Abt Karl Braunstorfer

P. Prof. DDr. Alkuin Schachenmayr OCist, der Postulator für das Seligsprechungsverfahren von Abt Karl, hielt vor einer Woche in Bochum-Stiepel einen wunderbaren Vortrag über diese leuchtende Gestalt des Zisterzienserordens. Kaum einer hat sich wohl so intensiv mit Abt Karl beschäftigt wie P. Alkuin, dessen Blog zur Cistercienserforschung ich an dieser Stelle auch wärmstens empfehlen möchte. Der Vortrag ist nicht nur höchst informativ, sondern spannend gehalten, mit manch lustigen, aber auch vielen bewegenden Exkursen. Den Vortrag kann man sich auf der Podcast-Seite des Klosters Stiepel anhören oder gleich unter diesem Link downloaden (mit Rechtsklick).
Wir sind herzlich dazu eingeladen, den Diener Gottes Abt Karl Braunstorfer als Fürsprecher im Himmel anrufen. P. Alkuin berichtet in seinem Vortrag auch von vielen Gebetserhörungen. Diese mögen bitte an ihn weitergeleitet werden!
GEBET
Gott, allmächtiger Vater, das Geheimnis des Kreuzes ist unsere Kraft, denn durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, wurde der Baum des Paradieses zum Baum des Heiles, indem du durch den Tod deines Sohnes am Kreuz die ganze Welt erlöst hast.
Dein Diener Abt Karl Braunstorfer hat sein Leben unter dieses Geheimnis des Kreuzes gestellt. Er wollte in seinem Leben und seinem Dienst nichts anderes sein, als ein Freund, ein Diener und Bote des Kreuzes. Ich bitte Dich: Lass auch mich Freund, Diener und Bote des Kreuzes sein, bereit, mein ganzes Leben unter dieses Geheimnis zu stellen.
Du kennst die Kreuze, die mich belasten, du allein kennst alle meine Anliegen... in denen ich auf die Fürsprache von Abt Karl dich um Erhörung bitte.
Gewähre, Herr, dass dein Heiliges Kreuz mir in diesem Leben Trost und Zuversicht, Kraft und Stärke, Freude und Hoffnung gebe, damit ich dieses Kreuz in der Ewigkeit schauen darf als leuchtendes Zeichen des Sieges. Amen.
MusicMonday: Das Leben

Das Musikstück im Video ist eine einfache Komposition namens „Le Petit Prince op. 6“, inspiriert durch die gleichnamige Erzählung von Saint-Exupéry. Anschließend erklingt aus den mehrfach hier vorgestellten Eichendorff-Liedern op. 3 (Wünschelrute & Abendständchen) das „Kirchenlied“ (ein marianisches Gedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff), aus dem ich später ein Chorfassung mit dem Text des „Ave Maria“ erstellt habe. Da es nicht ganz ins Video passt, könnt ihr euch weiter unterhalb des Videos beide Versionen vollständig anhören.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf eine aktuelle UN-Petition des Catholic Family & Human Rights Institute aufmerksam machen, so wie auf das unterstützenswerte Projekt 1000+.
Kirchenlied (Ave Maria) - Klavierfassung:
XII. Kirchenlied (aus „Eichendorff-Lieder op. 3“) by davidianni
Ave Maria - Chorfassung:
Ave Maria op. 48 by davidianni
Es singt der luxemburgische Chor „Madrigal de Luxembourg“ unter der Leitung von Carlo Hommel.
Schlussgebet der Enzyklika Evangelium vitæ von Papst Johannes Paul II.
O Maria,
Morgenröte der neuen Welt,
Mutter der Lebendigen,
Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an:
o Mutter, blicke auf die grenzenlose Zahl
von Kindern, denen verwehrt wird,
geboren zu werden,
von Armen, die es schwer haben zu leben,
von Männern und Frauen,
die Opfer unmenschlicher Gewalt wurden,
von Alten und Kranken,
die aus Gleichgültigkeit
oder angeblichem Mitleid getötet wurden.
Bewirke, daß alle,
die an deinen Sohn glauben,
den Menschen unserer Zeit
mit Freimut und Liebe
das Evangelium vom Leben verkünden können.
Vermittle ihnen die Gnade, es anzunehmen
als je neues Geschenk
die Freude, es über ihr ganzes Dasein hinweg
in Dankbarkeit zu feiern,
und den Mut, es mit mühseliger Ausdauer
zu bezeugen,
um zusammen mit allen Menschen
guten Willens
die Zivilisation der Wahrheit und der Liebe
zu errichten,
zum Lob und zur Herrlichkeit Gottes,
des Schöpfers und Freundes des Lebens.
Blog aus Vietnam

Echo Klassik Musikpreis für Heiligenkreuz

Die Klaviertreppe

Sehr hilfreich bei guten Vorsätzen ist es, wenn sie auf irgendeine Weise Spaß machen. Hier ist z.B. eine Möglichkeit, wie man die Leute dazu bringen kann, die Treppe zu nehmen anstatt sich gemütlich auf die Rolltreppe zu stellen:
Von der Feministin zur Katholikin

MusicMonday: Abendständchen

V. Abendständchen (aus "Eichendorff-Lieder op. 3") by davidianni
Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.
In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.
Schlingend sich an Bäum' und Zweigen,
In dein stilles Kämmerlein
Wie auf goldnen Leitern steigen
Diese Töne aus und ein.
Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.
Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.
Ach, den süßen Klang verführet
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloss und Wand ihn spüret
Träumend jedes schöne Kind.
Zu Chopins 160. Todestag

Wer sich ein wenig Zeit nimmt, um sich die folgenden Musikstücke von Chopin anzuhören, wird reich beschenkt werden!
Zunächst wollen wir die „Berceuse op. 57“ hören. Ursprünglich nannte Chopin die Komposition „Variations“, doch der Titel, der für die Veröffentlichung gewählt wurde, trifft es gut, wenn nicht besser. Chopin entlockt dem Klavier die Töne einer Spieluhr, aber einer Spieluhr, wie wir sie noch nie gehört haben. Es spielt der legendäre Arturo Benedetti Michelangeli:
Nach solch einer Schönheit wird das Herz des Hörers allerdings schneller schlagen. Wer könnte nach diesen perlenden Klängen des Himmels gleich einschlafen und wollte nicht noch mehr hören?
Darum: hören wir den berühmten Walzer in cis-Moll op. 64 Nr. 2, gespielt von Artur Rubinstein, einem der großartigsten Chopin-Interpreten des 20. Jahrhunderts:
Als drittes Beispiel für die göttliche Kunst Frédéric Chopins habe ich den langsamen Satz aus seinem Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11 ausgewählt. Die Passage in H-Dur bei 1'45'' gehört für mich zu den schönsten der gesamten Klavierliteratur. Wunderbarer Interpret des Konzerts ist Dinu Lipatti, über den ich in einem anderen Blogbeitrag bereits geschrieben habe.
Frédéric Chopin war übrigens ein frommer Katholik. Franz Liszt, der mit ihm befreundet war, sagte dass Chopin ein „Mann des Gebets“ war. Obwohl er stark im Katholizismus verwurzelt gewesen sei, habe er nie offen über dieses Thema gesprochen. Wer mehr über den Glauben von Chopin (und anderen großen Komponisten) wissen möchte, dem sei das Buch „The Spiritual Lives of the Great Composers“ wärmstens empfohlen. Auf Google Books kann man darin stöbern.
Café & Gott
Der Künstlermönch von Heiligenkreuz

Mich persönlich berührt es, wenn sich künstlerisches Talent und Glaube in einem Menschen so sehr ergänzen. Leider ist dies in unserer Zeit eher selten der Fall. P. Raphaels Geschichte bezeugt, wie ein Talent zu neuer Blüte gelangen kann, wenn man es ganz in Gottes Hände zurücklegt, bereit auf den Willen Gottes zu hören.
Bei einem Klostereintritt muss man sich von vielem trennen. P. Raphael hatte auch von seiner Kunst Abschied genommen und kam nicht - wie man vielleicht vermuten könnte - nach Heiligenkreuz mit der Bitte, weiter als Künstler aktiv sein zu dürfen. Er wollte Gott als Mönch dienen, nicht mehr und nicht weniger. Über Außenstehende wurde der Abt erst eine Weile nach seinem Eintritt auf die Arbeiten von P. Raphael hingewiesen. Ab diesem Zeitpunkt darf der „Künstlermönch“, wie er mittlerweile auch genannt wird, in „evangelischem Gehorsam“ neue und prächtigere Kunstwerke zur Ehre Gottes erschaffen. Das Stift Heiligenkreuz hat eine Seite mit vielen Fotos der Skulpturen, Bilder und sonstigen Schöpfungen von P. Raphael eingerichtet.
Hier nun das Interview (man beachte, dass es nicht aktuell ist, und daher manche Projekte, über die er spricht, bereits abgeschlossen sind):
KATH.NET: Wurden Ihre Werke von Anfang an von religiösen Motiven inspiriert?
Fr. Raphael Statt: Nein, das hat sich erst in den letzten sieben Jahren vor meinem Klostereintritt im Jahre 2004 dorthin entwickelt. Ausgelöst durch die Eindrücke des furchtbaren Krieges in Jugoslawien hat sich diese religiöse Thematik an meiner Pietà erst herauskristallisiert. Dieses Werk war sozusagen mein Einstieg in die sakrale Kunst.
KATH.NET: Hat diese Arbeit Ihre Beziehung zur Muttergottes vertieft?
Fr. Raphael Statt: Ja, schon, doch ein wirklich tieferes Verhältnis zur Muttergottes habe ich später durch meinen Aufenthalt in Medjugorje bekommen. Man kann allerdings sagen, dass seit der Entstehung der Pietà meine Liebe zur Kirche als meine Heimat stärker gewachsen ist.
KATH.NET: Wie haben Sie zu Ihrer Berufung als Mönch gefunden?
Fr. Raphael Statt: Als Kind hatte ich schon eine starke Zuneigung zu den Ordensgemeinschaften unserer Kirche. Ich selber komme aus einer lebendigen Kirchengemeinde bei Berlin. Einen indirekten Berufungsimpuls löste jedoch meine zweite Pietà aus, die der Abt der Prämonstratenser aus Duisburg - Hamborn in seiner Abtei ausstellen wollte. Aus diesem Anlass war ich eine Woche Gast des Konvents, wo ich das tägliche Chorgebet mit den Chorherren mitgebetet habe. Während die Psalmen gebetet wurden, ist in mir eine starke Sehnsucht und die Liebe zu Gott und zum immerwährenden Chorgebet entfacht worden. Das hatte zur Folge, dass ich daraufhin in zwei - drei verschiedenen Klöstern „Kloster auf Zeit“ machte. Als ich dann das Stift Heiligenkreuz kennenlernte, wuchs in mir die Gewissheit, dass mich Gott in seine Nachfolge gerufen hatte.
KATH.NET: Wie ließ sich Ihre Kunst mit Ihrer Berufung als Mönch kombinieren?
Fr. Raphael Statt: Ich hatte bei meinem Eintritt ins Kloster Heiligenkreuz mit meiner künstlerischen Arbeit so gut wie abgeschlossen. Meine Berufung als Mönch habe ich über meine Berufung als Künstler gestellt, und ich bin hier, um dem Herrn als Zisterziensermönch in Gebet und Arbeit zu dienen. Aber bereits nach Vollendung meiner Noviziatszeit ergab sich die Notwendigkeit, mein künstlerisches Talent wieder einzusetzen, diesmal für das Kloster.
KATH.NET: Hat sich Ihre Kunst durch das Mönchsein verändert?
Fr. Raphael Statt: Nein, ich glaube noch nicht direkt, dazu bin ich erst zu kurz wieder in meiner künstlerischen Arbeit. Doch ich erfahre schon jetzt am Beispiel meiner derzeitigen Arbeit, dass sich mein künstlerisches Betätigungsfeld sehr erweitert. Auch bewege ich mich im benediktinischen Spannungsfeld zwischen täglichem Chorgebet und künstlerischer Arbeit. Das tägliche Chorgebet sehe ich als wichtige Grundlage für all mein Tun.
KATH.NET: Was ist der Hintergrund Ihrer momentanen Arbeit?
Fr. Raphael Statt: Der Prior unseres Priorats in Bochum-Stiepel hat mich vor ungefähr zwei Jahren gebeten, für die dortige Kirche Entwurfs- und Ideenskizzen zur Erweiterung des Altarraumes anzufertigen. Der Altarraum sollte erweitert werden, um eine verbesserte Aufstellungsmöglichkeit für das nunmehr zu klein gewordene Chorgestühl zu finden. Bei der Weiterentwicklung und Umsetzung meiner Gestaltungsidee durch den dortigen Architekten (Herrn Hedtfeld) war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich auch mit der Aufgabe betraut wurde, für diese Kirche ein neues Chorgestühl zu entwerfen. Hinzu kam dann der Wunsch des Priors und seines Klosterkonvents, mir auch noch die Gestaltung der zwei vorgesehenen neuen Glasfenster für die neu entstandenen Chorstallenräume, die sich jetzt links und rechts des Altarraumes befinden, anzuvertrauen. Es war die Idee des Priors, P. Maximilian, die beiden Christusbildnisse, das Grabtuch von Turin und das Volto Santo, als Motiv für die neuen Fenster zu nehmen. Das neue Chorgestühl, sowie auch der von mir entworfene Doppel-Ambo, ein Priestersitz und die Sedilien werden im Moment angefertigt. Alle gestalteten Einrichtungsgegenstände müssen in harmonischer Weise miteinander korrespondieren und eine gestalterische Einheit in dem neu umgebauten Kirchenraum ergeben. Denn es ist wichtig, dass sie die liturgischen Handlungen durch ihre Ausstrahlungskraft sowie durch ihre gute Funktionalität fördern. Bei meiner Gestaltungsarbeit an dem neuen Chorgestühl konnte ich spüren, dass es von großem Vorteil ist, dass ich selber täglich im Chorgestühl den Lobpreis Gottes verrichte und dass ich sehr gut weiß, worauf es für den praktischen Gebrauch ankommt. Dadurch habe ich die Möglichkeit, meine praktische Erfahrung in die künstlerische Gestaltung mit einfließen zu lassen. Die gesamte Kirchengestaltung ist ja zur Verherrlichung Gottes gedacht. Und das ist etwas Wunderbares.
KATH.NET: Wann werden die Arbeiten abgeschlossen sein?
Fr. Raphael Statt: Am Pfingstsonntagabend, dem 27. Mai (2007), wird Abt Gregor Henckel Donnersmarck den neu gestalteten Altar- und Chorraum mit dem neuen Chorgestühl und den Christusfenstern im Rahmen einer festlichen Pontifikalvesper einweihen.
KATH.NET: War Ihnen das Volto Santo schon vor Ihrer Arbeit an den Glasfenstern für das Zisterzienserkloster in Stiepel ein Begriff?
Fr. Raphael Statt: Ja, ich habe im Noviziat das Buch von Paul Badde über das Muschelseidentuch mit großem Interesse gelesen. Ich war danach auch zu Exerzitien in Manoppello. So habe ich meinen guten Eindruck durch das heilige Antlitz in Manoppello noch vertiefen können und auch wertvolle Glaubensimpulse auf meinem Weg geschenkt bekommen.
KATH.NET: Glauben Sie an die Echtheit des Bildes von Manoppello?
Fr. Raphael Statt: Ja, ich glaube an die Echtheit und Authentizität dieses Christusbildes. Es war für mich ein starkes Erlebnis, bei den Vorträgen von Schwester Blandina, einer Ordensfrau, die sich schon seit einigen Jahren in ihren Forschungen mit diesem Bildnis befasst, zu sehen, wie die beiden Christusbildnisse von Turin und Manoppello übereinander gelegt eine perfekte Übereinstimmung der jeweiligen Konturen und Verwundungen ergeben. So etwas kann man nicht fälschen. Gewisse Dinge kann man nicht durch Worte klären, man erfährt sie einfach im Gebet.
KATH.NET: Wie definieren Sie Ihre Aufgabe als Künstler?
Fr. Raphael Statt: Durch das Gestalten der Glasfenster mache ich mich gewissermaßen auf zu Christus, unserem Herrn, der sich in authentischer Weise auch im Grabtuch von Turin und im Volto Santo offenbart. Gemäß dem Wort aus dem Psalm 95 „Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern!“ bin ich mit meiner Gestaltung der Christusfenster auch ein Stück weit unterwegs zu Gott. Ich verstehe mich als Mönch, der sein Leben lang Gott sucht, und ich bin dankbar für diesen Auftrag, in den ich all meine Liebe und mein Talent hineinlege, wobei ich bemüht bin, diese Arbeit verstärkt auf das Fundament des Gebetes zu stellen. Hier ist mir der berühmte Fra Angelico, ein Dominikanermönch und Künstler aus dem 14./15. Jahrhundert, ein großes Vorbild. Er hat sein künstlerisches Charisma mit einer überzeugenden Christusnachfolge verbunden. Und so sind für mich auch christliche Kunstwerke ein Gebet. Ich sehe mich als Künstler, der durch seine Arbeit auch ein Verkündigungsapostolat wahrnimmt.
KATH.NET: Vielen Dank für das Gespräch.
Wenn beginnt das menschliche Leben?
Todestag des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll

„Die gotischen Räume der französischen Kathedralen wusste er mit romantischen Klängen zu füllen: Der aus dem südfranzösischen Montpellier stammende Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll. Als er heute vor 110 Jahren in Paris starb, hatte er die französische romantische Orgel als Typ etabliert und seine Instrumente nach Spanien, den Niederlanden, England, Russland und Brasilien exportiert. Die gesamte sinfonische französische Orgelmusik von Komponisten wie César Franck, Charles-Marie Widor oder Louis Vierne ist ohne die Instrumente von Cavaillé-Coll nicht denkbar.“ © WDR 2009
Aus den WDR Zeitzeichen.
MusicMonday: Ballade Nr. 3 op. 78

Die dritte Ballade ist Liebeslied und Gebet zugleich. Ich komponierte sie im Mai 2005 für meine Angebetete, die jedoch immer noch Klosterpläne hegte (s. Love Story 2) und mir recht wenig Grund zur Hoffnung gab. Zur gleichen Zeit hatte die Lebensschutzorganisation Jugend für das Leben mich gebeten, ein Benefizkonzert in Wien zu spielen. Dieser Bitte bin ich wegen der unterstützenswerten Sache natürlich gerne nachgekommen. Ich freute mich jedoch auch besonders, dass Martina im Publikum sitzen würde, denn ich wollte hier meine neueste Komposition uraufführen und sie damit überraschen und davon überzeugen, dass ich „die richtige Wahl“ für sie sei. Nach dem Konzert zerplatzten erst einmal all meine Hoffnungen, so leicht war Martina nicht umzustimmen. Da half auch die schönste Musik nichts. Oder doch? Ich denke, die Wirkung zeigte sich dann doch wohl langfristig, schließlich heirateten wir anderthalb Jahre später…
Die Aufnahme des Stückes stammt vom Benefizkonzert (30. Mai 2005) und ist leider nicht von bester Qualität. Auch der Flügel war nicht in guter Verfassung. Doch authentisch ist die Aufnahme auf jeden Fall. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, mit wieviel Herzblut ich das Stück in jenem Konzert spielte!
Die Musik
Das Hauptthema wird aus zwei Noten abgeleitet: B-G. Der kleine Terzsprung ist hier allerdings mehr als ein Kuckucksruf. Von ihren österreichischen Freunden wurde Martina „BG“ – Abkürzung für „Bayern Girl“ – gerufen, freilich auf englisch ausgesprochen. „O“, dachte sich der Verliebte, „das ist ein Motiv!“, und machte sich an die Arbeit:
Ballade Nr. 3 op. 78 by davidianni
Abschnitt I. Nachdem das Thema erklungen ist, wird es von der linken Hand gespielt, während die rechte ein neues Motiv im Kontrapunkt dazu spielt (0'20''). Dieses Motiv könnten wir als „Josefsthema“ bezeichnen, da es als Anrufung an den hl. Josef gedacht ist. (Anm.: alle Themen der dritten Ballade basieren auf Worten, Gebeten oder Liebeserklärungen. Natürlich sollen nicht alle hier offenbart werden, da sie allein der Widmungsträgerin zugeeignet sind.) Das schöne Thema wird weitergesponnen und in immer neuen Varianten gespielt, mal sehnsuchtsvoll und zurückhaltend, dann leidenschaftlich und fordernd. Bei 2'12'' wird der hl. Josef wieder um seine Fürsprache gebeten. Es kommt zu einer ersten Gebetserhörung: das Thema erscheint über den fließenden, absteigenden Noten der linken Hand sanftmütiger als zuvor (2'45'') und leitet über in ein neues Thema, das den zweiten Abschnitt der Komposition einläutet.
Abschnitt II. Es ist das „Hochzeitsthema“, denn es basiert auf einem wunderbaren Hochzeitsgedicht einer befreundeten Dichterin (ja, ich habe alle Mittel in dieser Komposition angewendet, um meiner Vision Ausdruck zu verleihen!). In der linken Hand werden immer wieder Abwandlungen des BG-Motivs gespielt. Etwas später, bei 4'40'', erreicht das Stück einen emotionalen Höhepunkt: die linke Hand spielt in vollen Akkorden ein neues Thema, und zwar ein Gebet an die Heilige Familie („Jesus, Maria, Josef, erleuchtet uns, helfet uns, rettet uns“). In der rechten Hand erklingt gleichzeitig das jubilierende Hochzeitsthema, das in Oktavläufen zum Josefsthema überleitet, das nun das Gebet an die Heilige Familie umspielt (5'04''). Die Emotionen legen sich nach und nach wieder, Besinnung kehrt ein. Ein weiteres Thema gesellt sich hinzu: das „Ave Maria“ der Missa Amicorum, das vertrauensvoll im Diskant angestimmt wird (5'37''). Während das Ave Maria andächtig gebetet wird, erscheinen in der Mittelstimme Fragmente aller bisher erklungenen Themen. In der Unterstimme kann man verhaltene „BG“-Rufe hören.
Abschnitt III. In dieser entrückten Stimmung kehrt bei 7'30'' das Hauptthema in seiner ursprünglichen Form zurück und der dritte, abschließende Teil wird eingeleitet. Mit einem Melodiefragment des Hochzeitsthemas steigt die Musik in die Höhe auf einen lichten D-Dur-Akkord (8'20''). Von dort erklingt der BG-Ruf wehmütig hinunter. Auch eine getrübte Version des „Ave Maria“ wird kurz angestimmt (8'37''). Das Josefsthema kippt die Stimmung, reißt uns aus diesem Anflug von Melancholie heraus (8'53'') und führt uns in eine entfernte Tonart, in der das BG-Motiv unzählige Male im Kanon ertönt (9'08''). In den Schlusstakten (ab 9'29'') erscheinen das „Ave Maria“ (links) und das Gebet an die Heilige Familie (rechts) ein letztes Mal und führen friedvoll zu den beiden Schlussakkorden.
Hier geht's zur ersten Ballade und zur zweiten Ballade.
Marianische Impulse zum Rosenkranzmonat

P.S.: Verwandte Artikel finden sich unter den Schlagwörtern (Tags) Maria und Rosenkranz. Siehe außerdem die Betrachtung „Die Waffe des Christen“ zum Rosenkranzmonat!
Antonios Abendgebet

Jeden Abend entwickelt sich das Beten zu einem kleinen Abenteuer, auf das Antonio und natürlich auch sein Papa sich freuen. Beispielsweise hat Antonio an diesem Abend großen Spaß mit dem ersten Vers, „bevor ich mich zur Ruh begeb“, das ihn – so vermute ich wenigstens – klanglich an den „Gruben“ aus „Hoppe Reiter“ erinnert. Etwas später jammert er ein wenig über seine verstopfte Nase, um sich aber umgehend wieder ganz auf das Ritual einzulassen, das ihn Abends immer (meistens…) ganz friedlich werden lässt. Etwas später reißt ihn plötzlich ein Heißhunger aus dem Gebet. Doch auch den vergisst er schnell wieder. Nach dem „Amen“ wird eine kurze Geschichte erzählt oder wir kucken hüpfende Schafe auf dem iPod. Noch ein bisschen kuscheln, und schon hat der Schlaf das müde Kindlein eingeholt…
Antonios Abendgebet by davidianni
MusicMonday: Ballade Nr. 2 op. 64

Hintergrund
Die „Ballade Nr. 2 op. 64“ gehört zu einem Kapitel meines Lebens, das mir mittlerweile sehr fremd ist, aber dennoch untrennbar zu meinem Werdegang gehört. Wie bereits in der Geschichte meiner Bekehrung erwähnt, setzte ich mich eine Zeit lang intensiv mit fernöstlichen Philosophien und Meditationspraktiken auseinander. Daraus resultierte u.a. das Klavierstück op. 5 mit dem ketzerischen Titel „Mantrische Messe“ sowie einige andere Kompositionen aus den Jahren zwischen 1998 und 2001.
Ich hegte damals eine Vorliebe für hinduistische und buddhistische Mantren, besonders für das tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“. Stundenlang rezitierte ich dieses buddhistische Gebet, freilich ohne nennenswerte Früchte, außer einem wohligen Eingelulltsein, das sich nach etlichen Wiederholungen der Silben bei mir einstellte. Wie fast alle Dinge, die in meinem Leben eine gewisse Rolle spielten, floss auch diese Erfahrung in meine Musik hinein, indem ich um das Jahr 1999 einen Kanon über das Mantra komponierte. Dieser Kanon erfreute sich sogar bald einer gewissen Beliebtheit in esoterischen Kreisen und erfuhr eine weitere Verbreitung durch die Aufnahme mit dem Obertonsänger Christian Bollmann und dessen „Obertonchor Düsseldorf“, mit denen ich im Jahr 2000 eine ausgedehnte Improvisation über das Thema in mehreren Konzerten zur Aufführung brachte.
Das Potential der schlichten Melodie schien mir nach diesen Erfahrungen noch nicht ausgeschöpft und ich begann mit der Komposition eines komplexeren Klavierstückes, das zugunsten einer strengen Form und Kompositionstechnik frei von improvisatorischen Momenten sein sollte. Daraus entstand die zweite Ballade. Einige Jahre später, nach meiner Bekehrung zum katholischen Glauben, durfte ich glücklich feststellen, dass der Kanon sich wunderbar mit den Worten des „Kyrie/Christe eleison“ unterlegen lässt. Obwohl ich jegliches Rezitieren von Mantras über Bord geworfen habe, konnte ich so diese Melodie, die mir sehr wertvoll ist, für meine Kompositionen und sogar für die Liturgie (in Form der „Missa Amicorum op. 80“) beibehalten.
Ballade Nr. 2 op. 64 by davidianni
Analyse
Die zehnminütige Komposition basiert ausschließlich auf 2 Elementen, einem Begleitmotiv und dem Hauptthema.
Abschnitt I. Auf einer langen Pedalnote wird das Gegenmotiv zum Hauptthema in einer kurzen Introduktion eingeführt, noch bevor das Thema des Kanons in Erscheinung tritt:

Das Motiv – nennen wir es „Quartmotiv“, da es sich aus Quarten zusammensetzt – sinkt in den nächsten Takten um jeweils einen Ton, bis es schließlich ab Takt 5 (0’33’’) ohne Unterbrechung wie ein unaufhaltsamer Motor das Stück in Gang setzt und sobald nicht mehr verschwinden wird. Bei 0’46’’ erklingt nun feierlich das Hauptthema:

Es wird viermal wiederholt, wobei nach und nach eine große Steigerung durch verschiedene Techniken stattfindet: die Melodie wird oktaviert (beim 2. Mal, ab 1'15''), später in vollen Akkorden gespielt; der Bass schreitet in Gegenbewegung zum Quartmotiv (das langsam aufsteigt und anschließend wieder sinkt) in Sekundschritten nach unten, um auf der VI. Stufe, dem Des, einen lang anhaltenden Orgelpunkt zu erreichen (2'07''), während das Quartmotiv durch Quinten angereichert den Klang zusätzlich verstärkt. Beim letzten der ersten 4 Wiederholungen des Themas (2'31'') ist die Klangmasse wieder abgeebbt, und Thema und Gegenmotiv ertönen erneut einstimmig. Zum Ausklang dieses ersten Abschnittes wird das Quartmotiv unmerklich verdoppelt und in beiden Händen gespielt (2’56’’) – fast so, als würde man doppelt sehen: das Motiv tritt quasi aus sich heraus, um etwas später (3’07’’) mit den Obertönen des tiefen, vorherrschenden Quartmotivs zu verschmelzen und wieder zu verschwinden.
Abschnitt II. Nun ertönt in halbem Tempo das Thema in gewichtigen Bassoktaven (3'19''). Darüber klimmt das Quartmotiv von neuem stetig nach oben. Eine Duodezime höher angelangt, mischt sich bei 4'03'' eine fließende Achtelbewegung in Sekundschritten dazu (abgeleitet aus dem Schluss des Kanons), die sich auf der modalen Tonleiter nach oben schraubt. „Quartmotiv“ und „Achtelbewegung“ laufen sich entgegen, bis sie quasi ineinanderfallen (4'23''). In dieses Kreisen werden die Anfangstöne des Themas noch einmal zart hineingetupft (4'33''), bevor das Quartmotiv wieder dupliziert wird, sich verlangsamt und endlich zueinanderfindet bei 4'58'': hier spielen beide Hände einstimmig auf den gleichen Tasten!
Wir haben den Gipfel des Stücks erreicht (5'07''): Die Verengung des Kanons in lichter Höhe wird in fast zerbrechlich wirkenden Quinten gespielt. Es gibt kein begleitendes Quartmotiv mehr in Achtelnoten, das für ein gewisses Vorwärtsdrängen der Zeit sorgen würde. Die Zeit scheint zum Stillstand gekommen zu sein. – Auf diesen Hauch von Ewigkeit muss unweigerlich ein Abstieg und ein „Wiedereintritt in die Zeit“ erfolgen, was jetzt durch das wiedereinsetzende Quartmotiv in harmonischer Weise passiert (5'38''). Das Quartmotiv erscheint zeitlich leicht versetzt in beiden Händen (wie eben der Kanon) und bewegt sich in seinem je eigenen Rhythmus in aller Ruhe nach unten, bis…
Abschnitt III. …das Quartmotiv in seiner ursprünglichen Gestalt bei 6'32'' wiederkehrt und die Reprise einleitet. Das Thema erscheint genau wie zu Anfang, doch bemerkt man, dass sich das Thema bei 7'28'' aus dem Bass herauskristallisiert, nur wesentlich langsamer als das Thema im Diskant. Es wird auch nicht zu Ende geführt, sondern erreicht den Grundton wieder (bei 7'45'') und verwandelt sich in eine Begleitfigur (eine Abwandlung des Quartmotivs), die das Thema umspielt, indem sie sich über die ganze Tastatur bis zum höchsten Ton erstreckt, um schlussendlich wieder auf dem tiefen F im Bass zu landen, das den Kanon ein letztes Mal in einer weiteren Metamorphose anstimmt (8'13''). Auch an dieser Stelle gibt es keine Achtelbewegung mehr, nur noch den bedächtigen Puls des Themas. Hier offenbart sich der Kanon in seiner vierstimmig angelegten Polyphonie. Da sich die vier Stimmen nicht von zwei Händen allein spielen lassen, musste ich mich eines ungewöhnlichen Mittels bedienen: dem Hinzufügen der eigenen Stimme. Der vierte Einsatz wird jetzt also vom Solisten gesungen (8'51''). Auf dieser Aufnahme, die von der Uraufführung 2001 stammt, hört ihr das zu Eingang zitierte Mantra in all seiner Pracht… Zugegeben, diese Takte sind mir etwas unangenehm, aber ich wollte sie euch nicht vorenthalten. Nachdem wir diese peinliche Stelle überstanden haben, läuft der Kanon mit seinem Schlussmotiv, das sich noch ein paarmal wiederholt, aus (9'32''). Das Quartmotiv erklingt ein letztes Mal, fast wie zu Beginn, nur langsamer und über zwei Oktaven verdoppelt. Am Schluss löst es sich sozusagen in seine Einzeltöne auf und verklingt auf dem höchsten C der Klaviatur.
Blogzuwachs

Hier eine ganz kurze Vorstellung neuer Blogs, die mir besonders positiv aufgefallen sind:
Herzlich begrüßen möchte ich zunächst Christian mit seinem Blog „Geist und Feuer“, dem Autor des tiefsinnigen, sehr lesenswerten Gastbeitrags über „Esoterik und katholischer Glaube“, der hier auf Gott sei Dank! vor ein paar Monaten veröffentlicht wurde.
Als Musiker spricht mich Caecilia - Notizen zur katholischen Kirchenmusik natürlich sehr an.
Besonders gut gefällt mir auch Conservare, ebenso Benitas Literatur und Leben, das seit einiger Zeit eine neue Adresse hat.
Erst kürzlich entdeckt habe ich Sancta Crux, dessen Autor wohl innige Bande zum Stift Heiligenkreuz pflegt. In diesem Zusammenhang bin ich auch auf Cisterciansa gestoßen, das, wie der Name schon sagt, zisterziensisch angehaucht ist. Prof. P. DDr. Alkuin Schachenmayr, Zisterzienser aus Heiligenkreuz, bloggt für das Forschungsinstitut EUCist.
Auch nicht wirklich neu, aber eben erst gefunden habe ich das Blog Bet4mi. Ziemlich jung scheint allerdings Miserere Mei zu sein, genau so Sankt Irenäus, bitte für uns.
Allen Bloggerkollegen und Glaubensgeschwistern von dieser Stelle aus herzliche Grüße und Gottes Segen!
P.S.: Wer sich noch nicht auf meiner Linkliste findet und dort verlinkt werden möchte, kann mir eine kurze Nachricht über das Kontaktformular hinterlassen. Vielen Dank.