Jul 2009
Urlaub!
31/07/09 18:42 Kategorie: Privat

Zur Verdeutlichung stelle ich euch eine kurze Aufnahme von Antonio vor (gerade 2 geworden), wie er – Gustavo Dudamel beobachtend – den 2. Satz aus Schostakowitschs 10. Symphonie dirigiert. Mein Sohn hat Temperament. Allein das Zuschauen kann anstrengend sein.
Gott sei Dank ist Antonios kleiner Bruder Raphael sehr, wirklich sehr viel ruhiger. Die Situation ist für die Eltern also noch zu meistern. Der kleine Schatz krabbelt übrigens unten neben dem Dirigenten und taucht im Video auch mal kurz auf, fällt aber im Gegensatz zu Antonio kaum auf. Auch ein wilder Schostakowitsch hindert ihn nicht daran, seelenruhig mit seinen Bauklötzen weiter zu spielen.
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Zum Todestag von Vivaldi und Bach
28/07/09 16:44 Kategorie: Musik
Sowohl Johann Sebastian Bach (1685-1750) als auch Antonio Vivaldi (1678-1741) sind am 28. Juli gestorben. Grund genug, um auf eine wichtige Beziehung (außer dem gemeinsamen Todestag) hinzuweisen: beide Komponisten kannten sich zwar nicht persönlich, jedoch hat J.S. Bach Vivaldis Werke so hoch geschätzt, dass er fast ein Dutzend von dessen Solo-Konzerten während seiner Weimarer Zeit (1708-1717) für andere Besetzungen umgeschrieben hat.
Hier ein schönes Beispiel. Das Original von Antonio Vivaldi (Estro Armonico op. 3 Nr. 10, Konzert für 4 Violinen, erster Satz):
Und nun die Transkription von Johann Sebastian Bach (Konzert für 4 Cembali BWV 1065, erster Satz):
Hier ein schönes Beispiel. Das Original von Antonio Vivaldi (Estro Armonico op. 3 Nr. 10, Konzert für 4 Violinen, erster Satz):
Und nun die Transkription von Johann Sebastian Bach (Konzert für 4 Cembali BWV 1065, erster Satz):
Katholisch normal
27/07/09 13:46 Kategorie: Heiteres
Love Story - Teil 3
26/07/09 11:43 Kategorie: Lehrreiches

Als wir vor knapp drei Jahren heirateten, hörte ich manch gut gemeinten Rat von älteren, „erfahreneren“ Bekannten, die mich davor warnten, dass a) mein überzeugter Katholizismus und b) die Liebe zu Martina nicht ewig andauern würden, und dass es keine Garantie gäbe, dass nicht auch unsere Ehe eines Tages in der Scheidung enden würde.
Oberflächlich betrachtet sind diese Befürchtungen durchaus realistisch. Immerhin ist die aktuelle Scheidungsrate alles andere als ein Beispiel für glückliche Beziehungen. All diese Paare, von denen jeder von uns sicher einige kennt, haben sich irgendwann doch auch geliebt, oder? Oder war es vielleicht keine wahre Liebe? Oder hat das Scheitern zahlloser Ehen in unserer Zeit andere Ursachen? Wieso „nimmt die Liebe ab“ und die Streitereien überhand und weshalb kann man dagegen anscheinend so wenig tun?
Ich bin kein Eheberater (eigentlich bin ich Pianist und Komponist, auch wenn man das aus meinem Blog kaum herausliest), führe vielleicht auch nicht die perfekte Ehe (was auch immer man darunter verstehen mag), aber – und das ist das Entscheidende – ich bin glücklich mit meiner Frau. Natürlich liegt das daran, dass sie ein lieber Mensch ist, dass sie klug, reif und verständnisvoll und unkompliziert ist. Ich könnte die Liste beliebig erweitern. Doch es handelt sich hier lediglich um Eigenschaften, die eben nur einen Teil des Eheglücks ausmachen. Schließlich gibt es bei jedem Menschen auch weniger angenehme Seiten, die man weder bei sich und schon gar nicht bei anderen jemals ganz los wird. Also muss die Liebe zum Partner so grenzenlos sein, dass dieser sich immer geliebt weiß, auch bei Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten. Denn sogar der verhärtetste Mensch hat in seinem Innern das tiefe Grundbedürfnis, bedingungslos geliebt und angenommen zu werden.
Doch wie kann diese Sehnsucht erfüllt werden und wie kann die Liebe zwischen zwei Menschen von Dauer sein, wenn:
- in einer Partnerschaft eine Hintertür geöffnet bleibt, die einem erlaubt, jederzeit aus der Beziehung zu flüchten und seine Liebe dem Partner zu entziehen?
- das Gut des anderen nicht über dem eigenen Gut steht, wenn man nicht gelernt hat, uneigennützig zu lieben?
- wenn nicht ein größeres, gemeinsames Ziel angestrebt wird?
1. Beginnen wir mit Punkt 1, der Hintertür. Einen Hinterausgang – und ich beschreibe im folgenden den Idealfall aus katholischer Sicht – hat man in der Phase der Prüfung, nämlich dann, wenn man sich auf eine Beziehung einlässt, um sich und den Partner besser kennen- und einschätzen zu lernen und die Freundschaft im Laufe einer gewissen (nicht über die Jahre ausufernden) Zeit auf ihre Standfestigkeit hin zu überprüfen. Bleibt der Wunsch bestehen, sein ganzes Leben mit diesem Menschen zu teilen, konkretisiert man diese Bereitschaft durch den Akt der Verlobung. Bis zur Eheschließung lässt man sich immer noch die Möglichkeit offen, sich aus Gründen der Klugheit und Einsicht zurückzuziehen und auf getrennten Wegen weiterzugehen. Mann und Frau haben sich zu diesem Zeitpunkt weder das ewige Ja in der Kirche vor Gottes Angesicht und vor den anwesenden Zeugen gegeben, noch haben sie sich durch das körperliche Ja, den Geschlechtsverkehr, einander ganz geschenkt und versprochen. Geschenke sollte man nämlich nicht zurückfordern.
Entscheidet man sich allerdings für die Ehe und gibt einander das Ja-Wort, dann geht die Hintertür nicht nur zu, sondern sie löst sich auf, sie verschwindet, weil das glückliche Paar sich ab diesem Zeitpunkt in der Unauflöslichkeit der Ehe befindet. Unser „Ja sei ein Ja“ (Mt 5,37), sagt Jesus – und genau darin liegt ein grundlegendes Geheimnis einer intakten Ehe: beide Partner wissen, dass das „Ja“ bis zum Ende gilt und dass dem anderen dieses Versprechen genau so heilig ist wie einem selbst. Auf dieser Basis gedeiht ein unerschütterliches Vertrauen ineinander (und in Gott – doch zu dem kommen wir beim nächsten Punkt), so dass viele Probleme wie Eifersucht, Verlustängste oder Misstrauen die Ehe gar nicht erst angreifen und vergiften können. Das Verschwinden der Hintertür ist weder ein Verlust von Freiheit noch ein Gefangensein in einem rein gesellschaftlich geprägten Schema, wie manche Ideologien es uns weismachen möchten. Es ist vielmehr der Schritt, der uns dank Gottes Gnade dazu verhilft, unsere Liebe im sicheren und gesegneten Umfeld der Familie zu entfalten und daran zu wachsen.
2. Solange mein Partner mein Ein und Alles ist und ich all meine Hoffnungen und Wünsche auf ihn projiziere, bleibt meine Liebe egoistisch und meine Ehe unerfüllt. Erhebt man den Partner zu einer Art Gottesfigur, ist die Ehe zum Scheitern verurteilt. Man wird weder in der Lage sein, frei und unegoistisch zu lieben, noch kann der Partner für all das herhalten, was man nur bei Gott suchen sollte und finden kann. Die uneigennützige Liebe lernen wir von Gott, der uns Seine Liebe dadurch offenbart hat, dass Er „seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“ (1Joh 4,9). Jesus, die Muttergottes und die Heiligen sollen die Vorbilder der Eheleute sein. Sie helfen uns, unsere Partner so zu lieben, wie der heilige Paulus es im 5. Kapitel seines Briefes an die Epheser fordert: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“ Überhaupt enthält dieser Abschnitt der Heiligen Schrift einen Schatz an Empfehlungen, die helfen, eine gute Ehe zu führen.
Das Gebet, die regelmäßige Gewissenserforschung und die Reinigung durch die heilige Beichte, die häufige Kommunion mit Jesus in der Messe: all dies sind Waffen, die die Liebe eines Ehepaars stärken, sie läutern und von egoistischen Beschränkungen befreien. Kleine Aufmerksamkeiten, gute Worte und Liebesdienste am anderen sind die natürlichen Folgen eines praktizierten Glaubens. Man muss in der Ehe das Gut des anderen vor das eigene Gut stellen. Wird diese Grundeinstellung von beiden Eheleuten getragen, kann die Ehe – trotz aller Disharmonien, die nicht zu vermeiden sind und die natürlich auch ihre Berechtigung haben – nicht anders als glücklich sein.
Selbstredend ist man als Ehepaar auch offen für die Kinder, die Gott einem schenken möchte und würde sich nie aus egoistischen Gründen vor diesem Gottesgeschenk verschließen. (Uns wurden bis jetzt 2 Söhne geschenkt.)
3. In der gemeinsamen Ausrichtung auf Gott sehe ich die dritte Grundlage einer glücklichen Ehe: über allem anderen muss die Beziehung zu Gott stehen, die mindestens genau so gepflegt werden will wie diejenige zum Ehepartner. Wer keine Beziehung zu Gott sucht und lebt, wird früher oder später unzufrieden mit sich und seinem Partner, da ein anderer Mensch nie in der Lage sein wird, jenen inneren Frieden zu schenken, den nur Gott, nicht aber die Welt geben kann (vgl. Joh 14,27). Wo Gott im Mittelpunkt einer Partnerschaft steht, wo gemeinsam gebetet wird, wo in der hl. Beichte regelmäßig mit sich selber ins Gericht gegangen wird, dort wird das Liebesglück täglich erneuert. Der gelebte Glaube erhält die Gnade des Ehesakraments ein Leben lang, wenn beide Partner ihr Leben immer neu auf Gott als gemeinsames Ziel ausrichten.
Diese drei Grundlagen – keine Hintertür, eine gereinigte Liebe und die gemeinsame Ausrichtung auf Gott – sind nur dort möglich, wo der Glaube ernst genommen wird. Christliche Eheleute dürfen den Glauben nicht in der Schublade des „Privaten“ verstecken, nein, sie müssen ihren Glauben gemeinsam leben und verkünden. Jedes Ehepaar, das sucht, wird seinen Weg finden, seine ihm eigene Art, die Ehe in den Dienst Gottes zu stellen. Es ist ein Weg, der unendlich reich belohnt wird. Er gibt der Liebe die Tiefe, jene Lebendigkeit, nach der jeder Mensch sich sehnt. Vielleicht wird ein solches Paar ein paar Liebesromane und -filme weniger konsumieren, da die Liebe ihr wunderschönes Lied ununterbrochen im eigenen Leben singt. Aber wen würde das stören?
Love Story - Teil 2
21/07/09 21:32 Kategorie: Privat

Nach der Trennung von meiner Freundin hatte ich eine wichtige Begegnung mit Gabriele Kuby, die sich unermüdlich für eine „sexuelle Revolution“ der Liebe und Reinheit einsetzt. Dank ihr und der Vorträge von Christopher West, die sie mir auf CD schenkte, wurde mir klar, dass die Kirche in ihrer Morallehre und besonders Papst Johannes Paul II. in seiner „Theologie des Leibes“ keine Spielverderber sein möchten oder durch Verbote Macht ausüben wollen. Auch wenn verkrustete Priester zu Zeiten meiner Eltern und Großeltern diesbezüglich viel Unheil durch liebloses Beichthören und schulmeisterliches Fingerheben angerichtet haben, so darf diese missgeleitete Zunft nicht ewig als Entschuldigung missbraucht werden, sich nicht ernsthaft der Morallehre der Kirche zu stellen. Tatsächlich strahlt die Lehre der Kirche eine Liebe für die Jugend und für die Familien aus, wie man sie sonst nirgends findet.
Ich hatte am eigenen Leib erfahren, dass die sexuelle Freiheit, wie der Geist der Zeit sie vermitteln möchte, der menschlichen Würde nie gerecht werden kann. Was vordergründig Vergnügen bereitet und Nähe vortäuscht, führt bald zu Isolation und Entfremdung. Die Sexualität gehört ausschließlich in die Ehe, weshalb oft vom „ehelichen Akt“ gesprochen wird. Nur hier ist der Rahmen gegeben, der dem unschätzbaren Geschenk der menschlichen Sexualität den ihr angemessenen Ausdruck verleihen kann. Nur hier wird der Akt in seiner Ganzheit der Liebe Gottes gerecht, die im Sakrament der Ehe zwei Menschen unauflöslich miteinander verbindet, sie einander schenkt und anvertraut.
Dieses Konzept (über das wohl manch einer meiner werten Leser empört die Nase rümpfen wird) wurde mir mehr und mehr in seiner Schönheit und den daraus resultierenden Konsequenzen bewusst: glückliche, intakte Familien könnten aus jener Lebenshaltung hervorgehen, mit Kindern, die sich geliebt wissen und mit aufrechtem Rückgrat am Aufbau einer gerechteren Welt mitwirken, kurzum: Menschen, die lernen, ihren Egoismus hinter sich zu lassen zum Wohl der Familien und der Gesellschaft. Gut, hier träume ich ein wenig – all das sind idealisierte Vorstellungen, schwer umzusetzen, wenig erstrebenswert für die meisten, vielleicht zum Scheitern verurteilt in einer Welt wie der unsrigen…
Dennoch: ich gelobte, fortan sexuell abstinent zu leben, bis Gott mir die richtige Frau schenken und wir heiraten würden – sollte der Herr so gütig sein, mir dieses Glück nach meinen zahlreichen Fehltritten zu gewähren. Ich öffnete mich gleichzeitig vorbehaltlos der Möglichkeit, Priester oder Ordensmann zu werden.
Bei meiner ersten Wallfahrt nach Medjugorje lernte ich Martina kennen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Sie hinterließ jedoch wie viele andere Mitreisende unserer Pilgergruppe einen tiefen Eindruck in mir, waren es doch die ersten Begegnungen mit jungen Menschen, die ernst machten mit dem katholischen Glauben, die Gott wirklich an die erste Stelle ihres Lebens setzten. Nicht pseudoreligiöse Jugendliche und liberale Priester, wie ich sie an katholischen Hochschulgemeinden, den so genannten KHG‘s, kennengelernt hatte, wo der Glaube nach Lust und Laune zurechtgebogen und -gezimmert wird. Hier hörte ich kein „Jesus ja, aber…“, sondern sah Menschen, die mit leuchtenden, reinen Augen durch ihr bedingungsloses „Ja“ zu Jesus und seiner Kirche eine Lebensfreude ausstrahlten, wie ich sie vorher bei niemandem gesehen hatte.
Martina war ein besonders fröhliches Mitglied der „Amici di Dio“, und sie imponierte mir wie die anderen dadurch, dass sie ein Skapulier trug, mit Selbstverständlichkeit den Rosenkranz betete und die Mundkommunion empfing, den Papst liebte… Alles Dinge, von denen ich mir bis dahin nicht vorstellen konnte, dass es sie gab. Da Martina vorhatte, ins Kloster einzutreten und Gott ihr Leben als kontemplative Schwester darzubringen, kam ich gar nicht auf die Idee, mir irgendwelche Zukunftsträume auszumalen. Ich betete vielmehr, dass Gott mir meine Berufung zeigen und mir helfen sollte, einen vollständigen Neuanfang zu machen, egal in welche Richtung der Weg mich führen würde.
Erst als ich wieder zuhause war, drängten sich vermehrt die Erinnerungen an Martina in mir auf, bis ich schlagartig beim Betrachten eines Fotos von ihr wusste, dass wir heiraten würden. Ich kannte sie kaum, deshalb schien mir der Gedanke genau so verrückt wie den Freunden, denen ich nach und nach davon erzählte. Gerade in einer Zeit, in der ich über den Kummer der letzten Beziehung hinweggekommen war und allein wieder wunderbar zurechtkam, schlug die Liebe zu und versetzte mein Leben in Unruhe. Was tun? Ich bat Gott um Zeichen, die Er mir auch regelmäßig schickte, damit ich die innere Gewissheit nicht verlor und nicht aufgab. Es bedurfte nämlich der allergrößten Hartnäckigkeit, um Martinas Vertrauen zu gewinnen und ihr zu beweisen, dass ich es ernst meinte. Gleichzeitig durfte ich nicht zu aufdringlich sein, gab sie mir doch immer wieder zu verstehen, dass sie sich nicht vom Weg ins Kloster abbringen lassen würde und dass sie nicht an mir interessiert sei.
9 Monate lang habe ich um sie geworben und gerungen, es gab Höhen und Tiefen, ich habe manches richtig und auch vieles falsch gemacht. Am Ende wollte sie mir doch eine Chance geben und den Schritt in die Beziehung mit mir wagen. Ich konnte es kaum fassen. Nach meiner extrem turbulenten Vergangenheit hatte ich nun eine Freundin, die nie mit einem Mann zusammen gewesen war! Vor dieser Unschuld, die gleichzeitig eine enorme Kraft ausstrahlte, hatte ich einen Riesenrespekt, und in gewisser Weise hatte auch der liebe Gott mir meine Unschuld zurückgegeben.
Ich entdeckte die Liebe neu und erfuhr zum ersten Mal, welch tiefe Bande der Freundschaft zwischen Mann und Frau entstehen können, wenn sie nicht durch verfrühte sexuelle Kontakte beeinflusst werden. Keiner wird behaupten, dass es leicht ist, auf die körperliche Nähe vor der Ehe zu verzichten. Auch für uns war es manchmal sehr schwierig. Aber wo ein Wille ist, ist ein Weg, sagt man, und wo gebetet wird, hilft Gott. Es ist möglich, und der Verzicht wird unendlich reich belohnt! Das „Warten“ beschützt, heiligt und kräftigt die Liebe zwischen den Brautleuten, wodurch ein starkes, unerschütterliches Fundament für ein ganzes (!) Leben miteinander gebildet wird.
Nach einem halben Jahr, das nicht immer unkompliziert war, da Martina immer noch zwischen Kloster und Ehe schwankte, verlobten wir uns Anfang Februar 2006 – nachdem wir die 30-tägige Schutzmantel-Andacht zum heiligen Josef gebetet hatten (sehr zu empfehlen!). Die Brautzeit sollte uns helfen, unsere Berufung zur Ehe zu prüfen und einander noch tiefer kennenzulernen. Martina wurde kurz später im Gebet vor dem Allerheiligsten die tiefe Gewissheit geschenkt, dass wir zusammengehören, und unsere Vorfreude auf die Hochzeit und das Gründen einer neuen Familie wuchs täglich. Gott schenkte uns Klarheit. Die Monate vor der Hochzeit waren glücklich und erfüllt und wir wuchsen aufgrund manch äußerer Hindernisse noch enger zusammen. Ich lebte in diesem Jahr auch während zwei Monaten im Stift Heiligenkreuz bei Wien, wo wir am Rosenkranzfest des gleichen Jahres das Sakrament der Ehe empfangen durften.

Hier geht’s zum dritten Teil der Love Story.
Buchtipps zum Thema: Ausbruch zur Liebe und Only You
Love Story - Teil 1
19/07/09 20:27 Kategorie: Privat

Dass ich eines Tages ein glücklicher Ehemann und Vater zweier Söhne sein würde, hätte ich mir vor 10, 15 Jahren mit viel Mühe vielleicht noch vorstellen können. Dass ich aber mit meiner Braut vor der Ehe enthaltsam leben und später mit meinen Kindern beten und regelmäßig in die Kirche gehen würde, und dass gerade der gelebte Glaube die Grundlage unseres Familienglücks sein würde – dieser Gedanke wäre mir vor meiner Bekehrung mehr als absurd vorgekommen (und meinem Umfeld wohl auch!). Und doch hat es sich so entwickelt.
Rückblickend fügen sich die verschiedenen Etappen eines Lebens wie Melodien und Themen zu einer verschlungenen Komposition zusammen, aus der man die Liebe Gottes in jedem Takt heraushören kann, egal wie sehr sie sich manchmal auch verbergen mag.
Ich hörte sie lange nicht. Ich vermutete zwar, dass es wohl die Liebe sein musste, die dem Leben seine Berechtigung gab, aber ich reduzierte diese Liebe während meiner Jugendjahre auf eine erotische und demnach eigennützige Art der Liebe. Wenn man die selbstlose Liebe Gottes, die sich im Opfer seines eingeborenen Sohnes Jesus Christus offenbart, als Quelle und Maßstab nicht erkennt oder anerkennt, bleibt jedes Verständnis von Liebe nur bruchstückhaft. Kein Wunder also, dass in einer derart gottlosen Gesellschaft wie der unseren in puncto Liebe unentwegt Lügen, bewusste wie unbewusste, verbreitet werden, dass Beziehungen kaum länger als einige wenige Jahre halten, ja, dass im Letzten der egoistisch veranlagte Mensch liebesunfähig geworden ist.
Die Freundinnen wechselte ich relativ häufig. Vielleicht hatte ich Angst, etwas zu verpassen („es könnte ja noch eine bessere geben“), vielleicht spürte ich, dass da nie der Mensch stand, dem ich bereit war, mich ganz hinzugeben. Wahrscheinlich hielten wir es miteinander auch nie besonders lange aus, weil das Körperliche viel zu sehr im Vordergrund stand. Diese Ausrichtung führt logischerweise früher oder später in eine Sackgasse. Immer.
Eine bemerkenswerte Wendung nahm dieses Rondo (eine musikalische Form: A-B-A-C-A-D usw., stellvertretend für: Einsamkeit - Mädchen A - Einsamkeit - Mädchen B usw.), als Freundin S. eine Diplomarbeit über „Kirche und Sexualität“ schrieb. Dieses Thema ließ mich nicht kalt. Es interessierte mich sogar so sehr, dass ich bereit war, jedes neue Kapitel gründlich Korrektur zu lesen. Zum ersten Mal begegneten mir hier die Grundlagen der vorehelichen Abstinenz und des Pillen-Verbots in „Humanæ vitæ“, aber auch „Theologen“, die der katholischen Lehre gründlich widersprachen. Ich wusste bis zu jenem Zeitpunkt nicht viel mehr darüber, als dass Katholiken nicht verhüten und keinen Sex vor der Ehe haben dürften. Abstruse, weltfremde Ideen, oder? Dinge, die weder jemand will, noch schaffen kann, wollte er es tatsächlich doch versuchen. Oder…?
Dennoch schien mir gerade die Position der Kirche fundierter, schöner, wahrer. Ich geriet in ein inneres Dilemma, wollte die Keuschheit eigentlich in mein Leben integrieren, weil es mir richtig und konsequent erschien, andererseits war ich nicht bereit, auf den Sex mit meiner Freundin zu verzichten. In jenem Sommer vor fünf Jahren weihte ich zum ersten Mal mein Leben der Muttergottes, betete dreiunddreißig Tage lang, um mich darauf vorzubereiten und übergab anschließend Maria, der Mutter Jesu, in einem feierlichen Gebet vor ihrem Bild mein Leben, ohne zu wissen, was dieser Akt bedeutet, was da in unsichtbaren Dimensionen ausgelöst werden kann. Ich spürte nur, dass der Schritt klug und richtig war und dass meine Liebe zur heiligen Jungfrau wuchs, während gleichzeitig die Liebe zur katholischen Kirche umfassender und demütiger wurde. Ich musste nicht mehr alles verstehen und alles besser wissen als die überholte und böse Kirche (ja, lange dachte ich nicht anders als der moderne Mainstream-Mensch). Ich entwickelte die tiefe Bereitschaft, mich als klitzekleiner Glaubender mit kindlichem Vertrauen in die gewaltige Größe dieser Institution einzufügen, wissend, dass nur ein ganzes Ja zur Kirche mir ermöglichen würde, ihre Botschaft zu begreifen.
Das erwähnte Dilemma nahm ein rasches aber äußerst schmerzhaftes Ende, als die Freundin einen neuen Prinzen gesichtet hatte, gegen den sie mich über Nacht austauschte. In jener tränenreichen Nacht lernte ich das Magnificat, den Lobgesang Mariens, auswendig. Ich hatte es so gewollt, hatte schließlich dafür gebetet, dass ich mein Leben nicht mehr in der Lüge zubringe, sondern mein suchendes Dasein unter der Führung der Muttergottes mehr und mehr auf den Willen Gottes ausrichten kann. Der Kreuzweg und die häufige Beichte trugen in dieser Zeit dazu bei, dass die Verletzungen, die ich mir durch mein sündhaftes Leben zugezogen hatte, überraschend schnell heilten. Ich begann auch regelmäßig bei Wasser und Brot zu fasten (eine Praxis, die ich heute leider nicht mehr schaffe), um Buße zu tun für die Wunden, die ich meinen Freundinnen und Liebschaften im Laufe der Jahre zugefügt hatte.
Hier geht’s weiter:
Love Story – Teil 2
Love Story – Teil 3
Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel
16/07/09 14:40 Kategorie: Lehrreiches

Frisch in die neue Woche
13/07/09 10:07 Kategorie: Heiteres
Bei meinen Kleinen klappt es zwar nicht, aber die Babys im Video werden sichtlich munter durch dieses Wasser:
Joaquín Rodrigo zum zehnten Todestag
06/07/09 21:50 Kategorie: Musik

Aufgrund der enormen Popularität des 2. Satzes seines „Concierto de Aranjuez“ (wer nicht weiß, welche Musik das ist, bitte unbedingt anklicken), werden bis heute seine anderen Werke immer noch sehr vernachlässigt. Auf der offiziellen Seite der Rodrigo-Stiftung kann man mehr über den Komponisten und sein Werk erfahren.
Zum Tagesausklang möchte ich ein etwas unbekannteres, aber in seiner Schlichtheit berührendes Stück von Rodrigo hier posten: den 2. Satz aus der „Fantasía para un gentilhombre“ für Gitarre und Kammerorchester mit dem Titel „Españoleta y Fanfare de la Caballería de Nápoles (Adagio - Allegretto molto ritmico)“. Gute Nacht!
(Bild von der Seite der Rodrigo-Stiftung)
Die Schutzherrin der Reinheit
06/07/09 17:43 Kategorie: Heilige

Prolog
Am 6. Juli 1902 verstarb die hl. Maria Goretti im Alter von 11 Jahren einen Tag nach einer versuchten Vergewaltigung, die mit 14 Messerstichen endete. Das Mädchen wollte beim Übergriff seine Unversehrtheit nicht verlieren, diese war ihr wichtiger als ihr Leben. Der Mörder verlor durch ihre Haltung vollends die Kontrolle über sich und stach auf sie ein. Noch auf dem Sterbebett verzieh das heilige Kind dem 20-jährigen Alessandro Serenelli, der zu dreißig Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde.
Die Geschichte des Mörders
Die ersten Jahre verbrachte er in sturer Reuelosigkeit. Da erschien ihm eines Nachts im Traum die kleine Maria Goretti. Sie pflückte Blumen und bot sie ihm an. Von diesem Zeitpunkt an war er wie verwandelt und wurde ein vorbildlicher Häftling. Zu Weihnachten 1928 wurde er vorzeitig entlassen. Sein erster Weg führte ihn zu Marias Mutter Assunta. Er wollte sie um Verzeihung bitten. Am Weihnachtsabend klopfte er an die Tür des Pfarrhauses von Corinaldo an, wo sie Haushälterin geworden war. Sie antwortete: „Wenn Gott dir verziehen hat, wie sollte ich dir nicht vergeben?“ Beide empfingen während der Weihnachtsmesse nebeneinander in der heiligen Kommunion den Herrn, der allen alles zu vergeben bereit ist.
Bald darauf trat er als Laienbruder in das Kloster der Kapuziner von Macerata ein. Bei der Heiligsprechung Maria Gorettis durch Papst Pius XII. im Jahr 1950 hatte auch Alessandro Serenelli sich unter den 500.000 versammelten Gläubigen auf dem Petersplatz eingefunden.
Vermächtnis des Büßers: Warnung vor Pornografie
Hören wir die Stimme des Mörders, der einige Jahre vor seinem Tod 1970 folgenden Brief geschrieben hat:
„Ich bin beinahe 80 Jahre alt und werde bald sterben. Wenn ich mir meine Vergangenheit anschaue, erkenne ich, dass ich in meiner frühen Jugend einen schlechten Weg ausgewählt habe, der dazu führte, dass ich mein Leben zerstörte.
Mein Verhalten wurde von Zeitschriften, Medien und schlechten Beispielen beeinflusst, denen die Mehrheit der jungen Menschen folgt, ohne überhaupt darüber nachzudenken. Ich tat das Gleiche und war nicht besorgt darüber.
Als ich 20 Jahre alt war, beging ich ein Verbrechen aus Leidenschaft. Heute ist die Erinnerung daran etwas Furchtbares für mich. Maria Goretti, jetzt eine Heilige, war mein guter Engel, durch Gottes Vorsehung zu mir gesandt, um mich zu führen und zu retten.
Ich habe immer noch ihre Worte des Tadels und der Vergebung in meinem Herzen eingraviert. Sie betete für mich, hielt Fürsprache für ihren Mörder. Dreißig Jahre Gefängnis folgten. Wäre ich alt gewesen, hätte ich mein ganzes Leben im Gefängnis verbracht. Ich akzeptierte das Urteil, weil ich schuldig war.
Die kleine Maria war wirklich mein Licht, meine Beschützerin; dank ihrer Hilfe konnte ich mich während 27 Jahren Haft gut benehmen und ein ehrenhaftes Leben führen, als man mich wieder in die Gesellschaft aufnahm.
Die Brüder des hl. Franziskus, Kapuziner aus den Marken, hießen mich mit engelsgleicher Nächstenliebe in ihrem Kloster – als Bruder, nicht als Knecht – willkommen. Seit 24 Jahren lebe ich in ihrer Gemeinschaft und hoffe nun in heiterer Gelassenheit, Gott bald schauen zu dürfen, meine Liebsten zu umarmen und bei meinem Schutzengel und ihrer Mutter Assunta zu sein.
Ich hoffe, dass dieser Brief andere lehren kann, das Böse zu meiden und stets auf dem rechten Pfad zu bleiben, wie kleine Kinder. Ich glaube, dass wir auf die Religion mit ihren Grundsätzen nicht verzichten können, sondern dass sie uns wahren Halt und Kraft schenken kann und der einzig sichere Weg in allen Begebenheiten ist, auch in den schmerzhaftesten unseres Lebens.“
Bekenntnisse eines Reumütigen des späten 20. Jahrhunderts
Im Grunde genommen, ohne dass es explizit gesagt wird, meint Alessandro Serenelli mit Zeitschriften und Medien pornografische Medien. Tatsächlich kennt die Geschichte zahlreiche Mörder, die ihre Sucht nach Pornografie als Hauptursache ihrer grauenhaften Taten ansahen. Ein Serienmörder, der als einer der brutalsten in die Geschichte Amerikas einging, wurde 1989, zehn Jahre nach seiner Inhaftierung, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Ein Tag vor seinem Tod wurde ein Interview mit ihm aufgenommen, um das er eigens gebeten hatte. Er wollte die Menschen in aller Eindringlichkeit vor der Macht des Bösen, die sich durch die Pornografie manifestiert, warnen. Ein bemerkenswerter Schritt, bedenkt man, dass der Mann nur noch wenige Stunden zu leben hatte und darum wusste. Ich glaube ihm:
Papst Johannes Paul II. hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, dass besonders die jungen Menschen wieder den Wert der Keuschheit und Reinheit erkennen und als das annehmen, was sie sind: nämlich Tugenden, die uns ein wirklich erfülltes und glückliches Leben ermöglichen. Ich weiß ein Lied davon zu singen und werde demnächst darüber berichten, wie ich dazu kam, mein Durchschnittsleben (=wechselnde Partnerschaften mit Sex als einem der Hauptziele) hinter mir zu lassen, um ein neues Leben mit ungleich mehr Tiefe, Schönheit und Glück zu erfahren.
„Scheut euch nicht, in ihr (Maria Goretti) die christliche Keuschheit, die Unschuld und das Schamgefühl zu ehren. Das sind Tugenden, die immer und besonders heute notwendig sind zum Schutz der menschlichen und christlichen Würde, zu einem glaubwürdigen Leben nach dem Evangelium, zur echten, aufrichtigen Liebe, zu gegenseitiger Achtung der Person, zur Rechtschaffenheit und zu wahrem Familienglück.“ (Papst Johannes Paul II.)
Update: Auch Elsa hat über die hl. Maria Goretti und Alessandro gebloggt. Sehr lesenswert!
Weiterführende Links:
- Amici di Dio: 3 Ave Maria für Keuschheit und Reinheit
- Gabriele Kuby: Du darfst alles - was willst du?
- Only You
- Kathpedia: Keuschheit
- Freundeskreis Maria Goretti
- MariaGoretti.org
Esoterik und katholischer Glaube
02/07/09 08:02 Kategorie: Lehrreiches

Ist Esoterik mit dem katholischen Glauben vereinbar? In einer e-mail hat mir David darauf geantwortet: nicht die kleinste Kleinigkeit.
Diese Frage ist höchst aktuell. Wer sich heute auf „Sinnsuche“ begibt, wird fast zwangsläufig mit esoterischen Angeboten konfrontiert. Dabei darf schon gefragt werden, ob mit dem Begriff „Esoterik“ nicht Etikettenschwindel betrieben wird. Denn: Was soll an Lehren, die in hoher Auflage auf den Markt geworfen werden, noch esoterisch, also allein den Eingeweihten zugänglich, sein? Im Grunde dürfte ich als Uneingeweihter gar nichts davon wissen. Recht besehen hat jede Religion neben einer exoterischen auch eine esoterische Seite, auch die christliche. Früher zumindest waren die Katechumenen bei der eigentlichen Mysterienfeier unerwünscht, denn sie mussten eben erst eingeweiht werden (durch das Sakrament der Taufe). Und Dionysius Areopagita warnt in seiner mystischen Theologie: „Gib aber acht, dass niemand der Nicht-Eingeweihten etwas von diesen Dingen zufällig hört.“
Gemeint ist mit Esoterik daher eher eine subjektiv-synkretistische Religiosität oder eine New-Age-Spiritualität; alles Mögliche fällt darunter, seien es alternative Heilmethoden, Spiritismus, Schamanentum oder Anthroposphie, so dass dem Begriff eigentlich jede Trennschärfe mangelt. Ich bin damit vielfältig in Berührung gekommen, und zwar ohne großartig danach gesucht zu haben. Ich bin kein Aussteiger, denn dazu war ich zu wenig eingestiegen. Einem katholischen Esoteriker wie Valentin Tomberg verdanke ich jedoch wertvolle Einsichten, auch was den katholischen Glauben betrifft. Tomberg – dessen Schriften immerhin von Robert Spaemann herausgegeben werden – kann als Beispiel dafür dienen, dass sich esoterische Weisheit und katholischer Glaube durchaus etwas zu sagen haben, natürlich unter Vorrang des päpstlichen Lehramts. Das einzige heterodoxe Element, das ich bei Tomberg habe finden können, ist die Reinkarnationslehre; diese soll aber keineswegs die Auferstehung der Toten „ersetzen“, sondern kann als Erfahrungstatsache daneben bestehen – wie in der Orthodoxie die Unzerstörbarkeit der Seele. Ein aufschlussreiches Statement dazu gibt es von Papst Johannes Paul II.
Beginnen möchte ich mit den unterschiedlichen esoterischen Praktiken; denn auf Praxis und Erfahrung wird in der „Szene“ sehr viel Wert gelegt, noch ehe es um theoretische Grundlagen geht. Ein weites Feld, das von nicht wenigen Scharlatanen und Hochstaplern bevölkert wird. Offen gestanden, habe ich mich nie sonderlich dafür interessiert. Es wäre daher unfair, alle diese Praktiken in Bausch und Bogen zu verdammen. Aber sind diese Praktiken nicht gefährlich? Nicht gefährlicher als das Leben an sich, scheint mir. Dämonen sind überall unterwegs, und wer fest im Glauben steht, muss nichts fürchten – außer den Herrn. Das heißt nicht, dass ich ein wildes Herumexperimentieren mit diesen Praktiken befürworten würde; spiritistische Sitzungen oder satanische Rituale sind natürlich indiskutabel. Statt Furcht erscheint mir die Tugend der Klugheit jedoch angemessener. Ich kann z. B. nicht ausschließen, dass an Astrologie etwas „dran“ ist. Aber wenn ich angesichts des Kreuzes bete, kann ich mich nicht anders als frei und verantwortlich fühlen vor Gott – determiniert weder durch Sterne noch durch Gene; und angesichts des Kreuzes kann ich auch nicht anders empfinden, als dass mein persönliches Schicksal in der Hand Gottes liegt – weder in Sternen noch in Genen.
Daneben haben sich viele esoterische Praktiken im Gesundheitsbereich ausgebreitet, offenbar mit mehr oder weniger Erfolg. Dabei kann einen nüchterner Pragmatismus schützen: Was hilft, hilft. Der Körper ist ein unbestechlicher Richter, und sein Urteil erkennt man daran, ob das Symptom verschwindet oder eben nicht. Problematisch wird das erst, wenn zwecks Heilung bestimmte esoterische Glaubenssätze angenommen werden sollen. Ja, es gibt zwar keinen esoterischen „Katechismus“, aber wiederkehrende Sätze, die man – gelegen oder ungelegen – zu hören kriegt, auch wenn die „Szene“ sich antidogmatisch (und antiinstitutionell) geriert.
Denn jeder spirituelle Fortschritt kann nur auf eigener Erfahrung beruhen. Erfahrung gehört gewissermaßen zu den Zauberwörtern, mit denen man auf esoterischen Kongressen punkten kann. Nur Dummköpfe, schreibt Gomez-Davila, müssen alle Erfahrungen selber machen. Und nur Dummköpfe, so könnte man Davila paraphrasieren, denken, Dogmen seien lebendiger Erfahrung entgegengesetzt. In Wirklichkeit aber sind die geoffenbarten Dogmen Beschreibungen einer objektiven-geistigen Realität, in die ich nicht unmittelbar Einsicht habe; erst dadurch, dass ich sie annehme, öffnen sich mir – analog zu Ikonen – Fenster zu dieser Realität, und ich kann Erfahrungen in und mit dieser Realität machen. Dabei kommt das Erfahrungsmoment im christlichen Glauben nicht zu kurz: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir geschaut und was unsere Hände berührt haben, das Wort des Lebens – das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist.“ (1 Joh 1, 1-3) Ist diese Erfahrung – das sinnliche Wahrnehmen des fleischgewordenen Logos – nicht im Glauben selbst enthalten, und zwar so, dass derjenige, der sich zu Christus bekehrt hat, über diese Erfahrung ganz selbstverständlich verfügt, ob nun bewusst oder unbewusst? Besondere mystische Erfahrungen sollten deshalb nicht überbewertet werden. „Alle Sakramente sind größer als jedwede Vision“, schreibt der Zisterzienser Thomas Keating und führt aus, dass die meisten mystischen Erfahrungen nicht in kontemplativen Orden, sondern außerhalb – zumeist von Laien – gemacht werden; durchaus denkbar ist, dass Gott mit diesen mystischen Gnadengaben gerade einem Mangel an Glauben aufhelfen will.
In der Regel werden aber nicht nur Dogmen an sich für obsolet erklärt, sondern Gott gleich mit – zumindest der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, erst recht der dreifaltige Gott, den zu denken Esoterikern offenbar zu kompliziert ist. Wenn Esoteriker von Gott sprechen, dann ist alles Mögliche damit gemeint – das Leben, der Kosmos, das Universum, eine Wunscherfüllungsmaschine, das höhere Selbst, aber eben nicht der christliche. Die Personalität Gottes wird sodann – so zum Beispiel in der durchaus ernst zu nehmenden transpersonalen Psychologie – abgelehnt oder zumindest als veraltet angesehen (das personale Gottesbild entspreche der rationalen Stufe, die nun aber durch die transrationale Bewusstseinsstufe abgelöst werde, wo – grob gesagt – jede Dualität aufgehoben ist). Für mich hat das „personale Gottesbild“ allerdings Vorzüge, die ich nicht missen möchte. Denn nur so weiß ich, dass meine Bitt- und Dankgebete einen Adressaten haben; der/das neoplatonische Eine, aus dem die Welt emaniert ist, kommt dafür nicht in Frage (konsequenterweise lehnte es der exklaustrierte Benediktinerpater Willigis Jäger ab, einen Brief an „Gott“ zu schreiben). Der/das Eine hat es auch nicht nötig, sich am Sinai oder durch Jesus Christus zu offenbaren, denn es offenbart sich ja am vollkommensten durch das, was geschieht. Die Liste ließe sich beliebig erweitern, mit dem Ergebnis, dass am Ende der ganze christliche Glaube, die Auferstehung der Toten inklusive, beseitigt wäre. Auf dieser Ebene – der metaphyischen – muss ich David unumwunden recht geben: das hat mit dem katholischen Glauben nicht die kleinste Kleinigkeit zu tun. Dass Jesus Christus am Kreuz für unsere Sünden gestorben sein soll, ist in die esoterische Weltsicht schlechterdings nicht integrierbar. Wie sollte es auch, wenn es darum geht, eine bestimmte Bewusstseinsstufe zu realisieren? Deshalb wird Jesus Christus auch nicht als Gottessohn oder Gottmensch gesehen (oder nur in der Form, dass diese Gottmenschlichkeit ein allgemeines Wesensmerkmal des Menschen sei), sondern als „Weltenlehrer“ (was auch immer das heißen mag) oder als Mensch mit einer tiefen Gotteserfahrung (Willigis Jäger). Der Zen-Spruch – Triffst du den Buddha, schlag ihn tot – ist auf Jesus eben nicht übertragbar, auch wenn Willigis Jäger, der offenbar vor keinem Irrtum haltmacht, das meint. Anders gesagt: Es wäre doch wohl verfehlt, die Nachfolge Christi als buddhistischen Übungsweg zu betrachten. Wer also Christus sucht, ist in der Esoterik schlecht aufgehoben.
Weitere Sätze sind: „Alle Religionen führen zum selben Ziel“, - „Nichts ist Zufall, alles hat einen Sinn“, - „Alles, was dir widerfährt, ist von dir gewollt“ etc. Sätze also, wie es im Faust heißt, mit viel Irrtum und einem Fünkchen Wahrheit – die weniger nerven würden, wenn sie nicht immer wie der Weisheit letzter Schluss vorgetragen würden. Nervend ist weiterhin – da alles bewusstseinsabhängig ist – das unselige Herumpsychologisieren, das einem Tanz um's golden Kalb gleicht.
Was hat das jetzt aber mit Religion zu tun? Meines Erachtens so viel wie ein Bordellbesuch mit einer Hochzeitsnacht. Oder weniger krass: so viel wie Esperanto mit einer gewachsenen Sprache. Nebenbei: Richtig klar geworden ist mir das, zugegeben, erst, nachdem ich ein paar Mal an der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus teilgenommen hatte, in dem – so scheint mir, ohne Beweise dafür zu haben – die Religion an sich aufgehoben ist. Der Vergleich mit Esperanto trifft es ganz gut; die moderne Esoterik ist hochgradig künstlich, zusammengemixt aus allen möglichen Religionen, von denen sich keine darin wiedererkennen mag. Höchst unauthentisch dafür, dass auch „Authentizität“ zu den oben erwähnten Zauberwörtern gehört.
Dennoch plädiere ich für mehr „Esoterik“ innerhalb der Kirche. Der esoterische Spiritualismus scheint mir letztlich eine Reaktion einerseits auf den Materialismus zu sein, andererseits auf eine rationalistische Theologie, die das Jenseits „entvölkert“ hat – ja, wo sind nur die Engel hin, wo sind sie geblieben? Auf esoterischen Engelkongressen? Der katholische Glaube ist nämlich konkrete Metaphysik, nicht zufrieden mit blassen Abstraktionen. Mit Esoterik meine ich daher auch nicht eine aufgeblähte Innerlichkeit, sondern vielmehr eine Vertiefung des christlichen Glaubens; dieser ist zwar Geschenk Gottes und daher unverfügbar, aber es kann dafür gesorgt werden, dass er – wie der Herr im Gleichnis vom Sämann ausführt – auf fruchtbaren Boden fällt und wachsen und Frucht bringen kann – mittels mystagogischer Katechese, kontemplativen Gebets, des Herzens- oder Rosenkranzgebets, der Entwicklung der „geistlichen Sinne“ (R. Guardini) oder der Feier der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus etc., also allem, was die reiche katholische Tradition hergibt. Dazu bedarf es nicht zuletzt „väterlicher“ Seelsorger, die aus einer echten christlichen Spiritualität leben, Menschenfischer eben, die einen geistig-seelisch zu Christus führen – man denke nur an die Starzen im orthodoxen Russland, die selbst einem Tolstoj imponiert haben. Mit Kritik kann an dieser Stelle nicht gespart werden, denn weite Teile des gegenwärtigen Klerus’ scheinen diesbezüglich selbst Nachholbedarf zu haben – vielleicht nicht zuletzt deswegen hat der Hl. Vater ein Priesterjahr ausgerufen.