Hörtipp: Himmel auf Erden
„Die Kirche betrachtet den gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren heiligen Handlungen den ersten Platz einnehmen“: so die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seitdem ist die Gregorianik aus dem Leben der allermeisten Pfarreien annähernd verschwunden. Ein Refugium fand sie seit Ende des 20. Jahrhunderts dagegen in den CD-Charts - jüngst wieder durch die singenden Zisterzienser von Heiligenkreuz. Unterdessen hat Papst Benedikt XVI. mit einem Motu proprio den überlieferten Römischen Ritus der katholischen Kirche wieder zugelassen, dessen liturgische Kernsubstanz - wie der Choral - auf die Zeit Gregor des Großen zurückgeht, bis ins 6. Jahrhundert. Ob und wie sich der traditionelle Ritus und der Choral gegenseitig befruchten werden, ist eine der spannendsten Zukunftsfragen der katholischen Kirchenmusik.
Klingt spannend!
[via Pro Missa Tridentina]
Echo Klassik Musikpreis für Heiligenkreuz

Todestag des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll

„Die gotischen Räume der französischen Kathedralen wusste er mit romantischen Klängen zu füllen: Der aus dem südfranzösischen Montpellier stammende Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll. Als er heute vor 110 Jahren in Paris starb, hatte er die französische romantische Orgel als Typ etabliert und seine Instrumente nach Spanien, den Niederlanden, England, Russland und Brasilien exportiert. Die gesamte sinfonische französische Orgelmusik von Komponisten wie César Franck, Charles-Marie Widor oder Louis Vierne ist ohne die Instrumente von Cavaillé-Coll nicht denkbar.“ © WDR 2009
Aus den WDR Zeitzeichen.
Anselm Grün über den Choral von Heiligenkreuz

Journalistin: Hier im Kloster wird - Sie haben es gerade erwähnt - der gregorianische Gesang sehr gepflegt. Sie haben auch ein Buch über die spirituelle Kraft der Musik geschrieben. Es heißt: „Höre, so wird deine Seele leben“. [Klar, worüber hat der Mann noch nicht geschrieben?] Was passiert mit Ihnen, wenn Sie Musik hören?
P. Anselm Grün: [nuschelt:] Die Musik dringt einfach in tiefere Schichten ein. Wenn ich eine Bach-Kantate höre, muss ich nicht die Worte glauben, sondern die Worte fallen in die Seele hinein und ich spüre, was die Worte ausdrücken. Für mich ist Musik immer ein Fenster auch zum Himmel und ein Weg, offen zu werden für Transzendenz und in Berührung zu kommen mit meiner tiefsten Sehnsucht, mit meinem Herzen - oft kleben wir ja auch oberflächlich und äußerlich… - und die Musik ist für mich ein wichtiger Weg, mich zu spüren und in den Grund der Seele zu kommen und da die Sehnsucht zu spüren [spüren, spüren, spüren], dass die eigentliche Sehnsucht zu Gott geht.
Journalistin: Die Zisterzienser-Mönche vom Stift Heiligenkreuz sind ja mit ihrer CD mit gregorianischen Gesängen in den Charts gelandet, „Music for Paradise“ heißt die CD, glaube ich. Kennen Sie diese CD?
P. Anselm Grün: Ich habe sie nicht angehört. Es ist immer gefährlich, wenn man Choral dann zu sehr verzweckt, also Choral ist ein geistlicher Gesang und ich denke nicht, dass er für die Massen so geeignet ist, da wird dann irgendwas verfälscht. [Wie bitte?! Pater Grün, Sie verzwecken alles Mögliche, sei es katholisch oder nicht katholisch, um ihren Senf dazuzugeben und das dann in bares Geld umzuwandeln - zugegegeben, das können Sie gut - und jetzt bezichtigen Sie die Heiligenkreuzer Mönche der Verzweckung und Verfälschung, ausgerechnet Sie, die Sie den katholischen Glauben so oft bis zur Unkenntlichkeit entstellen und der breiten Masse ständig ein synkretistisches Mischmasch auftischen?!]
Eine kurze Klarstellung für P. Grün: Ich bin den Mönchen des Stiftes Heiligenkreuz, und besonders dem Stiftskantor, der zum großen Teil für die Qualität des Gesanges verantwortlich ist, persönlich sehr verbunden und kann Ihnen, lieber P. Grün, versichern, dass hier der Choral so gesungen wird, wie die Mönche ihn auch ohne Mikrofone singen: das Herz auf Gott ausgerichtet, im Sinn die größere Ehre Gottes. Das Resultat wird aufgrund ihres Glaubens und ihres Talents eben besonders schön und ergreifend. Hinter dem Gebet (denn es ist gesungenes Gebet in reinster Form) verschwinden die Mönche - allen voran ihr Chorleiter - fast vollständig, während a) ihnen der Erfolg überhaupt nicht so wichtig ist, wie Sie vielleicht meinen, und b) sie diesen ganzen Medienrummel nicht lieben. Umso besser, dass ein Mönch - stellvertretend für alle - bereit ist, die Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. P. Karl Wallner wird man oft gesehen, gehört, gelesen haben, Mitwirkende des „Hit-Albums“ wohl kaum.
Stört P. Anselm Grün vielleicht der Erfolg des Stiftes Heiligenkreuz, riecht er eine unliebsame Konkurrenz? Hat er geahnt, dass nach den Musik-Charts auch die Bestseller-Listen von Heiligenkreuzer Mönchen betreten werden? Es wäre höchst wünschenswert, dass P. Karl Wallner mit seinen Büchern auch ein breites Publikum erreicht. So hätten wir endlich ein katholisches Pendant zu Ihnen, lieber P. Anselm Grün. Aber keine Angst, die Welt liebt Ratgeber, und ich bin sicher, Sie haben noch nicht über jeden Furz einen solchen geschrieben.
P.S.: Surftipp - der YouTube-Kanal eines jungen Mönchs aus Heiligenkreuz mit vielen Videos über das Stift.
Weltlicher Komponist mit Sinn für Liturgie

Der Artikel beginnt mit dem Satz: „You may not recognize his name, but you will almost certainly be familiar with his music.“ Stimmt. Sollte sein Name nicht jedem bekannt sein, seine Musik ist es mit Sicherheit.
Wie fast jeder begnadete Musiker ist auch Ennio Morricone ein gläubiger Mensch. Das ist an sich noch nichts Außergewöhnliches. Erstaunlich ist allerdings seine luzide Haltung zur Kirchenmusik und seine Wertschätzung für Papst Benedikt XVI. „Heute hat die Kirche einen großen Fehler gemacht, in dem sie mit Gitarrenmusik und populären Liedern die Uhren um 500 Jahre zurückgedreht hat. Ich mag das überhaupt nicht“. Mit dem „Zurückdrehen der Uhren“ meinte der Oscar-Preisträger die Zeit vor dem Konzil von Trient, als Sänger Profanität mit heiliger Musik vermischt haben. Es sei sehr, sehr schwerwiegend, die „vitale und wichtige Tradition der Gregorianik“ für profane Musik mit religiösen Texten „wegzuwerfen“. Der Papst sei auf dem richtigen Weg, hier Korrekturen vorzunehmen, und er sollte es „mit noch mehr Festigkeit“ tun, da nur manche Kirchen seinen Korrekturen nachkommen, andere hingegen nicht.
Über seine Musik zum Film „The Mission“ (sehr sehenswert!) meint Morricone, es sein ein Wunder und eine Gnade gewesen, dass die drei Hauptthemen der Filmmusik sich miteinander kombinieren ließen. Das war zu Beginn also wohl nicht vorgesehen, klingt im wunderschönen Endergebnis dann so:
[Update: Einen spannenden Beitrag zu Ennio Morricones Äußerungen gibt es auch bei Mater amata.]
Kirchenmusik von Richard Rice
[via New Liturgical Movement]
Vox Cœlestis

„Der Heilige Vater hat in seinem Hang, die Segnungen des heiligen Zeitgeistes perfide zu hintertreiben, zum Priesterjahr diesen Heiligen dem Klerus als Vorbild angetragen, was zumindest im deutschen Katholizismus die konsequent-üblichen Verstörungen hervorrief. Warum geraten die eigentlich nie zur ultimativen Schockstarre ...?
Hintergründe der Verstörungstheorie: Der hl. Johannes Maria war wohl nicht mal auf der intellektuell-akademischen Höhe seiner eigenen Zeit, von der Gegenwart ganz zu schweigen. Von moderner Pastoral dürfte der Heilige keinen blassen Schimmer gehabt haben, moderne spirituelle Erlebniswelten von A wie Alexandertechnik bis Z wie Zen waren auch nicht sein Ding. Den Leib des Herrn hätte er nie bei einem Heilig-Brot-Happening in einer Grillzange durch die Gegend getragen, stattdessen veranstaltete er möglichst pompöse Fronleichnamsprozessionen durch sein Dorf.
Apropos Dorf: Er mußte sich auch nicht um Seelsorgeeinheiten mit 5000 Katholiken, 5 Kirchen, 50 Gottesdienstbesuchern und 0,5 Bußwilligen kümmern, sondern hatte nur eine 230-Seelen-Pfarrei an der Backe (plus halb Frankreich) und damit natürlich den vollen Chill in der klerikalen Hängematte (allerdings ohne Pastoralreferent und sonstige engagierte christfidele Laiici). Kasteit hatte es sich wahrscheinlich aus lauter Langeweile, oder um mangelnde Kreativität in Sachen liturgischer Selbstverwirklichung zu kompensieren, oder weil er einfach ein Seelenheil-Psycho war, aber das ist ja so oder so oder so ganz klar neurotisch, wie beispielsweise von berufenstem geistlichen Ab ... ähhh Beistand zu Schweinfurt (Ortsgespräch-Archiv: Juli 2009) festgestellt.“
[Anmerkung: den Link zu jenem teuflischen Clown aus Schweinfurt findet ihr im Originalbeitrag der „Himmlischen Stimme“]
Mir gefällt’s und ich schließe mich von Herzen seinem Gebet an:
Heiliger Pfarrer von Ars, bitte für uns!
Lobpreis-Lieder

Voraussetzung für das Musizieren in der Kirche ist immer die Zurücknahme des eigenen Geltungsbedürfnisses, also die Fähigkeit, ganz im Dienst der Anbetung klein zu werden, damit Gott groß sein kann. Ist dies nicht gegeben, wird jede Form von geistlicher Musik ihrer Aufgabe nicht gerecht werden.
Heute möchte ich auf die besonders in charismatischen Gruppen weit verbreiteten Lobpreis-Lieder eingehen, die in den 70er Jahren vermehrt auftauchten und ihren Ursprung vor allem in evangelikalen Kreisen haben. Man bedient sich bei dieser Gattung der Sprache der populären Musik, die dem Lebensgefühl junger Menschen oft am nächsten liegt, um zu beten und Gott anzubeten. Ein positives Beispiel für ein Liederbuch dieser Art ist z.B. „Singe Jerusalem“, das vom „Verein zur Förderung der Katholisch-Charismatischen Erneuerung“ herausgegeben wird.
An einem Lied erkennt man schnell „wessen Geistes Kind“ es ist. Wenn ich „Neue Geistliche Lieder“ kritisch sehe, dann nicht nur wegen der Musiksprache, sondern vor allem wegen der kirchenkritischen bis -feindlichen Geisteshaltung ihrer Autoren, die soviel am kirchlichen Lehramt verändert sehen wollten und dabei der Kirche einen nicht unerheblichen Schaden zugefügt haben.
Viele der mir bekannten Lobpreis-Lieder sind durchaus in der Lage, mit ihrer Freude am Glauben und ihrer Liebe zur katholischen Kirche anzustecken und die Liturgie zu bereichern. Ihnen ist gewiss viel Gutes im Leben der Kirche der vergangenen Jahre zu verdanken. Besonders Lobpreisabende für junge Menschen sind ohne diese Form des musikalisch-betenden Ausdrucks nicht mehr denkbar. Der Lobpreis-Musik kommt vor allem in Gebetskreisen und Anbetungsstunden eine tragende Rolle zu.
Für die Liturgie selbst gelten nach wie vor die Sätze von Papst Pius X., der 1903 im Motu proprio über die Erneuerung der Kirchenmusik „Tra le sollecitudini“ schrieb:
Die Kirchenmusik muß in höchstem Maße die besonderen Eigenschaften der Liturgie besitzen, nämlich die Heiligkeit und die Güte der Form; daraus erwächst von selbst ein weiteres Merkmal, die Allgemeinheit. Diese Eigenschaften finden sich in höchstem Maße im Gregorianischen Choral, besitzt in vorzüglichem Maße auch die klassische Polyphonie. Eine Kirchenkomposition ist um so heiliger und liturgischer, je mehr sie sich in Verlauf, Eingebung und Geschmack der gregorianischen Melodik nähert; und sie ist um so weniger des Gotteshauses würdig, als sie sich von diesem höchsten Vorbild entfernt.
Sofern es also möglich ist, sollte man stets bemüht sein, diesem Ideal gerecht zu werden. Die Verbreitung von Gebetskreisen wäre sicher hilfreich: hier könnte man sich einerseits zu gemeinsamem Gebet, Lobpreis, Anbetung sowie zu Katechesen und persönlichem Austausch treffen und sich dabei auch an modernerem Liedgut erfreuen, während andererseits das Verständnis für die heilige Liturgie und die Kirchenmusik im Laufe der Zeit wachsen könnte und dadurch auch Auswirkungen auf die Feier der heiligen Messe haben würde.
Neue Geistliche Lieder…

Abraten möchte ich jedoch vom Neuen Geistlichen Lied (in der heiligen Messe), das viel an Ehrfurcht in unserer Kirche zerstört hat. Gero Vehlow schreibt in seinem lesenswerten Buch ‚Maria in der Musik‘: ‚In der Kirchenmusik hat es im Zeitraum von weniger als vier Jahrzehnten ein so starkes Absinken des Niveaus gegeben wie in keiner anderen musikalischen Gattung.‘
Hier besteht ein viel zu wenig beleuchteter Zusammenhang zwischen u.a. dem Schwund der Mundkommunion, der Hochaltäre und Kniebänke und letztlich dem Glauben der Menschen im allgemeinen und der Einführung mehr und mehr „kreativer Elemente“ und „Zusammengebasteltem“ in der heiligen Liturgie der Kirche, die den Kirchgängern das Gefühl wahrer Anbetung immer fremder hat werden lassen. Poplieder und Neues Geistliches Lied sind ein Ausdruck dieser Strömung. Natürlich haben auch Einflüsse von außen, wie die wandelnden Wertvorstellungen der Gesellschaft und die falsche Definition von Freiheit zu dieser Entwicklung beigetragen. All dies kann ich hier nur kurz andeuten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.
Ich verstehe, dass diese spärlich begründeten Aussagen von manchem Leser mit Skepsis und Unverständnis gelesen werden können und möchte daher versuchen, behutsam und verständlich zu erklären, was damit gemeint ist.
Zunächst gilt zu definieren, welche Lieder ich unter dem Begriff „Neues Geistliches Lied“ verstehe. Eine Sammlung mit typischen Neuen Geistlichen Liedern ist das Liederheft „Unterwegs“, das in unserem Bistum (Trier) verbreitet ist und u.a. vom Deutschen Liturgischen Institut und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken herausgegeben wurde. Ich schlage das Büchlein aufs Geratewohl auf und vor mir liegt das Lied „Freunde, dass der Mandelzweig“. Hier der Text der ersten Strophe:
Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,
Ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?
So geht es während 4 Strophen weiter, ohne dass Gott ein einziges Mal erwähnt wird.
Nächstes Beispiel, „Wir kommen und gehen“ von Zenetti/Biersack:
Wir kommen und gehen, Wolken im Wind,
Wer kann es verstehen, wozu wir sind?
Wir kommen und gehen, Spuren im Sand,
Die Spuren verwehen, keinem bekannt.
Drittes und letztes Beispiel, „Wo Menschen sich vergessen“ von Laubach/Lehmann:
Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen,
und neu beginnen, ganz neu,
Da berühren sich Himmel und Erde,
dass Friede werde unter uns.
Diese Art von Liedern habe ich also damit gemeint, Lieder, die zum großen Teil musikalisch banal sind, textlich an der Oberfläche bleiben und nicht zu Gott hinführen. Solche Lieder sind für die Liturgie unpassend.
Wahrhaft liturgische Lieder sind Gebete, die direkt an Gott oder an die Heiligen gerichtet sind. Keine philosophischen Essays oder hochtrabende Gedankenausschweifungen mit sozialkritischem Touch, die vielleicht das Lebensgefühl einer Generation beschreiben, denen jedoch das Zeitlose - entsprechend dem Zeitlosen der Liturgie - vollständig abgeht. Mit der Zeit wurde durch jene modernen (oder sollte man mittlerweile nicht sagen altmodischen?) Lieder im Zusammenhang mit den falsch verstandenen Liturgiereformen der 60er und 70er Jahren das Verständnis der heiligen Messe nach und nach ausgehöhlt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie wenig Raum viele Lieder dieser Epoche dem lieben Gott gewähren und stattdessen den Menschen mehr und mehr ins Zentrum des Geschehens zu rücken bestrebt sind.
Eine prägnante und gute Beschreibung der Kritik an den seit den 60er Jahren auftauchenden Neuen Geistlichen Liedern liest man auf Wikipedia:
Innerhalb der römisch-katholischen Kirche wächst zunehmend die Kritik am Neuen Geistlichen Lied. Gegner dieser Gattung werfen dem sogenannten „NGL“ eine Profanierung des Mysteriums des katholischen Glaubens vor. Lieder wie „Ins Wasser fällt ein Stein“, „Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ oder ähnliche Stücke moderner Art entsprechen nach der Auffassung vieler katholischer Theologen nicht Charakter und Würde der katholischen Liturgie. Viele Lieder seien zwar für Katechesen geeignet, jedoch lassen sich aufgrund ihrer oftmals unliturgischen Texte für sie kein Platz im Gottesdienst finden. Und auch das II. Vatikanische Konzil spricht sich in seinen Dokumenten für den Erhalt der klassischen Kirchenmusik aus.
Dennoch halten sich diese, ich nenne sie mal „Wohlfühl-Lieder“ in vielen Gemeinden hartnäckig bis auf den heutigen Tag. Sie vermitteln nichts von der Heiligkeit des liturgischen Geschehens. Ihnen fehlt gänzlich die Aura katholischer Mystik, die der Mensch braucht, um ein Gefühl für des grenzenlose Gut, das die heilige Messe für die Menschheit darstellt, zu gewinnen. Durch das Verdrängen der Musik der Mönche des Mittelalters und der polyphonen Meister der Renaissance hat der Gläubige gewissermaßen den Bezug zum Heiligen in der Musik verloren und tut sich zuweilen schwer, einen Zugang zu „alter“ Musik zu finden, die objektiv gesehen freilich nicht alt und verstaubt, sondern in höchstem Maß aktuell und eben zeitlos ist. Nicht umsonst stürmten die Mönche von Heiligenkreuz die Charts mit ihrer CD „Music for Paradise“, die frei von populären und verharmlosenden Arrangements den Gregorianischen Choral in wohlklingendster, schlichter Authentizität einem breiten Publikum zugänglich gemacht hat. Diesen Erfolg kann man sich letzten Endes nur durch die Sehnsucht der Menschen nach heiliger Musik, die der Seele eine Ahnung des Ewigen zu schenken vermag, erklären.
Ist es nicht in höchstem Maß bedauerlich, dass liturgische Kirchenmusik, allen voran der Gregorianische Choral aus dem Gemeindeleben vielerorts vollständig ausgestorben zu sein scheint? Es mangelt schließlich nicht an würdigem Liedgut, dem noch das Vermögen innewohnt, die Herzen der Gläubigen zu Gott zu erheben. Dennoch gilt dem Banalen oft der Vorrang gegenüber dem Kunstvollen in der Kirchenmusik. Gefragt sind Priester, Kirchenmusiker und Kirchenchöre, die den Mut haben, die alten Schätze katholischen Liedguts aus der Versenkung zu heben und von den großen Bischofsmessen bis in die kleinen Pfarreien hinein wieder in ihrer unendlichen Schönheit neu erklingen und aufblühen zu lassen.
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Fußballlieder in der Messe

Ein Dechant veranstaltet anlässlich eines Fußballfestes demnächst eine Messe bei uns auf dem Sportplatz. Schade eigentlich, wenn man so eine schöne Kirche im Dorf hat. Muss man da aufs Fußballfeld ausweichen? Als Liedvorschläge für die Messe hat er mir Klassiker wie „Der Ball ist rund“, „Hier kommt die Welle, macht alle mit“ oder „Fi-Fa-Fußball ist ein Superspiel“ zukommen lassen. Die Ministranten sollen wohl in Trikots dienen. Da bleibt einem glatt die Spucke weg…
Wohl oder übel musste ich einen neuen Liedplan zusammenstellen, den ich dem Herrn Pastor mit der Anmerkung schickte, dass ich unter seinen vorgeschlagenen Fußballliedern beim besten Willen keins finden könne, das für die heilige Messe geeignet sei. Über seine Antwort staunte ich dann doch nicht schlecht. Er beruft sich auf Bischof Ackermann und Weihbischof Leo Schwartz:
Sehr geehrter Herr Ianni,
an den Liedern, die ich Ihnen gesandt hatte, haben weder Bischof Dr. Ackermann noch Weihbischof Leo Schwarz für einen Fußballgottesdienst nichts auszusetzen, wird darin doch der Gedanke des fair-play und eines guten Miteinanders angesprochen. Da Sie aber so große Probleme mit solchen Liedern haben bin ich mit Ihrem Liedplan einverstanden.
Daraufhin tat ich, was ich von Anfang an vielleicht hätte tun sollen: ich sagte ihm ab. Wenn es stimmt, dass nicht einmal unser neuer Bischof mit solch einer Messe ein Problem hat (die noch dazu als Gemeindemesse gedacht ist), was hilft da noch diskutieren?
Als Katholik habe ich das Recht auf eine schöne und würdige Messe am Sonntag, die einen angemessenen Rahmen bietet, um Jesus gebührend zu empfangen. Insofern fahre ich diesen Sonntag in eine Kirche und nicht aufs Fußballfeld.
Es gibt einige wunderbare Schriften zur Kirchenmusik. Da die meisten jedoch „vorkonziliar“ sind, werden sie von fortschrittlichen Klerikern wie unserem Dechant und vielleicht auch unserem Bischof nicht mehr ganz so ernst genommen, schließlich habe die Kirche sich ja „weiterentwickelt“. Also wage ich gar nicht erst, daraus zu zitieren, sondern gebe der Ritenkongregation das Wort, die in der Instruktion über die Musik der heiligen Liturgie „Musicam sacram“ vom 5. März 1967, also einem „nachkonziliaren“ Dokument, folgenden Wunsch äußert:
Es ist zu hoffen, daß Seelsorger, Musiker und Gläubige in der bereitwilligen Annahme und Durchführung dieser Normen den eigentlichen Zweck der Musica sacra zu erreichen bemüht sind, nämlich die „Verherrlichung Gottes und die Heiligung der Gläubigen“.
a) Darum kann nur jene Musik „Musica sacra“ genannt werden, die für die Feier des göttlichen Kultes geschaffen und durch die Heiligkeit und Güte ihrer Formen ausgewiesen ist.
b) Unter dem Begriff Musica sacra kommen hier in Betracht: Der Gregorianische Choral, die alte und neue Polyphonie in ihren verschiedenen Gattungen, Musica sacra, die für die Orgel und für andere erlaubte Instrumente geschaffen wurde, und der kirchliche Volksgesang, der liturgische wie der religiöse.
Ist das so schwer zu verstehen? Steht da etwas von Ausnahmen und Fußballgottesdiensten?!
Je weniger ernst wir unsere Liturgie nehmen, umso weniger ernst werden wir als Katholiken genommen. Eine Banalisierung der liturgischen Feier führt niemanden näher zur Kirche und entfernt uns, die Gläubigen, nur mehr und mehr von den Geheimnissen unseres Glaubens. Dass man das nach 40 Jahren des Rumexperimentierens immer noch nicht gelernt hat!
Liturgie und Musik hängen eng zusammen, wie wir im Schlusszitat von unserem Papst hören werden. Was sagen dann Titel wie „Fi-Fa-Fußball“ oder „Der Ball ist rund“ über die Qualität einer Liturgie aus, die derart infantile Lieder braucht?
In der Tat kann man von Liturgie gar nicht reden, ohne auch von der gottesdienstlichen Musik zu sprechen; wo Liturgie verfällt, verfällt auch die „Musica sacra“, und wo Liturgie recht verstanden und gelebt wird, wächst auch gute Kirchenmusik. (Joseph Kardinal Ratzinger)
Musik der Anbetung

Nun ist Gott sei Dank mit Papst Benedikt ein wahrer Kenner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden, der sich auch immer wieder zu Problemen der Kirchenmusik geäußert hat. Einige dieser Schriften wurden 2008 von Franz Josef Stoiber im Herder Verlag in einem schönen Sammelband unter dem Titel „Im Angesicht der Engel“ veröffentlicht. Es ist erstaunlich, mit welcher Klarheit der „Mozart der Theologie“ (Kardinal Meisner) auch zu diesem Thema profunde Analysen vorgelegt hat.
Die Musik sollte in der Kirche erklingen, um Gott zu loben, nicht um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Liturgische Musik muss demütig sein; ihr Ziel ist nicht der Beifall, sondern die Erbauung.“ - „Musik, die Medium der Anbetung werden will, bedarf der Reinigung; nur so kann sie selbst reinigen und ‚erheben‘“.
Der Papst beruft sich auf den hl. Thomas von Aquin, wenn er schreibt:
„Loben ist selbst eine Bewegung, ein Weg; es ist mehr als Verstehen, Wissen, Tun - es ist das ‚Aufsteigen‘, Rühren an den, der im Lobgesang der Engel wohnt. (…) Solches Aufsteigen reißt den Menschen heraus aus dem, was gegen Gott steht. Wer die verwandelnde Macht großer Liturgie, großer Kunst, großer Musik je erfahren hat, weiß dies. Das tönende Lob führt uns und andere zur Ehrfurcht“ (…) und „weckt den inwendigen Menschen auf.“
Welcher Art sei nun dieses klingende Lob? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss man zuerst eine tieferes Verstehen für die Liturgie gewinnen: „Der Streit um die Kirchenmusik wird symptomatisch für die tiefere Frage, was Gottesdienst sei.“ Liturgie sei natürlich „für alle da. (…) Sie muss daher ‚einfach‘ sein. Aber das Einfache ist nicht das Billige. Es gibt die Einfachheit des Banalen, und es gibt die Einfachheit, die Ausdruck der Reife ist. In der Kirche kann es nur um diese zweite, die wahre Einfachheit gehen.“
Ein Problem sei das falsche Verständnis der „participatio actuosa“, die tätige Teilnahme des ganzen „Gottesvolkes“ an der Liturgie. „Aber dieser Begriff ist doch nachkonziliar einer fatalen Verengung verfallen. Es entstand der Eindruck, als ob tätige Teilnahme nur da vorliege, wo feststellbare äußere Aktivität - Reden, Singen, Predigen, liturgische Assistenz - vorliegt.“ Aber, „ist Vernehmen, Aufnehmen, Ergriffensein nichts Aktives“?
Ohne den Raum der Stille in der Liturgie kann die Seele ihr Herz nicht zu Gott erheben. Wer ständig in äußere Tätigkeiten wie aufstehen, setzen, knien, reden, singen usw. eingebunden ist, wird schwer innerlich zur Ruhe kommen können. Manchmal scheint es mir, als hätte man nicht nur in der säkularen Welt, sondern auch in der Kirche Angst vor allzu langer Stille und Schweigen. Wenn wir schweigen, heißt das noch lange nicht, dass Gott schweigt. Wir müssen hörende Christen werden. Um dorthin zu kommen, müssen wir den Weg der Reinigung gehen und das Hören sowohl von Musik als auch von Stille neu erlernen.
Dadurch wird unser Herz für Gott bereitet und wir werden nach und nach von selbst ein besseres Verständnis für den angemessenen Duktus einer Musik, die Gott in würdiger Weise preist, gewinnen können. Der Gläubige muss der heiligen Messe in einer Haltung tiefen inneren Gebets beiwohnen. Nur der wahre Beter kann „den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit“ (vgl. Joh 4,23).
Leider kann nicht jeder diesen Weg so einfach beschreiten. Was ist, wenn man nicht zur Ruhe kommen kann in der Messe, wenn es einem einfach nicht gelingt, das Herz zum Gebet zu erheben? Genau in diesem Fall kann die Kirchenmusik ihren höchsten Dienst erfüllen: „Sie legt den verschütteten Weg zum Herzen, zur Mitte unseres Seins frei, dahin, wo es sich mit dem Sein des Schöpfers und des Erlösers berührt. Wo immer dies gelingt, wird Musik die Straße, die zu Jesus führt; der Weg, auf dem Gott sein Heil zeigt.“
Eine liturgische Musik, die diesem Anspruch zweifelsohne gerecht wird, ist der Gregorianische Gesang. Leider haben viele Katholiken den Zugang zu dieser wahrhaft himmlischen Musik verloren. Das ist mehr als bedauerlich, darf aber nicht so einfach von unseren Bischöfen und Priestern hingenommen werden. Sie mögen unsere Pfarreien und besonders unsere Kirchenchöre an das II. Vatikanische Konzil erinnern, das in der Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ „den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang“ vorsieht, weshalb er „in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen“ soll. Ich stelle leider immer wieder fest, dass dem Gregorianischen Choral in unseren Kirchen oft der letzte Platz zugewiesen wird.
Nach dem Gregorianischen Choral kennt die Kirchenmusik in ihrer Tradition natürlich noch viele andere Gesänge, die in der Lage sind, das Herz der Gläubigen für Gott zu öffnen, seien es nun anspruchsvolle Chormessen oder einfache Gemeindelieder.
Abraten möchte ich jedoch vom Neuen Geistlichen Lied, das viel an Ehrfurcht in unserer Kirche zerstört hat. Gero Vehlow schreibt in seinem lesenswerten Buch „Maria in der Musik“: „In der Kirchenmusik hat es im Zeitraum von weniger als vier Jahrzehnten ein so starkes Absinken des Niveaus gegeben wie in keiner anderen musikalischen Gattung.“
Hier besteht ein viel zu wenig beleuchteter Zusammenhang zwischen u.a. dem Schwund der Mundkommunion, der Hochaltäre und Kniebänke und letztlich dem Glauben der Menschen im allgemeinen und der Einführung mehr und mehr „kreativer Elemente“ und „Zusammengebasteltem“ in der heiligen Liturgie der Kirche, die den Kirchgängern das Gefühl wahrer Anbetung immer fremder hat werden lassen. Poplieder und Neues Geistliches Lied sind ein Ausdruck dieser Strömung. Natürlich haben auch Einflüsse von außen, wie die wandelnden Wertvorstellungen der Gesellschaft und die falsche Definition von Freiheit zu dieser Entwicklung beigetragen. All dies kann ich hier nur kurz andeuten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.
Bleibt zu hoffen, dass die untrennbare Verbindung zwischen Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten und ihrem würdigen Ausdruck durch die Sprache der Musik aufs Neue besonders von jungen Christen wiederentdeckt wird, damit die Kirche eine Neubelebung des Glaubens erfahre.
