Glauben und ihrer Liebe zur katholischen Kirche anzustecken und die Liturgie zu bereichern. Ihnen ist gewiss viel Gutes im Leben der Kirche der vergangenen Jahre zu verdanken. Besonders Lobpreisabende für junge Menschen sind ohne diese Form des musikalisch-betenden Ausdrucks nicht mehr denkbar. Der Lobpreis-Musik kommt vor allem in Gebetskreisen und Anbetungsstunden eine tragende Rolle zu.
Für die Liturgie selbst gelten nach wie vor die Sätze von Papst Pius X., der 1903 im Motu proprio über die Erneuerung der Kirchenmusik „Tra le sollecitudini“ schrieb:
Die Kirchenmusik muß in höchstem Maße die besonderen Eigenschaften der Liturgie besitzen, nämlich die Heiligkeit und die Güte der Form; daraus erwächst von selbst ein weiteres Merkmal, die Allgemeinheit. Diese Eigenschaften finden sich in höchstem Maße im Gregorianischen Choral, besitzt in vorzüglichem Maße auch die klassische Polyphonie. Eine Kirchenkomposition ist um so heiliger und liturgischer, je mehr sie sich in Verlauf, Eingebung und Geschmack der gregorianischen Melodik nähert; und sie ist um so weniger des Gotteshauses würdig, als sie sich von diesem höchsten Vorbild entfernt.
Sofern es also möglich ist, sollte man stets bemüht sein, diesem Ideal gerecht zu werden. Die Verbreitung von Gebetskreisen wäre sicher hilfreich: hier könnte man sich einerseits zu gemeinsamem Gebet, Lobpreis, Anbetung sowie zu Katechesen und persönlichem Austausch treffen und sich dabei auch an modernerem Liedgut erfreuen, während andererseits das Verständnis für die heilige Liturgie und die Kirchenmusik im Laufe der Zeit wachsen könnte und dadurch auch Auswirkungen auf die Feier der heiligen Messe haben würde.