Die Schutzherrin der Reinheit
06/07/09 17:43 Kategorie: Heilige

Prolog
Am 6. Juli 1902 verstarb die hl. Maria Goretti im Alter von 11 Jahren einen Tag nach einer versuchten Vergewaltigung, die mit 14 Messerstichen endete. Das Mädchen wollte beim Übergriff seine Unversehrtheit nicht verlieren, diese war ihr wichtiger als ihr Leben. Der Mörder verlor durch ihre Haltung vollends die Kontrolle über sich und stach auf sie ein. Noch auf dem Sterbebett verzieh das heilige Kind dem 20-jährigen Alessandro Serenelli, der zu dreißig Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde.
Die Geschichte des Mörders
Die ersten Jahre verbrachte er in sturer Reuelosigkeit. Da erschien ihm eines Nachts im Traum die kleine Maria Goretti. Sie pflückte Blumen und bot sie ihm an. Von diesem Zeitpunkt an war er wie verwandelt und wurde ein vorbildlicher Häftling. Zu Weihnachten 1928 wurde er vorzeitig entlassen. Sein erster Weg führte ihn zu Marias Mutter Assunta. Er wollte sie um Verzeihung bitten. Am Weihnachtsabend klopfte er an die Tür des Pfarrhauses von Corinaldo an, wo sie Haushälterin geworden war. Sie antwortete: „Wenn Gott dir verziehen hat, wie sollte ich dir nicht vergeben?“ Beide empfingen während der Weihnachtsmesse nebeneinander in der heiligen Kommunion den Herrn, der allen alles zu vergeben bereit ist.
Bald darauf trat er als Laienbruder in das Kloster der Kapuziner von Macerata ein. Bei der Heiligsprechung Maria Gorettis durch Papst Pius XII. im Jahr 1950 hatte auch Alessandro Serenelli sich unter den 500.000 versammelten Gläubigen auf dem Petersplatz eingefunden.
Vermächtnis des Büßers: Warnung vor Pornografie
Hören wir die Stimme des Mörders, der einige Jahre vor seinem Tod 1970 folgenden Brief geschrieben hat:
„Ich bin beinahe 80 Jahre alt und werde bald sterben. Wenn ich mir meine Vergangenheit anschaue, erkenne ich, dass ich in meiner frühen Jugend einen schlechten Weg ausgewählt habe, der dazu führte, dass ich mein Leben zerstörte.
Mein Verhalten wurde von Zeitschriften, Medien und schlechten Beispielen beeinflusst, denen die Mehrheit der jungen Menschen folgt, ohne überhaupt darüber nachzudenken. Ich tat das Gleiche und war nicht besorgt darüber.
Als ich 20 Jahre alt war, beging ich ein Verbrechen aus Leidenschaft. Heute ist die Erinnerung daran etwas Furchtbares für mich. Maria Goretti, jetzt eine Heilige, war mein guter Engel, durch Gottes Vorsehung zu mir gesandt, um mich zu führen und zu retten.
Ich habe immer noch ihre Worte des Tadels und der Vergebung in meinem Herzen eingraviert. Sie betete für mich, hielt Fürsprache für ihren Mörder. Dreißig Jahre Gefängnis folgten. Wäre ich alt gewesen, hätte ich mein ganzes Leben im Gefängnis verbracht. Ich akzeptierte das Urteil, weil ich schuldig war.
Die kleine Maria war wirklich mein Licht, meine Beschützerin; dank ihrer Hilfe konnte ich mich während 27 Jahren Haft gut benehmen und ein ehrenhaftes Leben führen, als man mich wieder in die Gesellschaft aufnahm.
Die Brüder des hl. Franziskus, Kapuziner aus den Marken, hießen mich mit engelsgleicher Nächstenliebe in ihrem Kloster – als Bruder, nicht als Knecht – willkommen. Seit 24 Jahren lebe ich in ihrer Gemeinschaft und hoffe nun in heiterer Gelassenheit, Gott bald schauen zu dürfen, meine Liebsten zu umarmen und bei meinem Schutzengel und ihrer Mutter Assunta zu sein.
Ich hoffe, dass dieser Brief andere lehren kann, das Böse zu meiden und stets auf dem rechten Pfad zu bleiben, wie kleine Kinder. Ich glaube, dass wir auf die Religion mit ihren Grundsätzen nicht verzichten können, sondern dass sie uns wahren Halt und Kraft schenken kann und der einzig sichere Weg in allen Begebenheiten ist, auch in den schmerzhaftesten unseres Lebens.“
Bekenntnisse eines Reumütigen des späten 20. Jahrhunderts
Im Grunde genommen, ohne dass es explizit gesagt wird, meint Alessandro Serenelli mit Zeitschriften und Medien pornografische Medien. Tatsächlich kennt die Geschichte zahlreiche Mörder, die ihre Sucht nach Pornografie als Hauptursache ihrer grauenhaften Taten ansahen. Ein Serienmörder, der als einer der brutalsten in die Geschichte Amerikas einging, wurde 1989, zehn Jahre nach seiner Inhaftierung, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Ein Tag vor seinem Tod wurde ein Interview mit ihm aufgenommen, um das er eigens gebeten hatte. Er wollte die Menschen in aller Eindringlichkeit vor der Macht des Bösen, die sich durch die Pornografie manifestiert, warnen. Ein bemerkenswerter Schritt, bedenkt man, dass der Mann nur noch wenige Stunden zu leben hatte und darum wusste. Ich glaube ihm:
Papst Johannes Paul II. hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, dass besonders die jungen Menschen wieder den Wert der Keuschheit und Reinheit erkennen und als das annehmen, was sie sind: nämlich Tugenden, die uns ein wirklich erfülltes und glückliches Leben ermöglichen. Ich weiß ein Lied davon zu singen und werde demnächst darüber berichten, wie ich dazu kam, mein Durchschnittsleben (=wechselnde Partnerschaften mit Sex als einem der Hauptziele) hinter mir zu lassen, um ein neues Leben mit ungleich mehr Tiefe, Schönheit und Glück zu erfahren.
„Scheut euch nicht, in ihr (Maria Goretti) die christliche Keuschheit, die Unschuld und das Schamgefühl zu ehren. Das sind Tugenden, die immer und besonders heute notwendig sind zum Schutz der menschlichen und christlichen Würde, zu einem glaubwürdigen Leben nach dem Evangelium, zur echten, aufrichtigen Liebe, zu gegenseitiger Achtung der Person, zur Rechtschaffenheit und zu wahrem Familienglück.“ (Papst Johannes Paul II.)
Update: Auch Elsa hat über die hl. Maria Goretti und Alessandro gebloggt. Sehr lesenswert!
Weiterführende Links:
- Amici di Dio: 3 Ave Maria für Keuschheit und Reinheit
- Gabriele Kuby: Du darfst alles - was willst du?
- Only You
- Kathpedia: Keuschheit
- Freundeskreis Maria Goretti
- MariaGoretti.org