Der Künstlermönch von Heiligenkreuz

Mich persönlich berührt es, wenn sich künstlerisches Talent und Glaube in einem Menschen so sehr ergänzen. Leider ist dies in unserer Zeit eher selten der Fall. P. Raphaels Geschichte bezeugt, wie ein Talent zu neuer Blüte gelangen kann, wenn man es ganz in Gottes Hände zurücklegt, bereit auf den Willen Gottes zu hören.
Bei einem Klostereintritt muss man sich von vielem trennen. P. Raphael hatte auch von seiner Kunst Abschied genommen und kam nicht - wie man vielleicht vermuten könnte - nach Heiligenkreuz mit der Bitte, weiter als Künstler aktiv sein zu dürfen. Er wollte Gott als Mönch dienen, nicht mehr und nicht weniger. Über Außenstehende wurde der Abt erst eine Weile nach seinem Eintritt auf die Arbeiten von P. Raphael hingewiesen. Ab diesem Zeitpunkt darf der „Künstlermönch“, wie er mittlerweile auch genannt wird, in „evangelischem Gehorsam“ neue und prächtigere Kunstwerke zur Ehre Gottes erschaffen. Das Stift Heiligenkreuz hat eine Seite mit vielen Fotos der Skulpturen, Bilder und sonstigen Schöpfungen von P. Raphael eingerichtet.
Hier nun das Interview (man beachte, dass es nicht aktuell ist, und daher manche Projekte, über die er spricht, bereits abgeschlossen sind):
KATH.NET: Wurden Ihre Werke von Anfang an von religiösen Motiven inspiriert?
Fr. Raphael Statt: Nein, das hat sich erst in den letzten sieben Jahren vor meinem Klostereintritt im Jahre 2004 dorthin entwickelt. Ausgelöst durch die Eindrücke des furchtbaren Krieges in Jugoslawien hat sich diese religiöse Thematik an meiner Pietà erst herauskristallisiert. Dieses Werk war sozusagen mein Einstieg in die sakrale Kunst.
KATH.NET: Hat diese Arbeit Ihre Beziehung zur Muttergottes vertieft?
Fr. Raphael Statt: Ja, schon, doch ein wirklich tieferes Verhältnis zur Muttergottes habe ich später durch meinen Aufenthalt in Medjugorje bekommen. Man kann allerdings sagen, dass seit der Entstehung der Pietà meine Liebe zur Kirche als meine Heimat stärker gewachsen ist.
KATH.NET: Wie haben Sie zu Ihrer Berufung als Mönch gefunden?
Fr. Raphael Statt: Als Kind hatte ich schon eine starke Zuneigung zu den Ordensgemeinschaften unserer Kirche. Ich selber komme aus einer lebendigen Kirchengemeinde bei Berlin. Einen indirekten Berufungsimpuls löste jedoch meine zweite Pietà aus, die der Abt der Prämonstratenser aus Duisburg - Hamborn in seiner Abtei ausstellen wollte. Aus diesem Anlass war ich eine Woche Gast des Konvents, wo ich das tägliche Chorgebet mit den Chorherren mitgebetet habe. Während die Psalmen gebetet wurden, ist in mir eine starke Sehnsucht und die Liebe zu Gott und zum immerwährenden Chorgebet entfacht worden. Das hatte zur Folge, dass ich daraufhin in zwei - drei verschiedenen Klöstern „Kloster auf Zeit“ machte. Als ich dann das Stift Heiligenkreuz kennenlernte, wuchs in mir die Gewissheit, dass mich Gott in seine Nachfolge gerufen hatte.
KATH.NET: Wie ließ sich Ihre Kunst mit Ihrer Berufung als Mönch kombinieren?
Fr. Raphael Statt: Ich hatte bei meinem Eintritt ins Kloster Heiligenkreuz mit meiner künstlerischen Arbeit so gut wie abgeschlossen. Meine Berufung als Mönch habe ich über meine Berufung als Künstler gestellt, und ich bin hier, um dem Herrn als Zisterziensermönch in Gebet und Arbeit zu dienen. Aber bereits nach Vollendung meiner Noviziatszeit ergab sich die Notwendigkeit, mein künstlerisches Talent wieder einzusetzen, diesmal für das Kloster.
KATH.NET: Hat sich Ihre Kunst durch das Mönchsein verändert?
Fr. Raphael Statt: Nein, ich glaube noch nicht direkt, dazu bin ich erst zu kurz wieder in meiner künstlerischen Arbeit. Doch ich erfahre schon jetzt am Beispiel meiner derzeitigen Arbeit, dass sich mein künstlerisches Betätigungsfeld sehr erweitert. Auch bewege ich mich im benediktinischen Spannungsfeld zwischen täglichem Chorgebet und künstlerischer Arbeit. Das tägliche Chorgebet sehe ich als wichtige Grundlage für all mein Tun.
KATH.NET: Was ist der Hintergrund Ihrer momentanen Arbeit?
Fr. Raphael Statt: Der Prior unseres Priorats in Bochum-Stiepel hat mich vor ungefähr zwei Jahren gebeten, für die dortige Kirche Entwurfs- und Ideenskizzen zur Erweiterung des Altarraumes anzufertigen. Der Altarraum sollte erweitert werden, um eine verbesserte Aufstellungsmöglichkeit für das nunmehr zu klein gewordene Chorgestühl zu finden. Bei der Weiterentwicklung und Umsetzung meiner Gestaltungsidee durch den dortigen Architekten (Herrn Hedtfeld) war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich auch mit der Aufgabe betraut wurde, für diese Kirche ein neues Chorgestühl zu entwerfen. Hinzu kam dann der Wunsch des Priors und seines Klosterkonvents, mir auch noch die Gestaltung der zwei vorgesehenen neuen Glasfenster für die neu entstandenen Chorstallenräume, die sich jetzt links und rechts des Altarraumes befinden, anzuvertrauen. Es war die Idee des Priors, P. Maximilian, die beiden Christusbildnisse, das Grabtuch von Turin und das Volto Santo, als Motiv für die neuen Fenster zu nehmen. Das neue Chorgestühl, sowie auch der von mir entworfene Doppel-Ambo, ein Priestersitz und die Sedilien werden im Moment angefertigt. Alle gestalteten Einrichtungsgegenstände müssen in harmonischer Weise miteinander korrespondieren und eine gestalterische Einheit in dem neu umgebauten Kirchenraum ergeben. Denn es ist wichtig, dass sie die liturgischen Handlungen durch ihre Ausstrahlungskraft sowie durch ihre gute Funktionalität fördern. Bei meiner Gestaltungsarbeit an dem neuen Chorgestühl konnte ich spüren, dass es von großem Vorteil ist, dass ich selber täglich im Chorgestühl den Lobpreis Gottes verrichte und dass ich sehr gut weiß, worauf es für den praktischen Gebrauch ankommt. Dadurch habe ich die Möglichkeit, meine praktische Erfahrung in die künstlerische Gestaltung mit einfließen zu lassen. Die gesamte Kirchengestaltung ist ja zur Verherrlichung Gottes gedacht. Und das ist etwas Wunderbares.
KATH.NET: Wann werden die Arbeiten abgeschlossen sein?
Fr. Raphael Statt: Am Pfingstsonntagabend, dem 27. Mai (2007), wird Abt Gregor Henckel Donnersmarck den neu gestalteten Altar- und Chorraum mit dem neuen Chorgestühl und den Christusfenstern im Rahmen einer festlichen Pontifikalvesper einweihen.
KATH.NET: War Ihnen das Volto Santo schon vor Ihrer Arbeit an den Glasfenstern für das Zisterzienserkloster in Stiepel ein Begriff?
Fr. Raphael Statt: Ja, ich habe im Noviziat das Buch von Paul Badde über das Muschelseidentuch mit großem Interesse gelesen. Ich war danach auch zu Exerzitien in Manoppello. So habe ich meinen guten Eindruck durch das heilige Antlitz in Manoppello noch vertiefen können und auch wertvolle Glaubensimpulse auf meinem Weg geschenkt bekommen.
KATH.NET: Glauben Sie an die Echtheit des Bildes von Manoppello?
Fr. Raphael Statt: Ja, ich glaube an die Echtheit und Authentizität dieses Christusbildes. Es war für mich ein starkes Erlebnis, bei den Vorträgen von Schwester Blandina, einer Ordensfrau, die sich schon seit einigen Jahren in ihren Forschungen mit diesem Bildnis befasst, zu sehen, wie die beiden Christusbildnisse von Turin und Manoppello übereinander gelegt eine perfekte Übereinstimmung der jeweiligen Konturen und Verwundungen ergeben. So etwas kann man nicht fälschen. Gewisse Dinge kann man nicht durch Worte klären, man erfährt sie einfach im Gebet.
KATH.NET: Wie definieren Sie Ihre Aufgabe als Künstler?
Fr. Raphael Statt: Durch das Gestalten der Glasfenster mache ich mich gewissermaßen auf zu Christus, unserem Herrn, der sich in authentischer Weise auch im Grabtuch von Turin und im Volto Santo offenbart. Gemäß dem Wort aus dem Psalm 95 „Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern!“ bin ich mit meiner Gestaltung der Christusfenster auch ein Stück weit unterwegs zu Gott. Ich verstehe mich als Mönch, der sein Leben lang Gott sucht, und ich bin dankbar für diesen Auftrag, in den ich all meine Liebe und mein Talent hineinlege, wobei ich bemüht bin, diese Arbeit verstärkt auf das Fundament des Gebetes zu stellen. Hier ist mir der berühmte Fra Angelico, ein Dominikanermönch und Künstler aus dem 14./15. Jahrhundert, ein großes Vorbild. Er hat sein künstlerisches Charisma mit einer überzeugenden Christusnachfolge verbunden. Und so sind für mich auch christliche Kunstwerke ein Gebet. Ich sehe mich als Künstler, der durch seine Arbeit auch ein Verkündigungsapostolat wahrnimmt.
KATH.NET: Vielen Dank für das Gespräch.
Interview mit Herr Alipius

Worum geht es bei dem Blog?
In erster Linie um zwei Dinge: Um meinen Katholischen Glauben und um mich.
Was hat Sie motiviert, den Blog anzulegen? Was waren die Ziele?
Ursprünglich sah ich in einem Blog eine einfache Möglichkeit für Verwandte und Bekannte, auf dem Laufenden zu bleiben. Da ich für fünf Jahre in Rom studiere, aber nicht sekündlich nach Hause telefonieren kann, um allen mitzuteilen, wie es mir geht und was ich so treibe, lag das Anlegen eines Blogs nahe. Ein weiteres Ziel wurde dann sehr schnell eine gewisse Gegenaufklärung, die es den Lesern ermöglichen sollte, die Kirche nicht nur vordergründig in dem Licht zu sehen, welches durch die oft voreingenommenen Medien, durch Diskussionen über Abtreibung, Zölibat, etc. auf sie geworfen wird, sondern sie in ihrer Gesamtheit als organisch gewachsenes Etwas zu betrachten, welches unseren Kontinent entscheidend geprägt hat und welches neben dem offensichtlichen, unvollkommenen und menschlichen Anteil auch eine gehörige Portion Heilsmittel, Gnade und Unterstützung durch den Heiligen Geist genießt.
Warum haben Sie sich für einen Blog entschieden?
Weil man mit wenig Aufwand viele Menschen erreichen kann. Weil ich gerne schreibe. Weil ich einen kreativen Output brauche.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Blog?
Positiv. Er bietet mir eine schöne und abwechslungsreiche Gelegenheit, mich abseits vom Studium mit für mich persönlich interessanten Themen zu beschäftigen, ein wenig herumzuulken und - wenn nötig - einem schlecht informierten aber dafür lauten Kirchenkritiker argumentativ die Ohren lang zu ziehen. Man muß ein wenig Zeit investieren.
Konnten Sie Ihre Ziele mit dem Blog erreichen?
„Schau’ mer mal”, wie der Kaiser sagen würde. Ernsthaft: Was die Information der Homefront betrifft, klar. Was die ‚Gegenaufklärung’ betrifft, unsicher. Es gibt positive Rückmeldungen, aber die stammen in der Regel von Leuten, die auch vor Besuch auf meinem Blog schon so empfanden wie ich. Naja: „Wichtig ist auf dem Platz”, demnach geht es für mich auch erst wirklich los, wenn ich einmal in der Pastoral stecke.
Wer sind die Nutzer des Blogs?
Eine Mischung aus einer wachsenden Stammkundenschaft und Zufallsbesuchern, die entweder gleich beim ersten Mal entsetzt das Weite suchen oder hin und wieder nochmal hineinschauen.
Wie sind die Rückmeldungen, die Sie auf den Blog / dessen Einsatz erhalten?
Es gibt viel Lob, weniger Kritik, was - glaube ich - auch daran liegt, daß meine Stammkundschaft weiß, was sie zu erwarten hat.
Wie aufwendig war die Einrichtung?
Gar nicht. Hat vielleicht fünf Minuten gedauert, wenn überhaupt. Das Zurechtbasteln des Erscheinungsbildes hat dann etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, aber auch nicht immens viel.
Wer macht die Betreuung und wie aufwendig ist sie?
Ich mache alles selbst, von den Einträgen bis hin zu den gestalterischen Änderungen. Diese sind beim Anbieter „Blogger” in dessen alten Templates einfacher, weil dort das HTML durchsichtiger ist. Das ist für einen Bastler wie mich wichtig, bedeutet aber andererseits, daß ich die neuen Features von „Blogger 2.0” nicht nutzen kann. Die Betreuung ist so aufwendig, wie man es will. Sprich: Wenn ich meinen Kunden tägliche Unterhaltung bieten will, dann muß ich eben bereit sein, täglich ein bis zwei Stunden zu investieren.
Was planen Sie an weiteren Schritten?
Nichts. Das Blog wird mit Beendigung des Studiums eingestellt, weil ich dann nach Österreich in mein Stift zurückkehre und mich auf die Diakon- und Priesterweihe vorbereite. Wenn ich mich dann irgendwann in einer Position niedergelassen habe und die nötige Zeit locker machen kann… Mal sehen…
Würden Sie Kollegen empfehlen einen Blog anzulegen?
Unbedingt, vorausgesetzt, sie bringen die nötige freie Zeit mit. Das Internet ist ein ultra-schnelllebiges Medium, und wer sich da den Ruf einhandelt, sein Blog nicht regelmäßig in kurzen Abständen upzudaten, dem laufen - abgesehen vielleicht von einem kleinen treuen Kern - die Kunden bald davon. Es sei dann, man bietet ganz spezielle Informationen an, auf die die Leute auch gerne mal ein paar Tage warten.
Quelle: Studie zu kirchlichen Sinnangeboten im Web 2.0
Grönemeyer über das Leben

Ich habe am Grab meines Bruders erlebt, dass wir als Ärzte, wir als Menschen nicht entscheiden, wann wir kommen und gehen. Ich bin demütig geworden, hab vorher mit dem Schöpfer gehadert und Ihn auch im Grunde verneint. Mir wurde klar, genau durch diesen Tod, wie wunderbar Leben ist und wie schön es ist, leben zu dürfen und was für eine Gnade es ist, auch diese kurze Zeit in der Existenz des Kosmos einfach hier sein zu dürfen. Das habe ich in diesem Moment begriffen durch den Tod meines Bruders und auch die Begrenztheit unseres eigenen Tods und unseres eigenen Tuns in der Medizin. Seitdem hat sich ganz viel bei mir verändert, und ich sehe auch, dass Medizin mehr ist, als nur den Körper zu behandeln.
Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer für die Gnade des Lebens - welch schönes Fazit eines Mediziners!
Kuschelkatholizismus

Verdient eine Gesellschaft, die Stellungnahmen des Heiligen Vaters als gefährlichen Fundamentalismus betrachtet, noch Attribute wie liberal oder tolerant?
Nein, sie ist weder liberal noch tolerant, es sei denn, man versteht unter Liberalismus die Überzeugung, dass es keine Überzeugungen geben darf. Ursprünglich heißt Toleranz Respekt vor den Überzeugungen anderer. Das ist im Augenblick bei uns im Schwinden begriffen. Toleranz heißt jetzt nicht mehr Respekt vor Überzeugungen anderer, sondern Ablehnung jeder Überzeugung. Was dem Papst vorgeworfen wird ist ganz schlicht, dass er das verkündet, was die katholische Kirche immer verkündet hat. Er tut es auf eine besonders vernünftige und menschliche Weise. Aber er verzichtet nicht darauf, den christlichen Lebensweg zu lehren.
Wie meine Twitter-Follower gestern mitbekamen, war ich von meiner Pfarrei aus zu einer Versammlung der katholischen Erwachsenenbildung unseres Dekanats geschickt worden. Ich kam etwas zu spät und war beim ersten Anblick der Versammlung gleich etwas irritiert, die lieben Leute - so 40 an der Zahl - in Grüppchen sitzend zu sehen, in der Mitte des Raumes eine Kordel in Kreisform ausgelegt, die wohl für ein Begrüßungsspiel verwendet worden war. Gut, ich gesellte mich also dazu. Ideen für etwaige Projekte wurden gesammelt. Wir setzten uns wieder in einen Kreis.
Der Leiter der Erwachsenenbildung sprach die prima Zusammenarbeit mit Referenten verschiedenster Couleur an. Leider, so bemängelte er, dürfe man nicht mehr mit Donum Vitæ und Pro Familia zusammenarbeiten, das habe das Bistum verboten. Keiner der Anwesenden schien sich an dieser Aussage zu stören. So blieb es an mir, den Einwand vorzubringen, dass man das „leider“ des Herrn Leiters so nicht im Raum stehen lassen könne, es gehe hier immerhin um Institutionen, die Abtreibungen befürworten und deren Sexualerziehung so gar nicht im Sinne der Kirche ist. Er habe das bedauert, so seine Antwort, weil diese Leute doch wirklich tolle Dinge zur Sexualität zu sagen haben, aber man dürfe nicht sehen, welche Möglichkeiten man nicht habe aufgrund des Verbots von Trier, sondern was einem noch alles offen stehe. Glückliches Grinsen des Leiters und zustimmendes Nicken in der Runde.
Einen Vorbehalt hatte ich gegen Ende der Versammlung noch anzubringen: wieso fürchte man sich vor einem katholischen Profil, wo sei in unserem Bistum denn der Raum, seinen Glauben zu vertiefen und in den Glaubenswahrheiten der Kirche unterrichtet zu werden, wenn nicht in der so genannten „katholischen“ Erwachsenenbildung? Da seien die Kollegen in Luxemburg konsequenter, dort nenne man sich seit einiger Zeit nur noch „Erwuessebildung“ und habe das „katholisch“ gleich weggelassen. Wahrscheinlich um nicht anzuecken. Man wird zwar finanziell von der Kirche getragen, obwohl man gegen Papst und allzu Katholisches ist, aber gut, sei’s drum. Könne man nicht anstatt dieses „Kuschelkatholizismus“ doch katholischere und tiefer gehende Angebote ins Programm aufnehmen?
Man dankte mir für den interessanten Hinweis. Dann meldete sich der Herr, der anschließend die Kordel zusammenrollte, noch zu Wort: „Ich bin gerne Katholik. Aber ich bin nicht besser als ein Protestant oder ein Moslem. Wir müssen uns davor hüten, uns als etwas Besseres zu fühlen.“ Er warnte auch vor radikalen Gruppierungen wie Orthodoxen und Syriern (Hä? Was er damit wohl meint?). Ich weiß nicht, wieso meine Kritik am fehlenden katholischen Profil ihn auf solche Gedanken gebracht hat. Er bevorzugt im Themenangebot der katholischen Erwachsenenbildung auf jeden Fall scheinbar Veranstaltungen wie „Trommeln im Kreuzgang“ oder „Kochkurs für Männer“. Das sei ihm gelassen. Ich hielt auch brav meinen Mund. Aber ich dachte an die Aussage Robert Spaemanns, die ich anfangs zitiert habe: „Toleranz heißt Ablehnung jeder Überzeugung“, und ich füge hinzu: „auch der eigenen.“ Das habe ich bei dieser ernüchternden Versammlung gelernt.
Der Medien-Priester


Danke für Deinen großartigen Dienst, lieber P. Karl! Gäbe es Dich nicht, müsste der liebe Gott einen Mönch von Deinem Format erfinden!
Bild: Meine Frau Martina und ich am wohl schönsten Tag unseres Lebens. :-) Hochzeit in im Stift Heiligenkreuz, Trauungspriester P. Karl
Ein Interview aus Medjugorje

Am 31.12.2005 sprach David Ianni über die Gründe seiner wiederholten Pilgerfahrten nach Medjugorje, über seine Kunst und seinen Glauben.
David Ianni, Sie sind Pianist und Komponist aus Luxemburg, zur Zeit leben Sie in Österreich, und Ihr Herz ist irgendwie sehr stark mit Medjugorje verbunden. Warum? Was bedeutet Medjugorje für Sie, für Ihre Kunst, für Ihr geistliches Leben?
Ich bin letztes Jahr zu Silvester zum ersten Mal in Medjugorje gewesen. Das war mit einer Gruppe aus Österreich, „Amici di Dio“, die jedes Jahr Pilgerfahrten nach Medjugorje organisiert. Meine Bekehrung hängt eng mit der Weihe an Maria zusammen. Kurz nachdem ich die Weihe gemacht hatte, das war im Sommer 2004, spürte ich einen starken inneren Ruf, nach Medjugorje kommen zu sollen. Eine Bekannte hat mir einmal gesagt: „Wenn du im entferntesten das Bedürfnis hast, nach Medjugorje zu fahren, dann könnte es sein, dass die Muttergottes selbst dich ruft.“ Dieser Satz hat mich nie losgelassen. Besonders nach der Weihe ist er stärker geworden.
Warum haben Sie diese Weihe gemacht?
Ich bin traditionell etwas oberflächlich katholisch aufgewachsen. In meiner Jugend war mir die Musik sehr wichtig, ich habe angefangen Konzerte zu spielen und bin sehr viel herumgereist, und schon in dieser Zeit haben sich die Fragen gestellt nach dem Sinn des Lebens. Die Kirche war für mich aber verschlossen. Ich hatte die Sehnsucht nach etwas Exotischem, nach Esoterik, nach asiatischen Religionen. Ich musste einige Umwege gehen, bis ich dann im Jahre 2000 eine katholische Kirche kennen gelernt habe, wo ich Organist war. Eine Frau hat mir einen Rosenkranz geschenkt, der aus Medjugorje war. So habe ich angefangen den Rosenkranz zu beten. Und so ist Medjugorje in Verbindung mit meiner Bekehrung. Der Rosenkranz, die Muttergottes durch den Rosenkranz, hat mich zurück zur katholischen Kirche geholt. Durch dieses Gebet ist meine Liebe zu Maria gewachsen und in mir wurde der Wunsch immer stärker, diese Weihe an Maria zu machen. Dieselbe Bekannte, die zu mir über Medjugorje gesprochen hat, hat mir auch das Goldene Buch von Ludwig Maria Grignion de Montfort empfohlen. Das hat mich sehr tief angesprochen und ich wusste, dies sei mein Weg. Vier Monate nach der Weihe bin ich nach Medjugorje gekommen. Ich hatte das Gefühl, einfach richtig hier zu sein. Es ist nicht so spektakulär, wie ich es erwartet hatte. Es gibt nämlich viele Zeugnisse von Menschen, die hier radikal bekehrt wurden, aber ich hatte ja vorher schon zurück zum katholischen Glauben gefunden. Es war einfach schön, weil die Pfarrei in Medjugorje ein schönes und starkes Zeugnis der lebendigen Kirche ist.
In welchem Sinne meinen Sie das?
Viele Gläubige, auch viele junge Menschen, kommen hierher. In den Messen, auf dem Erscheinungsberg und auf dem Kreuzberg trifft man junge Menschen, die beten, und das hat mich fasziniert. Man spürt auch die Präsenz der Muttergottes. Auf dem Erscheinungsberg habe ich einen sehr tiefen Frieden empfunden. Das Beten fällt einem sehr leicht dort. Unabhängig von den Erscheinungen ist die Kirche lebendig hier. Die Kirche ist voll, man spürt die Freude in den Messen. So viele Menschen leben hier ihren Glauben, gehen zur Kirche und empfangen die Sakramente. Besonders stark ist Gnade der Beichte in Medjugorje.
Woran hängt das, Ihrer Meinung nach?
Ohne dem Urteil der Kirche vorgreifen zu wollen, meiner Meinung daran, dass die Erscheinungen echt sind. Ich habe die Seher nur von ferne gesehen, Vicka etwas näher, und ich finde, dass sie eine authentische Ausstrahlung hat.
Was spricht die jungen Menschen in Medjugorje am meisten an? Was zieht sie an?
Die Sehnsucht nach Frieden, der Durst nach Wahrheit. Die Welt lügt uns so oft an. Durch die Medien bekommen wir überwiegend Negatives gezeigt. Junge Menschen werden auf dem Gebiet der Sexualität sehr manipuliert und in ihren Seelen angegriffen. Wenn sie noch keinen gefestigten Glauben haben, kann das zu schwerwiegenden Folgen führen. Die Botschaft von Medjugorje weckt in ihnen die Sehnsucht nach wahrem Frieden, und wohl auch nach Gott und nach Familie, nach intakten Familien. Die meisten Menschen kommen heutzutage aus zerrütteten Familien. Es ist sehr selten, dass man noch eine Familie findet, wo wirklich die Nächstenliebe gelebt wird, wo gebetet wird, wo die Eltern sich bei der ersten Schwierigkeit nicht gleich scheiden lassen. Aber am meisten zieht sie meiner Meinung nach die Sehnsucht nach Gott nach Medjugorje, danach, dem Leben einen Sinn zu geben. Hier begegnet man Maria und Christus intensiver als zuhause. Ein wichtiger Faktor ist, dass junge Menschen andere junge Menschen treffen, bei denen sie sehen, dass sie den Frieden gefunden haben, dass sie etwas tiefer im geistlichen Leben gekommen sind. Das ist ein starkes Zeugnis. Ein weiterer Punkt, der hier eine sehr wichtige Rolle spielt, ist die Anbetung in der Kapelle und die Anbetung in der Pfarrkirche. Das ist ein Schatz in unserer katholischen Kirche: Jesus in der Eucharistie, Jesus in den Sakramenten. In Seiner Präsenz verweilen dürfen. Besonders schön ist hier die Gestaltung: einfache Sätze, die tief ins Herz gehen, gepaart mit der Musik. Als Musiker fühle ich mich sehr angesprochen. Ich möchte besonders die Violinistin Melinda Dumitrescu hervorheben. Sie ist eine begnadete Musikerin und ihr Ton berührt unzählige Pilgerherzen. Sie ist eine Musikerin so wie wir, als Musiker, es uns wünschen: Das Geschenk ihrer Begabung, die sie von Gott in die Wiege gelegt bekommen hat, beantwortet sie mit einer tiefen Liebe zu Gott. Sie macht Musik für Gott. Viele begnadete Musiker machen sich vielleicht zu wenig Gedanken, woher ihr Talent kommt. Die Musik hat uns Gott geschenkt, damit wir ein Mittel haben, Ihn zu preisen, mit Ihm in Berührung zu kommen, die Menschen zur Wahrheit zu führen, in ihr Inneres zu führen, Licht und Frieden verbreiten. Das ist eine besondere Gabe der Musik, weil die Musik über den Sprachen steht. Musik versteht jeder, unabhängig von der Kultur und von der Sprache.
Wie verbinden Sie Ihren Glauben und Ihre Musik?
Ich nehme die Musik als Geschenk an. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ich Musik spielen und komponieren kann, dass ich gewisse Gaben habe. Was ich von Gott bekommen habe, möchte ich Ihm zurück geben. Die Weihe an die Muttergottes wiederhole ich jeden Tag, und ich beziehe sie nicht nur auf mein Leben, auf den Umgang mit meinen Mitmenschen, sondern auch ganz explizit auf meine Musik, damit meine Musik der Muttergottes, und somit Jesus gehört. Ich bete um Inspiration und versuche so gut wie möglich die Botschaft des Evangeliums in Töne zu übersetzen und so Gott zu den Menschen näher zu bringen. Ich bete sehr viel vor, während und nach den Konzerten. Es ist wichtig, besonders nach dem Konzert auch weiter für das Publikum zu beten. Kirche und Kreuz sind Worte, die manche Menschen abschrecken, weil sie negative Assoziationen in ihnen hervorrufen, aber Töne öffnen die Herzen, und mit einem geöffneten Herzen kann man zum wahren Glauben finden. Das ist eigentlich mein Ziel mit der Musik: die Herzen meiner Hörer für den Glauben zu öffnen.
Interview: Lidija Paris, ursprüngliche Veröffentlichung hier.
Soli Deo Gloria

Die „Amici News“ unterhielten sich mit dem katholischen Künstler über seine Musik, sein Leben und seinen Glauben.
AdD: David, du bist Pianist und Komponist. Was bedeutet für dich Musik?
David: Musik ist eine Gnade Gottes. Beim Musizieren, ob ich nun komponiere oder spiele, bete ich, vielmehr, das Musizieren selbst ist Gebet in sich. Das ist ein schönes Gefühl, und immer wieder ist es auch ein Geschenk für mich, wenn ich erleben darf, wie sich die Herzen meiner Zuhörer öffnen für die Liebe, von der gute Musik letztendlich immer singt, in all ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen. Ob ich nun Beethoven, Chopin, Liszt, Schubert oder Brahms spiele – die großen Meister der klassischen Musik sind Künstler, deren Musik wir uns meiner Meinung nach vorbehaltlos anvertrauen und hingeben dürfen. Der Hörer kann so zum Mitbeter werden und Gottes Nähe tatsächlich in der Musik spürbar erfahren. Ich meine, dass alle großen Komponisten gläubige Menschen waren. So wusste zum Beispiel J. S. Bach, mein Lieblingskomponist, sehr wohl, wem er seine Musik zu verdanken hatte. Mit den Worten „Soli Deo Gloria“, die er auf seine Partituren zu schreiben pflegte, gab er dem Herrn das Empfangene in aller Bescheidenheit zurück. Solche Komponisten sind als Musiker meine Vorbilder, musikalische Heilige sozusagen. Ein Musiker muss meiner Meinung nach immer im Dienst der Musik stehen, und somit auch im Dienste Gottes, der uns das Leben und die Musik schenkt. Sie darf nicht zum Selbstzweck und zur Verbreitung negativer Inhalte missbraucht werden, was heutzutage leider oft der Fall ist. Doch es ist auch unübersehbar, dass immer mehr Künstler, vor allem auch junge Persönlichkeiten, sich zu ihrer Religiosität bekennen und die Menschen durch ihre Musik ermutigen und stärken wollen.
AdD: Bevor du zum katholischen Glauben fandest, warst Du einige Zeit bei einer Esoteriksekte. Wie bist du da hinein geraten?
David: Obwohl ich die Sakramente der Taufe, der Kommunion und der Firmung erhalten hatte, spielten Gott und die Religion in meinem Leben keine Rolle. Ich hatte keinen Glauben, der mir Halt geben konnte in einer Zeit meines Lebens, mit 16 Jahren, in der ich mit den Erfolgen und dem daraus resultierenden Druck meiner beginnenden Karriere einfach überfordert war. Mit 17 kaufte ich mir in London, wo ich damals studierte, meine ersten Esoterikbücher. Ich war sehr fasziniert von asiatischen Religionen, Meditation und Esoterik und dachte, dort Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens finden zu können. 1998 lernte ich ein esoterisches Seminarzentrum im Saarland kennen. Dort werden sehr teure Seminare zu allen möglichen esoterischen Themen angeboten: Tantra, Astrologie, Numerologie, Shiatsu, Okkultismus, Magie, Weltverschwörungstheorien... Nach und nach richtete ich unter dem Einfluss dieses Hauses mein ganzes Leben nach den Seminaren aus und vernachlässigte meine Freunde, meine Familie, meine Musik.
AdD: Welche Inhalte wurden von dieser Sekte vermittelt?
David: Die Leiterin dieses Hauses versteht sich als „spirituelle Lehrerin“ und als Medium für den so genannten „Christusgeist“, eine geistige Wesenheit, der auch Buddha und Christus angehören sollen. Diese spricht durch das Medium, auch in Einzelsitzungen à 77 Euro die Dreiviertelstunde. Es geht letztendlich um Geld und um Macht. Die Lehrer, die eine sehr charismatische Ausstrahlung haben, geben vor, dem Hilfesuchenden zur Erlösung seiner Leiden zu verhelfen. Ihre Lehren beinhalten Ideen aus verschiedenen Religionen, sowie ein wenig Psychologie und Naturheilkunde. Eine Mischung, die viele Menschen anzieht, die wie ich damals auf der Suche sind und nicht fest im Glauben stehen. Sie benutzen die Sehnsucht der Menschen nach Gott und machen sie sich hörig. Das funktioniert auch deshalb, weil sie alles auf das „höhere Wissen“ der „Meisterin“ zurückführen und das Ganze sehr clever und beeindruckend inszeniert wird. Seltsamerweise glaubten wir als „Schüler“ umso mehr, je tiefer wir „eingeweiht“ wurden. Ich erinnere mich z. B. daran, dass den Seminarteilnehmern einmal Apfelstücke ausgeteilt wurden mit den Worten „das ist mein Leib“ oder wie man Mutter Teresa wegen ihrer „Ego-Strukturen“ kritisierte. Wenn ich heute daran denke, habe ich als Katholik den Eindruck, dass so der Name des Herrn missbraucht und den Menschen durch solche Äußerungen der Weg in die Kirche fast unmöglich gemacht wird. Hat nicht Jesus selbst uns eindringlich gewarnt: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie harmlose Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Mt 7, 15-16)
AdD: Wie hast du es geschafft, aus dieser Sekte auszusteigen?
David: Meine damalige Freundin brachte mich in Kontakt mit jungen Christen, und ich lernte eine neue Lebensweise kennen, kam wieder in Berührung mit Menschen, die nichts mit dem Seminarhaus zu tun hatten. Außerdem war ich eine Zeitlang als Organist und Chorleiter in einer katholischen Gemeinde tätig, war also während eineinhalb Jahren fast täglich der Liturgie „ausgesetzt“, was sicher auch einen bedeutenden Einfluss auf mich hatte. Durch das Geschenk eines Rosenkranzes aus Medjugorje lernte ich das Rosenkranzgebet kennen, das letztendlich wohl der entscheidende Faktor bei meiner Umkehr zum katholischen Glauben und zur Abkehr von der Sekte war. Ich stellte mein Leben unter die Führung der Muttergottes. So konnte ich meine Skepsis gegenüber der Kirche im Laufe der Zeit immer mehr überwinden und entdeckte, dass dort ein lebendiger Geist weht, dass am Altar etwas sehr, sehr Heiliges passiert. Auch die Art meiner Lektüre änderte sich. Irgendwann war ich soweit, dass ich statt der Esoterikbücher die Bibel las. Die Veränderungen in meinem Denken und Handeln öffneten mir die Augen für die Irrlehren, die in dem Seminarzentrum gelehrt werden. Es war ein sehr schwerer Prozess, mich nach mehreren Jahren der „Gehirnwäsche“ von ihnen zu lösen, besonders psychisch. Doch dank der Gnade Gottes und dem Beistand meiner Familie und meiner Freunde bin ich dort wieder heil herausgekommen. Leider bin ich eine Ausnahme. Und ich befürchte, dass es heutzutage viele ähnlich strukturierte Seminarhäuser gibt, die die Menschen gewaltig in die Irre führen. Ich bete für die Menschen, die nach wie vor in diesem Haus ein- und ausgehen und hoffe, dass sie es irgendwann schaffen werden, wieder ein normales Leben zu führen, ohne von Seminar zu Seminar zu leben und dabei Tausende von Euros auszugeben.
AdD: Was bedeutet dir der Glaube?
David: Mein Glaube ist mir unsagbar wichtig geworden. Ich habe den Segen des Rosenkranzgebets für mich erfahren dürfen, und es ist mir zur lieb gewonnenen Gewohnheit geworden, den Rosenkranz täglich zu beten und ihn auch immer in der Hosentasche bei mir zu tragen. Ich berühre die Perlen und weiß: Maria ist da! Besonders der Satz „bitte für uns Sünder“, mit dem ich am Anfang noch große Schwierigkeiten hatte, schenkt mir Trost und Kraft. Ich weiß heute, dass die Gottesmutter Maria, meine Mutter, mich zu Jesus Christus geführt hat. Dafür bin ich ihr einfach nur dankbar. Ich brauche Maria und mir nichts mehr vorzumachen und lerne, besser mit meinen und den Schwächen anderer umzugehen. Und ich glaube, dass sie mich auch durch die Musik immer wieder geführt und beschützt hat. Musik atmet Wahrheit, ist Ausdruck göttlicher Gnade und in gewisser Weise ein Tor, durch das eine Ahnung von Ewigkeit und von der Herrlichkeit Gottes in unsere Herzen strömen kann. Jesus sagt: „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ (Lk 12, 34) Der Pianist Keith Jarrett hat diesen Gedanken sehr schön weitergeführt: „The music is where the heart is.“
Ein anderer Aspekt des katholischen Glaubens, der mir heilig geworden ist, ist die Tugend der Keuschheit. Was von den meisten noch belächelt wird, ist in Wahrheit eine große Stärke, eine der zwölf Früchte des Heiligen Geistes. Es ist nicht unmöglich und wider die menschliche Natur, ein keusches Leben zu führen und mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, sondern eine Gnade, die uns der liebe Gott gewährt, wenn wir Ihn darum bitten. Sexualität ohne Gefühl, ohne wirkliche Bindung, ohne Grenzen, ohne das heilige Sakrament der Ehe, ohne wirkliche Liebe – und so wird sie in der Mehrzahl der Fälle gelebt – führt uns nach meiner Erfahrung in eine innere Not und unweigerlich zu immer größerer seelischer und körperlicher Krankheit. Sie entfernt uns mehr und mehr von unserer Mitte: Isolation, Schmerz, Leid, Trennung, und leider auch oftmals Abtreibung sind die Folgen. Daran kann auch die Verhütung nichts ändern. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr die Verhütung gefördert wird, umso mehr wird auch eine Geisteshaltung gefördert, die das Geschenk der Sexualität in keiner Weise zu erfassen und zu würdigen vermag. Schade, dass sich offensichtlich nur wenige über diese Zusammenhänge im Klaren sind. Seit ich mich bewusst entschieden habe, enthaltsam zu leben, fühle ich mich paradoxerweise männlicher als vorher. Die Enthaltsamkeit gibt uns, Männern wie Frauen, unsere menschliche Würde zurück. Ich glaube, dass eine keusch lebende Jugend, die der durch und durch sexualisierten Bilderwelt unserer Zeit widersteht, uns in eine bessere Zukunft führen kann.
AdD: Du warst Silvester in Medjugorje, was waren Deine dortigen Erfahrungen?
David: Medjugorje hat mich tief berührt. Es war beglückend für mich, mit den anderen Pilgern, aber auch alleine dort zu beten und innerlich still zu werden. Der Friede war für mich sehr stark spürbar in Medjugorje. Einen besonders nachhaltigen Eindruck haben die Aufstiege zum Erscheinungs- und zum Kreuzberg in mir hinterlassen. Auch die fünf Grundlagen für ein gesegnetes und gottesfürchtiges Leben, die Maria den Gläubigen durch ihre Botschaften immer wieder in ihre Herzen legen möchte, nämlich Eucharistie, Rosenkranzgebet, Bibel, Fasten und Beichte, sind für mich seit meinen Erlebnissen in Medjugorje noch mehr zu einer Quelle der Inspiration geworden. Ich schöpfe viel Kraft aus meiner Wallfahrt nach Medjugorje.
AdD: Weltjugendtag in Köln: Du bist aus Luxemburg und wirst auch nach Köln kommen, was erwartest du dir vom Weltjugendtag?
David: Es wird mein erster Weltjugendtag sein, und ich schaue Köln mit großer Vorfreude entgegen. Ich freue mich darauf, mit jungen Christen aus aller Welt nach Köln zu reisen, um dort gemeinsam unseren Herrn Jesus Christus anzubeten. Ich sehe, dass vielerorts die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, was mich sehr freut. Auch in Luxemburg wird viel „Werbung“ für den Weltjugendtag gemacht. Wenn wir alle aktiv im Gebet auf den Weltjugendtag zuschreiten, wird er mit Sicherheit ein Segen sein für alle Pilger. Außerdem wünsche ich mir, dass Papst Johannes Paul II., von den Gebeten seiner ihm anvertrauten Herde getragen, in Freude und guter Gesundheit im August nach Köln kommen kann, um mit uns gemeinsam dieses große Fest unseres Glaubens zu feiern! Ich bete, dass der Herr viele Menschen für sich gewinnt. Und dass wir in Köln eine Bestärkung unseres Glaubens erfahren, die uns ein Leben lang prägen wird.
Ohne den Herrgott…

Ein Name, der untrennbar mit dem kleinen Ort Geichlingen in der Eifel in Verbindung gebracht wird, ist der Name Thiex. Weit über die Grenzen der Region hinaus ist das Möbelhaus der Firma Thiex seit Jahrzehnten bekannt und beliebt. Doch wer steht hinter diesem Namen, der für Qualität und Zuverlässigkeit bürgt?
Ich hatte die Gelegenheit, den Gründer der Firma, Herrn Leo Thiex, in seinem schönen Haus in Geichlingen zu besuchen und mich mit ihm zu unterhalten.
Empfangen werde ich von Frau Thiex, die die Haustür öffnet und mich in ihrer warmherzigen und liebevollen Art empfängt, die vielen Menschen bekannt sein dürfte. Hinter großen Männern stehen bekanntlich große Frauen. Sie begleitet mich zu Leo Thiex, der mich im Wohnzimmer bereits erwartet. Dass Leo Thiex seiner Frau zutiefst dankbar ist, lassen seine Worte in unserem nun folgenden Gespräch immer wieder unschwer erkennen. Sie war maßgeblich am Aufbau des erfolgreichen Unternehmens beteiligt.
Der Glaube
Doch zunächst zu den Anfängen. Geboren 1931 in die Familie eines Landwirtes aus Geichlingen, mussten Leo Thiex und seine 4 Geschwister den Schrecken des Krieges in seiner Kindheit leidvoll erfahren. Mehrere Male musste die Familie flüchten, hat sich lange mit anderen Geichlinger Einwohnern in Todesangst in einem Stollen in den Wäldern versteckt. Die tief religiöse Mutter hatte eine Fatima-Muttergottes mitgenommen, zu der man jeden Tag Zuflucht nahm und den Rosenkranz betete. Man versprach der Gottesmutter, ihr zu Ehren eine Kapelle hier in der „Wollefskaul“ zu errichten, wenn die Familien den Krieg unbeschadet überleben würden. Tatsächlich hat keine der 30 Bomben, die über Geichlingen abgeworfen wurden, das Haus einer dieser Familien zerstört. Die Kapelle steht bis heute und wird von ein paar Geichlingern liebevoll gehegt und gepflegt.
Als Leo Thiex mir diese Geschichte erzählt, bemerke ich, welch eine innige Liebe er für seine Mutter hegt. Sowohl sie als auch der Vater kamen aus einer kinderreichen Familie. Beide verloren in frühester Kindheit den Vater. Doch den Glauben an Gott verloren sie nicht. Die Mutter hat ihren Kindern das Fundament des Glaubens ins Herz gelegt, und bis heute sind Leo Thiex und seine Geschwister tief gläubige und praktizierende Katholiken. Dies hat Leo mit seiner Frau Annemie gemeinsam: auch sie hatte eine sehr fromme Mutter, die ihre Kinder auf eine solche Weise das Beten gelehrt hat, dass sie heute noch mit großer Liebe und Dankbarkeit davon erzählt.
Die Anfänge im Beruf
Nach dem Krieg absolvierte Leo Thiex seine Lehre zum Schreiner im Nachbarort Mettendorf und bestand mit Erfolg seine Gesellenprüfung. Die ersten Jahre seiner Berufslaufbahn übte er im angrenzenden Luxemburg aus, wo er Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen konnte. Lange Fussmärsche durch die Wälder hinüber ins Nachbarland standen auf der Tagesordnung.
Zu Beginn der 50er Jahre wurde er dann für kurze Zeit arbeitslos. Wie jede wichtige Entscheidung seines Lebens, legte er auch diese Situation in die Hände des lieben Gottes und pilgerte zusammen mit anderen Gläubigen auf Fußwallfahrt ins 75 km entfernte Klausen, wo er Kraft für neue Taten sammelte. Die Pilgerreise trug bald ihre Früchte: Leo Thiex fand eine neue Anstellung in Luxemburg und lernte kurz später seine zukünftige Frau Annemie Thommes kennen, die aus einer Schreinerfamilie abstammte und in Köln eine Haushaltslehre bei katholischen Schwestern absolviert hatte.
Einige Jahre später, das junge Paar war mittlerweile verheiratet, holte Leos Schwager ihn zu sich in den Betrieb, wo er sein Können bis 1961 einbrachte.
Der Beginn des Erfolges
Nach über 10 Jahren Berufserfahrung wollte Leo Thiex selbständig werden. 1962 eröffnete er die erste Werkstatt in seinem Heimatdorf Geichlingen, die der Grundstein für die wirtschaftlich bald sehr erfolgreiche Firma Thiex werden sollte. Es sprach sich herum, dass Leo Thiex' Schreinerei gute Qualität zu guten Preisen lieferte, und ein Auftrag nach dem anderen ereilte die Firma.
Nach weiteren 10 Jahren wurde die Werkstatt auf den heutigen Standpunkt verlegt. Eine wesentlich größere Fläche stand der Firma nun zur Verfügung. Fleiß und Klugheit des Firmenleiters erlaubten mehrere Male einen weiteren Ausbau des Möbelhauses.
1997 übergab er die Firmenleitung seinem Sohn Michael und dessen Frau Mechthild, der das Möbelhaus bis heute erfolgreich führt.
Dankbare Rückschau
„Wir“, - damit meint Leo Thiex sich und seine Frau, „sind unseren Eltern sehr dankbar, denn sie haben uns den Glauben vermittelt“. Diese Einstellung solle man auch den eigenen Kindern weitergeben. Es habe keinen Sonntag ohne heilige Messe gegeben, Engagement in der Pfarrei war stets selbstverständlich, ebenso das Teilen der Güter: das Spenden für wohltätige Zwecke sei ihm sehr wichtig.
Berührt hat mich auch folgende kleine Anekdote: beim täglichen Schwimmen im hauseigenen Swimmingpool bete er stets für all seine Mitarbeiter, dass ihnen nichts passiert. Tatsächlich hat es bis heute keine schlimmen Betriebsunfälle in der Firma Thiex gegeben. Auch die verstorbenen Mitarbeiter vergisst er nicht im Gebet.
Seinen Lebensabend verbringt Leo Thiex etwas ruhiger, hat mehr Zeit für die Familie. Sehr gerne hilft er seiner Frau in der Küche und schält Äpfel und Möhren. Leider habe er nie die Gelegenheit gehabt, Musik zu lernen, aber seine Mutter hätte früher viel gesungen. So singt auch er seit 50 Jahren im Kirchenchor. Zur Feder greift er ab und zu auch ganz gerne: „Mein Hobby ist dichten.“
Rückblickend sagt er: „Hätten wir den Herrgott nicht dabei gehabt, wären wir heute nicht da, wo wir sind.“