Jan 2008
Ohne den Herrgott…
14/01/08 07:00 Kategorie: Zeugnis

Ein Name, der untrennbar mit dem kleinen Ort Geichlingen in der Eifel in Verbindung gebracht wird, ist der Name Thiex. Weit über die Grenzen der Region hinaus ist das Möbelhaus der Firma Thiex seit Jahrzehnten bekannt und beliebt. Doch wer steht hinter diesem Namen, der für Qualität und Zuverlässigkeit bürgt?
Ich hatte die Gelegenheit, den Gründer der Firma, Herrn Leo Thiex, in seinem schönen Haus in Geichlingen zu besuchen und mich mit ihm zu unterhalten.
Empfangen werde ich von Frau Thiex, die die Haustür öffnet und mich in ihrer warmherzigen und liebevollen Art empfängt, die vielen Menschen bekannt sein dürfte. Hinter großen Männern stehen bekanntlich große Frauen. Sie begleitet mich zu Leo Thiex, der mich im Wohnzimmer bereits erwartet. Dass Leo Thiex seiner Frau zutiefst dankbar ist, lassen seine Worte in unserem nun folgenden Gespräch immer wieder unschwer erkennen. Sie war maßgeblich am Aufbau des erfolgreichen Unternehmens beteiligt.
Der Glaube
Doch zunächst zu den Anfängen. Geboren 1931 in die Familie eines Landwirtes aus Geichlingen, mussten Leo Thiex und seine 4 Geschwister den Schrecken des Krieges in seiner Kindheit leidvoll erfahren. Mehrere Male musste die Familie flüchten, hat sich lange mit anderen Geichlinger Einwohnern in Todesangst in einem Stollen in den Wäldern versteckt. Die tief religiöse Mutter hatte eine Fatima-Muttergottes mitgenommen, zu der man jeden Tag Zuflucht nahm und den Rosenkranz betete. Man versprach der Gottesmutter, ihr zu Ehren eine Kapelle hier in der „Wollefskaul“ zu errichten, wenn die Familien den Krieg unbeschadet überleben würden. Tatsächlich hat keine der 30 Bomben, die über Geichlingen abgeworfen wurden, das Haus einer dieser Familien zerstört. Die Kapelle steht bis heute und wird von ein paar Geichlingern liebevoll gehegt und gepflegt.
Als Leo Thiex mir diese Geschichte erzählt, bemerke ich, welch eine innige Liebe er für seine Mutter hegt. Sowohl sie als auch der Vater kamen aus einer kinderreichen Familie. Beide verloren in frühester Kindheit den Vater. Doch den Glauben an Gott verloren sie nicht. Die Mutter hat ihren Kindern das Fundament des Glaubens ins Herz gelegt, und bis heute sind Leo Thiex und seine Geschwister tief gläubige und praktizierende Katholiken. Dies hat Leo mit seiner Frau Annemie gemeinsam: auch sie hatte eine sehr fromme Mutter, die ihre Kinder auf eine solche Weise das Beten gelehrt hat, dass sie heute noch mit großer Liebe und Dankbarkeit davon erzählt.
Die Anfänge im Beruf
Nach dem Krieg absolvierte Leo Thiex seine Lehre zum Schreiner im Nachbarort Mettendorf und bestand mit Erfolg seine Gesellenprüfung. Die ersten Jahre seiner Berufslaufbahn übte er im angrenzenden Luxemburg aus, wo er Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen konnte. Lange Fussmärsche durch die Wälder hinüber ins Nachbarland standen auf der Tagesordnung.
Zu Beginn der 50er Jahre wurde er dann für kurze Zeit arbeitslos. Wie jede wichtige Entscheidung seines Lebens, legte er auch diese Situation in die Hände des lieben Gottes und pilgerte zusammen mit anderen Gläubigen auf Fußwallfahrt ins 75 km entfernte Klausen, wo er Kraft für neue Taten sammelte. Die Pilgerreise trug bald ihre Früchte: Leo Thiex fand eine neue Anstellung in Luxemburg und lernte kurz später seine zukünftige Frau Annemie Thommes kennen, die aus einer Schreinerfamilie abstammte und in Köln eine Haushaltslehre bei katholischen Schwestern absolviert hatte.
Einige Jahre später, das junge Paar war mittlerweile verheiratet, holte Leos Schwager ihn zu sich in den Betrieb, wo er sein Können bis 1961 einbrachte.
Der Beginn des Erfolges
Nach über 10 Jahren Berufserfahrung wollte Leo Thiex selbständig werden. 1962 eröffnete er die erste Werkstatt in seinem Heimatdorf Geichlingen, die der Grundstein für die wirtschaftlich bald sehr erfolgreiche Firma Thiex werden sollte. Es sprach sich herum, dass Leo Thiex' Schreinerei gute Qualität zu guten Preisen lieferte, und ein Auftrag nach dem anderen ereilte die Firma.
Nach weiteren 10 Jahren wurde die Werkstatt auf den heutigen Standpunkt verlegt. Eine wesentlich größere Fläche stand der Firma nun zur Verfügung. Fleiß und Klugheit des Firmenleiters erlaubten mehrere Male einen weiteren Ausbau des Möbelhauses.
1997 übergab er die Firmenleitung seinem Sohn Michael und dessen Frau Mechthild, der das Möbelhaus bis heute erfolgreich führt.
Dankbare Rückschau
„Wir“, - damit meint Leo Thiex sich und seine Frau, „sind unseren Eltern sehr dankbar, denn sie haben uns den Glauben vermittelt“. Diese Einstellung solle man auch den eigenen Kindern weitergeben. Es habe keinen Sonntag ohne heilige Messe gegeben, Engagement in der Pfarrei war stets selbstverständlich, ebenso das Teilen der Güter: das Spenden für wohltätige Zwecke sei ihm sehr wichtig.
Berührt hat mich auch folgende kleine Anekdote: beim täglichen Schwimmen im hauseigenen Swimmingpool bete er stets für all seine Mitarbeiter, dass ihnen nichts passiert. Tatsächlich hat es bis heute keine schlimmen Betriebsunfälle in der Firma Thiex gegeben. Auch die verstorbenen Mitarbeiter vergisst er nicht im Gebet.
Seinen Lebensabend verbringt Leo Thiex etwas ruhiger, hat mehr Zeit für die Familie. Sehr gerne hilft er seiner Frau in der Küche und schält Äpfel und Möhren. Leider habe er nie die Gelegenheit gehabt, Musik zu lernen, aber seine Mutter hätte früher viel gesungen. So singt auch er seit 50 Jahren im Kirchenchor. Zur Feder greift er ab und zu auch ganz gerne: „Mein Hobby ist dichten.“
Rückblickend sagt er: „Hätten wir den Herrgott nicht dabei gehabt, wären wir heute nicht da, wo wir sind.“
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