Gedanken über die tridentinische Messe III

ZZ16B44AAF
In Zeiten des Frustes über die liturgischen Entwicklungen der Kirche seit dem II. Vatikanum kommt mir oft der Vergleich zwischen der Musik der großen Meister und den billigen Arrangements, die man für Richard Clayderman oder andere Easy-Listening-Interpreten produziert hat, um die breite Masse zu erreichen. Ich spreche ihn kaum aus, will ja niemandem auf die Füße treten, aber heute, nachdem ich auf kath.info den ausgezeichneten Artikel Basteln am heiligen Erbe von P. Bernward Deneke FSSP gelesen habe, schreibe ich mir ein wenig Frust von der Seele.

Seit ich vor vier Jahren die klassischen Liturgie und die zeitlose Schönheit
kennengelernt habe, die dieses größte aller Kunstwerke ausstrahlt, vermisse ich doch sehr vieles in der neuen Liturgie, die mir manchmal wie eine light Version der herkömmlichen Messe vorkommt, um nicht zu sagen wie ein blasser Abklatsch der „außerordentlich“ schönen Form der Messe, die – Gott sei Dank – immer mehr junge Gläubige und Priester wieder entdecken.

Wieso hat man beispielsweise das Schuldbekenntnis, in dem die Heiligen angerufen werden, so drastisch gekürzt? Überhaupt, warum wird es eigentlich nicht mehr in jeder heiligen Messe gebetet? Wieso wird das „Herr, ich bin nicht würdig“ nur einmal gesprochen, warum ist der römische Kanon fast vollkommen aus der „Durchschnittsmesse“ verbannt worden? Wieso beten wir das Paternoster nicht mehr auf Latein? Wieso beten wir überhaupt nicht mehr auf Latein, der Muttersprache der römisch-katholischen Kirche?

Wir sollten uns stets vor Augen halten, was uns durch die Liturgiereform genommen wurde, auf welche Schätze man gemeint hat, fortan verzichten zu können. Die oben aufgezählten Beispiele sind nur oberflächliche „Symptome“ für die Verlustigkeit eines mystischen Gottesdienstes, in den man eintreten kann wie in einen heiligen Tempel, in dem jedes Wort und jede Geste erfüllt ist von der Liebe anbetender Engel, so dass die Seele unwiderstehlich an Gottes Herz gezogen wird…

Genauso wenig wie ich die ganze
Mondscheinsonate Ludwig van Beethovens verstümmelt und verzuckert hören (oder spielen) möchte, bin ich bereit, auf die „tridentinische Messe“ zu verzichten, nur weil gerade mal zwei Generationen an Klerikern für uns entschieden haben, dass es nur noch den ersten Satz der Mondscheinsonate gibt, und den auch noch leicht verdaulich mit viel Puderzucker für das „dumme Volk“ zurechtgestutzt. Denn „für dumm“ musste man das Volk ja schon halten, wenn man vor 40 Jahren meinte, den Gläubigen das Erbe der überlieferten Liturgie vom geistlichen Speiseplan stehlen zu müssen.

Gerne würde ich mit einem positiven Ausblick enden, aber ich glaube, das gelingt mir heute nicht. Wenn ich die gegenwärtige Situation sehe, in die kleine Dorfpfarreien durch verkehrte Reformen hineinmanövriert worden sind, wenn ich erlebe, dass fast der letzte Rest an Liebe zur römisch-katholischen Tradition aus den Herzen ausgerottet zu sein scheint, verdunkelt sich mein Gemüt schon ein wenig. Wenn zwei- bis dreimal jährlich ein gregorianisches Ordinarium gesungen wird und verschiedene Messgänger sich dann noch über das „Zuviel“ an Latein beschweren, tut mir das Herz weh. Nicht nur weil diese Haltung vom Verlust einer katholischen Frömmigkeit, sondern schlechthin von der Abwesenheit einer für unsere Zeit bitter nötigen Kultur zeugt.

Verwandte Artikel:

Bild: (c) introibo.net


Bookmark and Share