Abtreibung und Holocaust II
11/09/09 09:45 Kategorie: Gesellschaft

Zunächst eine Zusammenfassung der Ereignisse um die Holocaust-Abtreibungs-Diskussion, weil wahrscheinlich die Leser, die nicht aus Österreich stammen, nicht wissen, was genau der Auslöser dafür gewesen ist:
Am 3. September fand in Wien die Ehrung einer Abtreibungsklinik (s.a. Abtreibung ist keine Ehrensache) durch den Wiener Bürgermeister Häupl statt. Einer der selten gewordenen katholischen Politiker nahm Stellung dazu. Laut news.at (wo natürlich nicht objektiv berichtet wird) sagte Ewald Stadler:
„Ich war immer ein Gegner der Abtreibung. Das ist auch nach unserer Rechtsordnung eine Tötungshandlung. Wer Lehren aus der Geschichte gezogen hat, kann nicht wie der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl heuchlerisch diejenigen ehren, die für die Massentötungen verantwortlich sind. (…) Ich halte es mit Bischof Andreas Laun, der gemeint hat, moralisch führen die gleichen Gleise zur Abtreibung und in die Vernichtungslager der Nazis.“
Frauenministerin Heinisch-Hosek zeigte sich daraufhin äußerst empört und kündigte umgehend eine rechtliche Prüfung des Vergleichs an. Dr. Jakob Cornides, der meiner Meinung nach sofort die Hypokrisie der Ministerin durchschaut hat, schrieb einen offenen Brief an die Ministerin, der auf Twitter die Runde machte.
Und wie sollte es anders kommen? Etwas weniger heftig als die Ministerin, aber immer noch heftig, wurde protestiert. So ein Vergleich sei inakzeptabel. Da sind sich viele (katholische) Blogger einig.
Bitteschön! Man beachte einmal den Kontext des Ganzen: In Wien wird wieder mal ein riesiger Schritt in Richtung Verharmlosung der Abtreibung gemacht, und ein Politiker zieht einen Vergleich, der seit Papst Johannes Paul II. immer wieder mehr oder weniger drastisch fällt, eben weil die Abtreibung als etwas Normales und Gerechtfertigtes angesehen wird und die Macht der Medien dazu genutzt wird, lobbymäßig gegen Abtreibungsgegner vorzugehen, während das ungeheuerliche Ausmaß des Unrechts, das durch die Abtreibung weltweit passiert, total unter den Tisch gekehrt wird. Wir erleben zurzeit eine pervertierte Umkehrung der Werte. Das Morden unschuldiger Kinder wird mit dem Recht auf Selbstbestimmung gerechtfertigt und immer unantastbarer als geltendes Recht in der Gesellschaft verankert.
Wieso vergleichen manche Abtreibungsgegner die Ermordung von Millionen Babys mit der Ermordung von Millionen Juden? Man könnte die Abtreibung auch mit dem Genozid in Ruanda vergleichen oder mit anderen Völkermorden, wo es um die Abschlachtung von Menschen in Millionenhöhe geht. Nur leider sind andere Genozide nicht in solchem Maße im Bewusstsein der Menschen präsent wie der Holocaust. Beim Thema Holocaust weiß jeder - und das ist gut so -, dass ein grässliches Verbrechen an der Menschheit begangen wurde, das sich nie wieder wiederholen darf. Bei der Abtreibung, durch die ein eben so ein himmelschreiendes Unrecht passiert, ist dieses Bewusstsein jedoch überhaupt nicht vorhanden. Im Gegenteil: durch die erfolgreichen Bemühungen der „Freedom-of-choice“-Ideologen, die überaus mächtig sind in unserer Welt, wird der Mord an Babys gesellschaftsfähig gemacht und jede leise Kritik daran mit der Androhung juristischer Verfolgung und öffentlicher Verleumdung gestraft. Wenn das keine perverse Rechtslage ist, in der wir uns befinden und immer tiefer einsinken werden!
Ist es nicht absolut heuchlerisch, wenn nach solch einem Interview, wie dem mit Ewald Stadler, massenweise Politiker in solch einem arroganten Tonfall intervenieren, wie es beispielsweise Familienministerin Heinisch-Hosek tut? Meint sie tatsächlich, Herr Stadler oder alle anderen Abtreibungsgegnern würden sich nicht um die Grausamkeit des Holocaust scheren? Wem will sie was beweisen? Wie mitfühlend sie mit den Opfern des II. Weltkrieges ist? Welch gutes Herz sie hat?
Ein anderes (weit größeres) mediales Ereignis, das Medien und Politiker Anfang diesen Jahres ebenfalls instrumentalisiert haben, um sich in abstoßend heuchlerischer Weise als die großen Humanisten darzustellen, waren die Aussagen Papst Benedikts zum Thema Verhütung anlässlich seiner Afrika-Reise. Damals wie heute ärgert mich die verlogene Reaktion so vieler öffentlicher wie nicht öffentlicher Personen, die mit erhobener Brust und Nase demonstrieren wollten, wie wichtig ihnen das Wohl der Afrikaner sei.
Wer schert sich um die jährlich 45.000.000 abgetriebener, verstümmelter, auseinander gerissener, getöteter Kinder und um die Mütter, die ein Leben lang mit den psychischen Folgen ihrer Entscheidung leben müssen? Wo bleibt da das Mitgefühl der Leute, die ihre pseudo-philanthropische Ader so sehr zu Schau stellen meinen zu müssen? Was ist eigentlich euer Problem? Geht es euch wirklich um die Opfer des Holocaust?