Soli Deo Gloria

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Interview mit Amici di Dio für den Amici-Newsletter im März 2005 (ursprünglich erschienen auf www.kath.net und auf www.amicididio.com)

Die „Amici News“ unterhielten sich mit dem katholischen Künstler über seine Musik, sein Leben und seinen Glauben.


AdD: David, du bist Pianist und Komponist. Was bedeutet für dich Musik?

David: Musik ist eine Gnade Gottes. Beim Musizieren, ob ich nun komponiere oder spiele, bete ich, vielmehr, das Musizieren selbst ist Gebet in sich. Das ist ein schönes Gefühl, und immer wieder ist es auch ein Geschenk für mich, wenn ich erleben darf, wie sich die Herzen meiner Zuhörer öffnen für die Liebe, von der gute Musik letztendlich immer singt, in all ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen. Ob ich nun Beethoven, Chopin, Liszt, Schubert oder Brahms spiele – die großen Meister der klassischen Musik sind Künstler, deren Musik wir uns meiner Meinung nach vorbehaltlos anvertrauen und hingeben dürfen. Der Hörer kann so zum Mitbeter werden und Gottes Nähe tatsächlich in der Musik spürbar erfahren. Ich meine, dass alle großen Komponisten gläubige Menschen waren. So wusste zum Beispiel J. S. Bach, mein Lieblingskomponist, sehr wohl, wem er seine Musik zu verdanken hatte. Mit den Worten „Soli Deo Gloria“, die er auf seine Partituren zu schreiben pflegte, gab er dem Herrn das Empfangene in aller Bescheidenheit zurück. Solche Komponisten sind als Musiker meine Vorbilder, musikalische Heilige sozusagen. Ein Musiker muss meiner Meinung nach immer im Dienst der Musik stehen, und somit auch im Dienste Gottes, der uns das Leben und die Musik schenkt. Sie darf nicht zum Selbstzweck und zur Verbreitung negativer Inhalte missbraucht werden, was heutzutage leider oft der Fall ist. Doch es ist auch unübersehbar, dass immer mehr Künstler, vor allem auch junge Persönlichkeiten, sich zu ihrer Religiosität bekennen und die Menschen durch ihre Musik ermutigen und stärken wollen.

AdD: Bevor du zum katholischen Glauben fandest, warst Du einige Zeit bei einer Esoteriksekte. Wie bist du da hinein geraten?

David: Obwohl ich die Sakramente der Taufe, der Kommunion und der Firmung erhalten hatte, spielten Gott und die Religion in meinem Leben keine Rolle. Ich hatte keinen Glauben, der mir Halt geben konnte in einer Zeit meines Lebens, mit 16 Jahren, in der ich mit den Erfolgen und dem daraus resultierenden Druck meiner beginnenden Karriere einfach überfordert war. Mit 17 kaufte ich mir in London, wo ich damals studierte, meine ersten Esoterikbücher. Ich war sehr fasziniert von asiatischen Religionen, Meditation und Esoterik und dachte, dort Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens finden zu können. 1998 lernte ich ein esoterisches Seminarzentrum im Saarland kennen. Dort werden sehr teure Seminare zu allen möglichen esoterischen Themen angeboten: Tantra, Astrologie, Numerologie, Shiatsu, Okkultismus, Magie, Weltverschwörungstheorien... Nach und nach richtete ich unter dem Einfluss dieses Hauses mein ganzes Leben nach den Seminaren aus und vernachlässigte meine Freunde, meine Familie, meine Musik.

AdD: Welche Inhalte wurden von dieser Sekte vermittelt?

David: Die Leiterin dieses Hauses versteht sich als „spirituelle Lehrerin“ und als Medium für den so genannten „Christusgeist“, eine geistige Wesenheit, der auch Buddha und Christus angehören sollen. Diese spricht durch das Medium, auch in Einzelsitzungen à 77 Euro die Dreiviertelstunde. Es geht letztendlich um Geld und um Macht. Die Lehrer, die eine sehr charismatische Ausstrahlung haben, geben vor, dem Hilfesuchenden zur Erlösung seiner Leiden zu verhelfen. Ihre Lehren beinhalten Ideen aus verschiedenen Religionen, sowie ein wenig Psychologie und Naturheilkunde. Eine Mischung, die viele Menschen anzieht, die wie ich damals auf der Suche sind und nicht fest im Glauben stehen. Sie benutzen die Sehnsucht der Menschen nach Gott und machen sie sich hörig. Das funktioniert auch deshalb, weil sie alles auf das „höhere Wissen“ der „Meisterin“ zurückführen und das Ganze sehr clever und beeindruckend inszeniert wird. Seltsamerweise glaubten wir als „Schüler“ umso mehr, je tiefer wir „eingeweiht“ wurden. Ich erinnere mich z. B. daran, dass den Seminarteilnehmern einmal Apfelstücke ausgeteilt wurden mit den Worten „das ist mein Leib“ oder wie man Mutter Teresa wegen ihrer „Ego-Strukturen“ kritisierte. Wenn ich heute daran denke, habe ich als Katholik den Eindruck, dass so der Name des Herrn missbraucht und den Menschen durch solche Äußerungen der Weg in die Kirche fast unmöglich gemacht wird. Hat nicht Jesus selbst uns eindringlich gewarnt: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie harmlose Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Mt 7, 15-16)

AdD: Wie hast du es geschafft, aus dieser Sekte auszusteigen?

David: Meine damalige Freundin brachte mich in Kontakt mit jungen Christen, und ich lernte eine neue Lebensweise kennen, kam wieder in Berührung mit Menschen, die nichts mit dem Seminarhaus zu tun hatten. Außerdem war ich eine Zeitlang als Organist und Chorleiter in einer katholischen Gemeinde tätig, war also während eineinhalb Jahren fast täglich der Liturgie „ausgesetzt“, was sicher auch einen bedeutenden Einfluss auf mich hatte. Durch das Geschenk eines Rosenkranzes aus Medjugorje lernte ich das Rosenkranzgebet kennen, das letztendlich wohl der entscheidende Faktor bei meiner Umkehr zum katholischen Glauben und zur Abkehr von der Sekte war. Ich stellte mein Leben unter die Führung der Muttergottes. So konnte ich meine Skepsis gegenüber der Kirche im Laufe der Zeit immer mehr überwinden und entdeckte, dass dort ein lebendiger Geist weht, dass am Altar etwas sehr, sehr Heiliges passiert. Auch die Art meiner Lektüre änderte sich. Irgendwann war ich soweit, dass ich statt der Esoterikbücher die Bibel las. Die Veränderungen in meinem Denken und Handeln öffneten mir die Augen für die Irrlehren, die in dem Seminarzentrum gelehrt werden. Es war ein sehr schwerer Prozess, mich nach mehreren Jahren der „Gehirnwäsche“ von ihnen zu lösen, besonders psychisch. Doch dank der Gnade Gottes und dem Beistand meiner Familie und meiner Freunde bin ich dort wieder heil herausgekommen. Leider bin ich eine Ausnahme. Und ich befürchte, dass es heutzutage viele ähnlich strukturierte Seminarhäuser gibt, die die Menschen gewaltig in die Irre führen. Ich bete für die Menschen, die nach wie vor in diesem Haus ein- und ausgehen und hoffe, dass sie es irgendwann schaffen werden, wieder ein normales Leben zu führen, ohne von Seminar zu Seminar zu leben und dabei Tausende von Euros auszugeben.

AdD: Was bedeutet dir der Glaube?

David: Mein Glaube ist mir unsagbar wichtig geworden. Ich habe den Segen des Rosenkranzgebets für mich erfahren dürfen, und es ist mir zur lieb gewonnenen Gewohnheit geworden, den Rosenkranz täglich zu beten und ihn auch immer in der Hosentasche bei mir zu tragen. Ich berühre die Perlen und weiß: Maria ist da! Besonders der Satz „bitte für uns Sünder“, mit dem ich am Anfang noch große Schwierigkeiten hatte, schenkt mir Trost und Kraft. Ich weiß heute, dass die Gottesmutter Maria, meine Mutter, mich zu Jesus Christus geführt hat. Dafür bin ich ihr einfach nur dankbar. Ich brauche Maria und mir nichts mehr vorzumachen und lerne, besser mit meinen und den Schwächen anderer umzugehen. Und ich glaube, dass sie mich auch durch die Musik immer wieder geführt und beschützt hat. Musik atmet Wahrheit, ist Ausdruck göttlicher Gnade und in gewisser Weise ein Tor, durch das eine Ahnung von Ewigkeit und von der Herrlichkeit Gottes in unsere Herzen strömen kann. Jesus sagt: „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ (Lk 12, 34) Der Pianist Keith Jarrett hat diesen Gedanken sehr schön weitergeführt: „The music is where the heart is.“

Ein anderer Aspekt des katholischen Glaubens, der mir heilig geworden ist, ist die Tugend der Keuschheit. Was von den meisten noch belächelt wird, ist in Wahrheit eine große Stärke, eine der zwölf Früchte des Heiligen Geistes. Es ist nicht unmöglich und wider die menschliche Natur, ein keusches Leben zu führen und mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, sondern eine Gnade, die uns der liebe Gott gewährt, wenn wir Ihn darum bitten. Sexualität ohne Gefühl, ohne wirkliche Bindung, ohne Grenzen, ohne das heilige Sakrament der Ehe, ohne wirkliche Liebe – und so wird sie in der Mehrzahl der Fälle gelebt – führt uns nach meiner Erfahrung in eine innere Not und unweigerlich zu immer größerer seelischer und körperlicher Krankheit. Sie entfernt uns mehr und mehr von unserer Mitte: Isolation, Schmerz, Leid, Trennung, und leider auch oftmals Abtreibung sind die Folgen. Daran kann auch die Verhütung nichts ändern. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr die Verhütung gefördert wird, umso mehr wird auch eine Geisteshaltung gefördert, die das Geschenk der Sexualität in keiner Weise zu erfassen und zu würdigen vermag. Schade, dass sich offensichtlich nur wenige über diese Zusammenhänge im Klaren sind. Seit ich mich bewusst entschieden habe, enthaltsam zu leben, fühle ich mich paradoxerweise männlicher als vorher. Die Enthaltsamkeit gibt uns, Männern wie Frauen, unsere menschliche Würde zurück. Ich glaube, dass eine keusch lebende Jugend, die der durch und durch sexualisierten Bilderwelt unserer Zeit widersteht, uns in eine bessere Zukunft führen kann.

AdD: Du warst Silvester in Medjugorje, was waren Deine dortigen Erfahrungen?

David: Medjugorje hat mich tief berührt. Es war beglückend für mich, mit den anderen Pilgern, aber auch alleine dort zu beten und innerlich still zu werden. Der Friede war für mich sehr stark spürbar in Medjugorje. Einen besonders nachhaltigen Eindruck haben die Aufstiege zum Erscheinungs- und zum Kreuzberg in mir hinterlassen. Auch die fünf Grundlagen für ein gesegnetes und gottesfürchtiges Leben, die Maria den Gläubigen durch ihre Botschaften immer wieder in ihre Herzen legen möchte, nämlich Eucharistie, Rosenkranzgebet, Bibel, Fasten und Beichte, sind für mich seit meinen Erlebnissen in Medjugorje noch mehr zu einer Quelle der Inspiration geworden. Ich schöpfe viel Kraft aus meiner Wallfahrt nach Medjugorje.

AdD: Weltjugendtag in Köln: Du bist aus Luxemburg und wirst auch nach Köln kommen, was erwartest du dir vom Weltjugendtag?

David: Es wird mein erster Weltjugendtag sein, und ich schaue Köln mit großer Vorfreude entgegen. Ich freue mich darauf, mit jungen Christen aus aller Welt nach Köln zu reisen, um dort gemeinsam unseren Herrn Jesus Christus anzubeten. Ich sehe, dass vielerorts die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, was mich sehr freut. Auch in Luxemburg wird viel „Werbung“ für den Weltjugendtag gemacht. Wenn wir alle aktiv im Gebet auf den Weltjugendtag zuschreiten, wird er mit Sicherheit ein Segen sein für alle Pilger. Außerdem wünsche ich mir, dass Papst Johannes Paul II., von den Gebeten seiner ihm anvertrauten Herde getragen, in Freude und guter Gesundheit im August nach Köln kommen kann, um mit uns gemeinsam dieses große Fest unseres Glaubens zu feiern! Ich bete, dass der Herr viele Menschen für sich gewinnt. Und dass wir in Köln eine Bestärkung unseres Glaubens erfahren, die uns ein Leben lang prägen wird.


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