MusicMonday: Abendständchen

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Aus den „Eichendorff-Liedern op. 3“ stellte ich bereits vor einigen Wochen das Stück Wünschelrute vor. Während die anderen Teile dieses zwölfsätzigen Zyklus' tatsächlich nach der Lektüre des jeweiligen Gedichtes von Eichendorff entstanden, ist dies ein Schlafliedchen, das ich einige Jahre vorher, mit dreizehn, komponiert hatte. Ich sagte mir damals: „Das ist für die Kinder, die ich eines Tages haben werde.“ Das „Abendständchen“ ist also quasi antizipatorisch meinen beiden lieben Söhnen Antonio und Raphael gewidmet. Ich fand allerdings während der Komposition der Eichendorff-Lieder 1998 ein Gedicht, das mir sehr passend für das kleine Stückchen schien, und so nahm ich es kurzerhand als Nummer 5 in den Zyklus auf.

V. Abendständchen (aus "Eichendorff-Lieder op. 3") by davidianni

Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.

In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.

Schlingend sich an Bäum' und Zweigen,
In dein stilles Kämmerlein
Wie auf goldnen Leitern steigen
Diese Töne aus und ein.

Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.

Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.

Ach, den süßen Klang verführet
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloss und Wand ihn spüret
Träumend jedes schöne Kind.




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